Wein-Urlaub wird immer beliebter

Reisen, die sich mit Thema Wein beschäftigen werden immer beliebter. Weltweit bieten Reiseunternehmen Wein-Urlaub und folgen damit einem neuen Trend. Der Weinkenner will gerade im Urlaub nicht auf sein Lieblingsgetränk verzichten. Zudem möchte er sich über den Wein und seine Herstellung informieren.

Wein-Urlaub in Deutschland
Deutschland bietet eine Vielzahl an Weinreisen an. Diese können über Reiseunternehmen pauschal gebucht oder ganz individuell nach eigenen Vorstellungen gestaltet werden. Die Deutsche Weinstraße eignet sich hervorragend für lange Radtouren. Einige Radwege führen direkt durch die Rebenhänge und bieten ein eindrucksvolles Panorama. Die bekannten Weinorte an der Mosel, wie zum Beispiel Cochem oder Boppard locken auch viele Tagestouristen an. Vereine oder Firmen kommen zu einer Weinprobe. Sie genießen regionale Speisen und verköstigen edle Weine.



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Die Hotels entlang der Weinflüsse Mosel, Saar, Ruwer, Ahr und Rhein sind auf Weinliebhaber eingestellt. In Zusammenarbeit mit den lokalen Touristikeinrichtungen und Touristikvereinen bieten sie interessante Programme an. Es gibt zum Beispiel Führungen durch die Kellereien oder Wanderungen durch die Weinberge. Die meisten Angebote werden von erfahrenen Lektoren und Reiseführern unterstützt, die mit dem Thema Wein bestens vertraut sind. Kleine regionale Touristikunternehmen bieten zudem Kurzreisen mit dem Bus an. Dabei verbringen die Urlauber ein unvergessliches Wochenende inmitten der schönsten Weinstädte Deutschlands. Neben über Übernachtung und Vollverpflegung wird das Angebot durch Weinproben und Kellereibesichtigungen abgerundet. Die Ahr ist bekannt für ihre sommerlichen Weinfeste. Dann strömen Gäste aus ganz Deutschland nach Ahrweiler, Bad Neuenahr, Altenahr und Mayschoß. In den Restaurants und Weinstuben vor Ort werden Weine aus der Region feierlich präsentiert. Die Hotels bieten günstige Übernachtungspauschalen an und punkten mit vielen Aufmerksamkeiten.




Wein-Urlaub auch für Erholungssuchende
Auch Urlauber, die Ruhe suchen sind in den deutschen Weinanbaugebieten sehr gut aufgehoben. Gerade in den Wintermonaten wird es im Rheingau und an der Weinstraße etwas ruhiger. Dann kommen die wahren Weinkenner und lassen sich kulinarisch verwöhnen. Es gibt besonderen Weinproben mit Krimigeschichten oder ausführlichen Informationen und Vorträgen über Weinverarbeitung. Ein echtes Highlight sind auch die Weihnachtsmärkte. Hier kann man sich mit vorzüglichen Tropfen für das Fest eindecken.



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Wein-Urlaub direkt beim Winzer
Auch immer mehr Winzer sind im Touristikgeschäft tätig. Sie haben sich dort ein zweites Standbein geschaffen. Viele schätzen auch die harmonierende Kombination zwischen Wein und Urlaub. Einige Winzerbetriebe und Kellereien haben sich zu Weinhotels entwickelt. Der Urlauber kommt direkt auf das Weingut und kann alle Prozesse rund um die Weinherstellung hautnah erleben. Eine umfangreiche Weinprobe im Ambiente des Weinkellers ist inbegriffen. Zum Teil können Gäste auch die Lese begleiten. Innerhalb einer Fragestunde gibt der Winzer detaillierte Informationen rund um den Wein. Die Angebote der Winzer, Weingute und Kellereien richten sich an ein breites Publikum. Selbst Familien mit Kindern verbringen hier ihren Urlaub. Während die Eltern die Weinprobe genießen, wird der Nachwuchs rund um betreut.

Selbst Wein und Wellness wird heute mit einander verknüpft. Am Tag lässt man sich mit Massagen und bei Saunabesuchen verwöhnen und am Abend genießt man eine Vielzahl von Weinen. Diese werden mit kulinarischen Köstlichkeiten serviert.




