Auswandern nach Dänemark – Ein Interview

Auswandern nach Dänemark – Ein Interview mit Silke

Ich bin mit Silke verabredet. Wir treffen uns in einem Café in Ribe. Hier ganz in der Nähe wohnt die 31 jährige Deutsche. Sie ist Köchin von Beruf. Vor 2 Jahre trennt sich ihr Mann überraschend von ihr. Nach der Scheidung beschließt sie etwas neues anzufangen und fährt nach 10 Jahren zum 1.Mal alleine in den Urlaub. Ihr Ziel ist die Insel Rømø. Sie ahnt nicht, dass die Reise ihr Leben verändert wird. Ein purer Zufall ist Schuld daran.

Wie bist Du nach Dänemark gekommen? Es ist eine lange Geschichte! Ich war auf dem Weg nach Rømø. Auf der Autobahn gab es nur Staus und es war schon nach Mitternacht als ich die dänische Grenze passierte. Ich hatte irgendwie die Orientierung verloren und beschloss in einem Gasthof eine Zwischenübernachtung einzulegen. Dort hing ein Schild in deutscher Sprache mit der Aufschrift „Koch gesucht“. Das war meine Chance.



So einfach war die Jobsuche? Ich bin zunächst nach Rømø gefahren und irgendwann kam mir die Idee, noch einmal zum Gasthof zurückzukehren und mich dort zu bewerben. Das war kurz nach meiner Scheidung. Ich war seit 10 Jahre aus dem Beruf und hatte nach der Lehre nie wirklich gearbeitet. Obwohl unsere Ehe Kinderlos blieb, hatte mein Mann immer das Geld verdient. Ich fuhr also zurück und stellte mich einfach so vor. Ohne Bewerbungsunterlagen, aber voller Selbstbewusstsein und bereit für neue Taten. Das muss die Chefin beeindruckt haben. Sie rief mich nur drei Tage später an und ich hatte den Job in der Tasche. Jetzt hieß es „auf nach Dänemark“.

Ist Dir der Abschied nicht schwer gefallen? Nein, gar nicht. Verwandte habe ich in Deutschland eh keine mehr und nach der Scheidung ist mir bewusst geworden, dass unsere Freunde eigentlich nur die meines Mannes waren. Ich hatte sie nur immer bekocht und das kam mir jetzt zu Gute.

Wie waren die ersten Wochen in Dänemark? Ich bin direkt gut zurecht gekommen und habe mit auf Anhieb mit meiner Chefin und ihrem Mann verstanden. Sie waren schnell begeistert von meinen Kochkünsten. Zu Beginn habe ich im Gasthof gewohnt. Vier Monate später zog ich in ein kleines Häuschen mit 70 qm Wohnfläche. Klar war es am Anfang nicht leicht. Im Gasthof konnte ich zum Glück schnell Kontakte knüpfen und irgendwie war ich in Deutschland ja auch plötzlich einsam. Aber alle haben mich integriert. Heute habe ich eine Menge Freunde und Bekannte und ich kann behaupten, dass es wirklich Freunde sind.



Bist Du immer noch glücklich und würdest Du es wieder tun? Diese Frage kann ich nur bejahen. Ich bin ein anderer Mensch geworden. Ein Leben ohne die Nordsee kann ich mir nicht mehr vorstellen. Jeden Tag fahre ich mit meinen beiden Hunden an den Strand. Sicher hätte es auch anders ausgehen können, aber ich hatte einfach nur Glück!

Vermisst Du nichts? Nein, wirklich vermissen tue ich nichts. Naja, vielleicht die großen Drogerie-Märkte, aber bis zur deutschen Grenze ist es ja nicht soweit.

 

Carina Tietz

Freie Journalistin und Autorin

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