Wein-Urlaub in der Toskana
Neben Deutschland spiele auch andere europäische Ländern bei der Kombination aus Weinanbau und Urlaub eine große Rolle. In Italien bieten Weinbauern schon seit vielen Jahren Zimmer zum Übernachten an. Dabei darf der Urlauber dem Weinbauer dann über die Schulter schauen und kann sich zum Thema Wein informieren. Auch Führungen durch die Weinregionen und Weinverköstigungen stehen auf dem Programm. In der Toskana werden auch Ferienhäuser innerhalb der Weinanbaugebiete vermietet. Hier können Weininteressenten ganz in Ruhe Urlaub machen und den einmaligen Blick auf die Hügel genießen. Sie sind umgeben von Rebstöcken und diese bietet gerade im Sommer einen herrlichen Duft. Edel Weine aus den angrenzenden Weingütern werden dann exklusiv geliefert. Oft handelt es hierbei um einzigartige Weine, die erst gar nicht in den Handel kommen, sondern nur für die Urlauber gekeltert werden.

Wein-Urlaub direkt beim Winzer © Foto: Carina Tietz

Wein-Urlaub direkt beim Winzer © Foto: Carina Tietz

Wein-Urlaub in Frankreich
In Frankreich zieht es Weinkenner nach Burgund und in die Provence. Die Provence ist bekannt für zahlreiche Familienkellereien. Diese öffnen für Touristen sehr gerne ihre Türen. Weine, die hier präsentiert werden sind sehr exklusiv. Oft werden nur wenige Flaschen hergestellt. Übernachten können die Weinkenner direkt auf dem Weingut oder in Ferienhäusern. Diese liegen zum Teil abgelegen inmitten von Weinreben und Lavendelfeldern. Die Häuser sind einfach und komfortabel ausgestattet. In Richtung der Touristengebiete findet man auch Unterkünfte mit luxuriöser Ausstattung und Pool. Für Gäste finden mehrere Weinproben statt. Täglich wird frischer Landwein geliefert. Der kommt in nicht handelsüblichen Flaschen und Kisten. Dafür hat er aber einen ganz eigenen Geschmack, der jeden Weinkenner gleich verzückt. Burgund gehört zu den bekanntesten Weingebieten Frankreichs. Der Urlauber merkt gleich, dass sich hier alles um den Wein dreht. Überall gedeihen die Reben. Die Stille in den Weinhängen ist einzigartig. Sie wird nur unterbrochen durch die rege Betriebsamkeit an den Weingütern. Hier stehen schwere Stühle und Tisch aus Waschbeton oder Vollholz. Touristen probieren die feinen und fruchtigen Weine.



Wein-Urlaub in Südafrika, Neuseeland und Australien
Mit den steigenden Zahlen der Fernreisen ist auch die Bekanntheit der weltweiten Weinregionen deutlich angestiegen. Weinkenner zieht es nach Kalifornien, Südafrika, Neuseeland, Australien und selbst nach Ägypten. Rund um Adelaide liegen viele australische Weinanbaugebiete. Das heiß feuchte Klima steht für Spitzenweine. Die Güter bieten Übernachtungspauschalen an. Neben Spitzenweinen lockt Südafrika mit einer reizvollen Landschaft. Das ist eine gute Kombination, um einen unvergesslichen Urlaub zu erleben. Die Weinrouten führen von Kapstadt nach Klein-Karoo und Klawer. Hier sind viele Individualreisende mit dem Wohnmobil unterwegs. Wer einen dicken Geldbeutel besitzt, kann in den luxuriösen Weinhotels nächtigen.

Wein-Urlaub in Süd-Frankreich © Foto: Carina Tietz

Wein-Urlaub in Süd-Frankreich © Foto: Carina Tietz

Weinanbau in islamischen Ländern
Das gab es schon um 3000 vor Christus. Zur Zeit des Alten Reiches wurde schon in Ägypten Wein hergestellt. Zwischenzeitlich wurde die Weinherstellung wieder eingestellt. Erst 1903 erfand man den Wein der Pharaonen und baute wieder Reben an. Rund um Alexandria liegen Rebflächen. Urlauber können Wein und Historisches in Alexandria miteinander verbinden. Wahre Weinfreunde zieht es aber zu den ägyptischen Kleinbauern. Sie bauen rund um Alexandria europäische Reben an. Der Geschmack ist unterschiedlich. Die Gäste übernachten zwar in einfachen Häusern, aber dafür genießen sie erlesene Weine mit einem einzigartigen Geschmack.

Wein-Urlaub am schönen Rhein © Foto: Carina Tietz

Wein-Urlaub am schönen Rhein © Foto: Carina Tietz

Wein-Urlaub in den USA
Weinurlauber in den USA stoßen auf ganz unterschiedliche Regionen. Ruhig und abgelegen ist die Gegend um Sonoma County. Hier übernachten Urlauber in Holzhütten, die inmitten von knorrigen und alten Rebstöcken stehen. Die Gäste sind herzlich willkommen, aber die Gastgeber sind zurückhaltend. Urlauber erhalten hier nur sehr selten Einblicke in die Herstellung. Offener geht es im Napa Valley zu. Hier gehören Weinexperten aus aller Welt zum alltäglichen Geschehen dazu. Ganze Busse rollen durch die Weinanbaugebiete und die spätere Weinverköstigung ist ein großes Spektakel. Einige Touristikunternehmen bieten spezielle Rundreisen für Weinfreunde an. Diese führen von Oregon hinunter bis zum Golf von Kalifornien oder von Maine bis Missouri.



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Kreuzfahrt durch das Mittelmeer

Eine Seereise durch das Mittelmeer gehört zu den Kreuzfahrt-Klassikern. Im westlichen Mittelmeer warten glitzernde Metropolen, wie Barcelona oder Marseille. Im Osten kommt man dem Orient ganz nah in Beirut, Alexandria oder Port Said. Passagiere erleben einmalige Inseln wie Malta, Zypern, Sizilien oder Rhodos. An den Küsten der Türkei warten lebendige Badeorte mit traumhaften Stränden und antiken Gebäuden aus der Vergangenheit.

Barcelona, eines der schönsten Ziele im westlichen Mittelmeer: Foto: © Carina Tietz

Barcelona, eines der schönsten Ziele im westlichen Mittelmeer: Foto: © Carina Tietz




Entlang der Küsten der Provence und der Cote d´Azur

Ein exzentrisches Image als Ort der Reichen und Schönen und einen etwas anderen Lebensstil haben die Cote d´Azur berühmt gemacht. Egal, ob Nizza oder Saint Tropez, überall in den Straßen herrscht gerade im Sommer ein buntes Treiben. Unzählige Cafés und Restaurants entlang der Küste servieren ausgezeichnete französische Weine und die berühmte Fischsuppe „Bouillabaisse“. Die lebhaften Hafenpromenaden laden zum Bummeln ein. Im Hinterland warten historische Bauten und Städte mit dem typischen französischen Flair, wie die Großstadt Marseille oder das beschauliche Aix-en-Provence. Ein beliebtes Ausflugsziel ist Bormes, deren mittelalterliche Altstadt zu den schönsten Stadtkernen Frankreichs gehört. Avignon wartet auf mit der berühmten Brücke Pont Du Gard und dem Papstpalast.

Schiffe vor Malta: Foto: © Carina Tietz

Schiffe vor Malta: Foto: © Carina Tietz

 




Die Inseln im westlichen Mittelmeer

Das westliche Mittelmeer bietet eine ganz Reihe an Inselschönheiten. Korsika ist der Stolz der Franzosen mit seinem typischen Buschwald, der zum Wandern einlädt. Mallorca ist der Landgang-Klassiker bei Kreuzfahrten durch das Mittelmeer. Schon von Bord aus blickt man auf die mallorquinischen Berge. Ein Muss ist ein Bummel durch die engen Gassen der Hauptstadt Palma. Die Smaragdküste Sardiniens bietet alle Voraussetzungen für einen erlebnisreichen Strandtag. Die Schiffe legen im wunderschönen Hafen von Olbia an. Egal ob Catania oder Palermo, Sizilien zeigt sich überall von seiner schönsten Seite. Wie wäre es mit einem Ausflug zum Ätna, vorbei an blühenden Zitronenbäumen und alten Weinguten? Ein beliebter Zwischenhafen auf dem Weg nach Afrika ist La Valetta auf Malta. Die Hafeneinfahrt ist einmalig und von Bord aus blickt man direkt auf den prächtigen Großmeisterpalast, der über den Hafen thront. La Valletta steht komplett unter Denkmalschutz.

Karneval auf Zypern: Foto: © Carina Tietz

Karneval auf Zypern: Foto: © Carina Tietz

Orientalische Eindrücke in den nordafrikanischen Häfen

Zu einer Kreuzfahrt durch das Mittelmeer gehört auch ein Besuch der nordafrikanischen Häfen. In Kombination mit Kanaren-Kreuzfahrten steht ein Stopp in Tanger auf dem Programm. Nirgendwo liegen Europa und Afrika so nah zusammen, wie an der Straße von Gibraltar. Die orientalische Stadt hat eine sehr schöne Altstadt mit vielen Souks und Basaren. Urlauber lieben Tunesiens Strände. Passagiere können hier am Strand relaxen oder auf Tauch- oder Segeltour gehen. Die Wüste lädt zu Oasenausflügen und Kamelritten ein. Ab den ägyptischen Häfen Alexandria und Port Said geht es per Bus weiter in die Hauptstadt Kairo und zu den Pyramiden von Gizeh. Passagiere folgen den Spuren der Pharaonen, machen eine Bootsfahrt über den Nil oder genießen das orientalische Treiben auf den Plätzen von Kairo. Port Said ist das Tor zum Suez-Kanal und man genießt seine Schönheiten am besten bei einer Rundfahrt mit den typisch ägyptischen Caleches. Die Höhepunkte der Hafenstadt Alexandria sind Fort Qait Bey und der Montazah-Palast.

Beirut und die Levanteküste: Foto: © Carina Tietz

Beirut und die Levanteküste: Foto: © Carina Tietz

 

 

Italien, Griechenland und die Türkei

Italien, Griechenland und die Türkei sind klassische Ziele bei Mittelmeer-Kreuzfahrten. Der Höhepunkt Griechenlands sind die Inseln Santorin, Rhodos, Mykonos und Kreta. Die Bucht von Santorin hat etwas Mythisches und die Altstadt von Rhodos lädt zum  Bummeln ein. Auf Mykonos stehen die berühmten Windmühlen und Kreta lockt mit traumhaften Badestränden und historischen Ausgrabungsstätten. Ein Landgang in Venedig ist ein Muss. Vom Kreuzfahrtterminal verkehren regelmäßig Wassertaxen zu den schönsten Plätzen der Stadt. Unvergesslich bleibt ein Spaziergang über den Markusplatz vorbei an den unzähligen Wasserwegen. Sehenswert in der Türkei ist die Metropole Istanbul am Bosporus. Hier warten spektakuläre Bauten, wie die Hagia Sophia und die Blaue Moschee.

Palma De Mallorca, ein beliebter Starthafen: Foto: © Carina Tietz

Palma De Mallorca, ein beliebter Starthafen: Foto: © Carina Tietz




Ich bin dann mal weg!

Mein Büro bleibt bis Ende des Jahres 2016 geschlossen. Ich steige für ein Jahr aus und werde um die Welt reisen. Ab sofort erfahrt Ihr auf meinem Blog alles über meine Reise.

Es wäre schön, wenn Ihr öfter mal vorbeischaut und mich online auf meiner Reise begleitet. Was ich erlebe und wie es mir geht, erfahrt Ihr hier ungeschminkt und wahrheitsgetreu! Ich will, dass Ihr hautnah dabei seid!

Ab dem 30.Dezember 2015 werde ich auch über die Vorbereitungen berichten.

„Der kürzeste Weg zu dir selbst führt einmal um die Welt“ (Richard Hoffmann)




Ab sofort auch Trends, Informationen und Wissenswertes zu den Themen Wein und Kreuzfahrten

Ab sofort findet Ihr auf meinem Blog auch Informationen, Wissenswertes, Kurioses, Interessante und News zu den Themen Wein und Kreuzfahrten. Bei der Themenauswahl habe ich mich an aktuellen Trends orientiert. Im Bereich Wein soll zukünftig ein kleiner Online-Ratgeber entstehen, der Euch zunächst mit dem Thema Wein vertraut macht. Nach und nach werde ich dann beliebte Weinsorten vorstellen und Euch über die neusten Trends informieren.
Die Kategorie Kreuzfahrten richtet sich zunächst an Erstkreuzfahrer. Diese finden hier alle Informationen, die zum Gelingen der ersten Kreuzfahrt beitragen. Im Laufe der Zeit werde ich über eigene Kreuzfahrterlebnisse berichten und Euch auch mit Insiderwissen versorgen.
Für Anregungen und Verbesserungen habe ich immer ein offenes Ohr!!!
Viel Spaß beim Lesen und Entdecken!




Germanwings: Mein Flug nach Düsseldorf

Mein erster Urlaubstag begann vielversprechend. Zumindest bis zum Mittag. Da erhielt ich laufend Whatsapp-Nachrichten über den Absturz einer Germanwings-Maschine von Barcelona nach Düsseldorf. Den Rest des Tages verbrachte ich dann, wie so viele andere Menschen vor dem Fernseher und konnte das Unbegreifliche nicht fassen. Ich hielt einen technischen Defekt von Anfang an für unwahrscheinlich. Nicht im Bereich der der Lufthansagroup! Da werden Flugzeuge doppelt und dreifach geprüft! Ich hatte keine Erklärung, aber ein Terrorakt erschien mir zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlicher, als ein technischer Defekt.

 

© Carina Tietz, Fliegen trotz des Absturzes der Germanwings 4U9525

© Carina Tietz, Fliegen trotz des Absturzes der Germanwings 4U9525

 

Das Flugzeugunglück berührte mich. Andererseits versuchte ich es wegzuschieben. In drei Tagen stand ein 11-stündiger Flug mit Air Berlin über den Atlantik an. An den Rückflug mit Germanwings wollte ich gar nicht denken. Dazwischen lagen viele Urlaubstage auf einem Kreuzfahrtschiff, das mich sicher nach Europa zurückbringen sollte.

Trauer am Düsseldorfer Flughafen nach dem Absturz der Germanwings © Carina Tietz

Trauer am Düsseldorfer Flughafen nach dem Absturz der Germanwings © Carina Tietz

Drei Tage waren seit dem Absturz des Germanwings-Fluges vergangen. Ich stand mit meiner Familie am Düsseldorfer Flughafen. Vor uns lag ein 11-stündiger Flug in die Karibik. Die Freude war groß, aber in uns lebendig waren die Bilder der Germanwings. Im Terminal sahen wir Kerzen, Memos mit herzergreifenden Worten und Blumen als Bild stiller Trauer. Ich nahm diese Bilder mit, als ich den Airbus A330 der Air Berlin betrat. Es war keine Angst, die mitflog, aber ein unbeschreiblich flaues Gefühl, das mich bis zur Landung begleitete. Ich fuhr mit einem Kreuzfahrtschiff durch die Karibik, dann über den Atlantik nach Madeira und weiter durch die Straße von Gibraltar ins Mittelmeer. Ich erlebte mit meiner Familie unbeschwerte Urlaubstage und dann kam der Tag der Rückreise.

Mit Air Berlin nach La Romana zur Mein Schiff 1 © Carina Tietz

Mit Air Berlin nach La Romana zur Mein Schiff 1 © Carina Tietz

 

Wir waren gebucht auf den Flug 4U9585 der Germanwings von Palma de Mallorca nach Düsseldorf. Es stand uns vor der Abreise frei, den Flug umzubuchen. Wir kannten da schon die offizielle Absturzursache und entschieden uns dagegen. Doch nun, als der Flug kurz bevorstand, wurden wir doch nachdenklich. Der Bus fuhr vom Hafen zum Airport. Mein kleiner Sohn war angespannt und seine blasse Hautfarbe war eher  ungewöhnlich. Überhaupt war er sichtlich unruhig. Seine Worte in der Abflughalle klangen kindlich naiv und doch fragend: „Was ist, wenn der Pilot sich auch umbringen will? Also der Pilot, der uns gleich nach Düsseldorf fliegt.“ Als Mutter hast Du einen Bruchteil einer Sekunde Zeit und musst möglichst schnell eine plausible Erklärung finden. Ich versuchte krampfhaft zu lächeln. „Der Flieger stürzt nicht ab. Das ist doch Quatsch. Wenn gerade ein Flugzeug abgestürzt ist, dann fällt doch nicht gleich wieder eins vom Himmel und schon gar nicht von der gleichen Gesellschaft.“ Ich nahm meinen Sohn an die Hand und schob ihn durch die Taschenkontrolle. Er vergaß in der Aufregung die Colaflasche im Handgepäck und auch sein Smartphone steckte in der Hosentasche. Das alles blieb von den spanischen Sicherheitsmitarbeitern unentdeckt.

Germanwings A320: Koffer werden verladen! Warten auf den Flug nach Düsseldorf © Carina Tietz

Germanwings A320: Koffer werden verladen! Warten auf den Flug nach Düsseldorf © Carina Tietz

 

Diese Tatsache machte mich wieder sehr nachdenklich. Ich wollte gar nicht weiter darüber philosophieren, was man hier noch so alles an Bord eines Flugzeuges hätte bringen können. Ich verdrängte es, doch mein Sohn griff es gleich wieder auf und auch meine Worte über den Absturz der Germanwings. „Weißt du noch, was Du gesagt hast, als die erste MH verschwand?“ fragte mich mein Sohn mit großen Augen. Ich nickte stumm. „Da hast Du gesagt, dass du trotzdem mit MH-Flugzeugen fliegen würdest, weil ein Absturz in kürzester Zeit von derselben Gesellschaft unmöglich ist. Aber kurze Zeit später gab es einen weiteren Absturz einer MH-Maschine“, sagte er altklug und mit überzeugender Stimme. Mir fehlten die Worte und er hatte mich mit meinen eigenen Worten geschlagen. Mit einer Tüte Gummibärchen aus dem Duty-Free-Shop lenkte ich ihn ab.

Germanwings-Flug nach Düsseldorf: Komisches Gefühl, aber keine Angst © Carina Tietz

Germanwings-Flug nach Düsseldorf: Komisches Gefühl, aber keine Angst © Carina Tietz

 






Die Abflugzeit rückte näher. Ich blieb gelassen. Der Ausgang wurde angezeigt. D95 und dann Minuten später auf D99 korrigiert. Ich kannte den Flughafen von Palma recht gut und war hier auch schon einmal mit Germanwings abgeflogen. Daher wusste ich, dass ein relativ weiter Fußweg vor uns lag. Die Sitzbänke am Gate waren bereits besetzt. Die Maschine sollte voll werden. Wir blieben stehen.

 

Ablug mit Germanwings nach Düsseldorf © Carina Tietz

Ablug mit Germanwings nach Düsseldorf © Carina Tietz

Ich beobachtete die Passagiere. Es war eine Mischung aus seltsamer Gelassenheit, gesteigerter Unruhe und nervöser Hektik. Der eine Passagier schluckte in kurzen Abständen zwei Tabletten. Ein anderer debattierte laut über den Absturz. Wieder ein anderer nahm sichtlich angespannt einen Zug aus einem Flachmann und eine andere Passagierin kaute ununterbrochen an ihren Fingernägeln. Beim größten Teil der Passagiere flog die Angst mit. Bis dahin war ich ganz ruhig. Meine Söhne klebten mit ihren Smartphones an der Fensterscheibe und mein Mann las in einer Zeitung. Dann plötzlich ein Wirrwarr aus Stimmen. Passagiere drehten sich auf ihren Sitzbänken um. Einige standen sogar auf. Da kam er, der Airbus A320 der Germanwings. Ein identischer Flugzeugtyp der Absturzmaschine. Da sah ich das Zeichen der Germanwings, dass in den letzten Wochen schwarz eingefärbt war. Die Absturzbilder allgegenwärtig. Vor meinen Augen liefen sie ab, wie in einem Film. Meine Hände spielten hektisch mit dem Anhänger an meinem Handgepäckkoffer. „Bloß nicht reinsteigern!“, dachte ich laut bei mir und suchte nach Ablenkung.

 

Die Boardingzeit war noch nicht angezeigt. Ich ging einige Gates und schließlich bis zum Dutyfree-Shop zurück. Bloß ablenken! Das war meine Devise und sie funktionierte, zumindest zunächst.

 

Unter mir die französische Küste, hier begann das Drama von flug Germanwings 4U9525 © Carina Tietz

Unter mir die französische Küste, hier begann das Drama von flug Germanwings 4U9525 © Carina Tietz

Dann sah ich die kleinen Flaschen Cognac. Der Inhalt bedeckte gerade einen Schwenker. Ich griff dahin, fast monoton, bezahlte und ging zum Ausgang D99 zurück. Der Cognac blieb in der Jackentasche. Ich hatte nicht gefrühstückt. Sollte ich ihn wirklich trinken, dann würde er sofort ins Blut übergehen. Könnte mich ein Schluck Alkohol wirklich beruhigen? Ich kam mir erbärmlich vor und doch konnte ich dieses seltsame Gefühl nicht real steuern.


Da waren die Bilder wieder aus Haltern am See, da war das Unfassbare plötzlich so greifbar nah und da konnte ich mich auch nicht mehr an die Tatsache klammern, dass Fliegen sicherer ist  als Autofahren.

 

Wir erreichen die französischen Alpen. Hier ist irgendwo die Absturzstelle von Flug Germanwings 4U9525 © Carina Tietz

Wir erreichen die französischen Alpen. Hier ist irgendwo die Absturzstelle von Flug Germanwings 4U9525 © Carina Tietz

Das Boarding begann und die Türe zum Flugfeld öffnete sich. Es ging zunächst an der Straße entlang, dann halbrund um die Maschine und schließlich über eine Gangway durch den hinteren Eingang. Waren die Opfer in Barcelona auch so sorglos eingestiegen? Hatten sie auch eine Gangway benutzt? Fragen über Fragen gingen durch den Kopf. Meine Söhne und auch mein Mann bestiegen gelassen das Flugzeug. „Hast Du keine Angst?“ fragte ich ihn auf der Gangway. Er legte sanft den Arm um meine Schulter und flüsterte: „Wir sind doch zusammen.“

 

Ich konnte gar nicht länger über diesen Satz nachdenken, denn  die schlanke und junge Flugbegleiterin begrüßte uns freundlich. Sie lächelte ungezwungen. Ich schämte mich. Wie konnte ich nur so eine Angst in mir aufkommen lassen. Die Crew hatte sicherlich mit weitaus mehr Problemen zu kämpfen.

 

Das Gefühl ist unbeschreiblich! Mit Germanwings über die französischen Alpen fliegen! © Carina Tietz

Das Gefühl ist unbeschreiblich! Mit Germanwings über die französischen Alpen fliegen! © Carina Tietz

Der blonde Zopf der Stewardess wackelte hin und her, als sie die Flugzeugtüre schloss. Reihe 22, direkt am Flügel. Ich wählte einen Gangplatz, meine Söhne rückten ans Fenster. Zwei weitere Stewardessen schossen durch den Gang. Freundlich, lächelnd nahmen sie sich der Angst der Passagiere an. Eine Frau begann zu weinen und verlangte den Piloten zu sehen. Der Ehemann konnte beruhigen. Andere schluckten Tabletten und es gab auch welche, die wieder hektisch am Flachmann tranken. Da fiel mir der kleine Cognac in meiner Jackentasche wieder ein. Sollte ich ihn auch trinken? Ich haderte!! Aber nur Sekunden. Eine Flugbegleiterin beugte sich über meinen Sitz zu den Jungs herüber, um den Gurt zu kontrollieren. Da sah ich die schwarze Schleife an ihrer Bluse. Das Zeichen der Germanwings 4U9525. Ich beugte mich zur Seite in die Richtung des Ganges und schluckte in einem Zug den Cognac. Ich wurde von Körperbewegungen durchgerüttelt. Ein eiskalter Schauer lief mir über den Rücken. Niemand hatte etwas bemerkt. Ich schob das leere Fläschchen unauffällig in die Sitztasche. Boarding completed! Wir rollten!

Eine paar Reihen vor mir weinte noch immer eine Frau. „Jetzt gibt es kein Zurück mehr“, sagte sie immer wieder mit weinerlicher Stimme. Ich blieb gelassen, seltsam entspannt. An den 100 ml Alkohol lag es nicht. Ich versuchte das Ganze wieder real zu sehen.

 





Mein Mann und mein kleiner Sohn schliefen noch vorm Erreichen der Startbahn ein. Der Große blätterte im Bordmagazin. Ich dachte plötzlich daran, was die Opfer wohl getan hatten, beim Start im Barcelona. Obwohl ich ruhig und gelassen im Sitz saß, konnte ich diese Gedanken nicht verdrängen. Sie waren einfach da und ich versuchte damit umzugehen. Während wir zur Startbahn rollten, meldete sich der Pilot mit einer warmen und freundlichen Stimme direkt aus dem Cockpit. Er informierte die Passagiere über die Flugzeit, nannte seinen Namen und sprach über das Wetter. Seine Worte wirkten sich äußerst positiv auf die Passagiere aus und auch mich beruhigten sie auf ganz seltsame Weise.

 

Germanwings: Landeanflug auf Düsseldorf © Carina Tietz

Germanwings: Landeanflug auf Düsseldorf © Carina Tietz

Dann heulten die Triebwerke auf, der Airbus wurde schneller und schneller und wir hoben ganz sanft vom Flughafen in Palma de Mallorca ab. Die Aussicht war traumhaft und ich vergaß für einen Moment, dass ich in einer Germanwings-Maschine saß. Unter uns war das Blau des Mittelmeeres zu sehen. Am Horizont wartete schon die französische Küste. Hier lag auch der Kurs der Unglücksmaschine. Hier hatte der Sinkflug begonnen. Unter uns musste jeden Augenblick die Unglücksstelle kommen. Einige Passagiere klebten förmlich an den Scheiben. Ich wagte es nicht hinauszuschauen. Eigentlich war ich mir auch im Klaren darüber, dass die Stelle wohl kaum von hier oben auf Anhieb auszumachen war.

 

Mir reichten die TV-Bilder, die hatten in mir genug Gefühlswirrungen ausgelöst. Immer wieder sah ich das blaue Schalke 04-Trikot vor meinen Augen, das in den Bildern der Trümmer noch deutlich zu erkennen war. Auch die Szenen der Trümmerteile mit den Fenstern, die eindeutig einer Germanwings zuzuordnen waren, liefen wieder vor meinen Augen ab. Der Pilot riss mich mit seiner ruhigen Stimme förmlich aus diesen unfassbaren Gedanken und vermeldete den Überflug über den Mont Blanc. Wir waren irgendwo über den französischen Alpen. Die Aussicht war atemberaubend, wenn man für einen Moment den Absturz der Germanwings vergaß!

 

Es war nicht mehr weit bis Düsseldorf. Ich nippte an der kalten Cola. Essen konnte ich nichts. Das hatte aber nichts mit dem Flug zu tun. Bevor ich mir überhaupt noch weitere Gedanken machen konnte, leitete der Pilot den Landeanflug auf Düsseldorf ein. Minuten später erlebte ich trotz des bewölkten Wetters, eine der besten und sanftesten Landungen überhaupt. Der Airbus rollte zum Finger herüber. Das Gedränge war wie immer sehr groß. Ich verließ mit den letzten Passagieren die Maschine. Freundlicher als sonst und mit vielen netten Worten, bedankte ich mich bei der Crew. Ich hatte einfach das Gefühl, dass ihnen ein paar nette Worten und Gesten gut tun könnten. Das taten sie dann auch. Das warme Lächeln sagte mehr als hundert Worte. Die Cockpittüre stand auf. Ich sah die beiden Piloten nur von hinten. Sie hatten mich und meine Familie sicher nach Düsseldorf gebracht. Ich ging durch den Finger und wusste, dass ich jederzeit ohne Angst wieder fliegen würde, auch mit Germanwings. Allerdings würde ich viele Dinge mit anderen Augen sehen.

 

Danke an die Crew der Germanwings für einen wunderbaren Flug nach Düsseldorf in dieser schweren Zeit!

Zu guter Letzt:
Dieser Beitrag ist sowohl den Opfern und ihren Angehörigen, als auch der Crew der Germanwings gewidmet. Er soll persönliche Gefühle in Zeiten des Absturzes der Germanwing 4U9525 widerspiegeln. Möge Gott allen Betroffenen die Kraft geben mit diesem schrecklichen Erlebnis umgehen zu können. Niemand kann das empfinden, was die Hinterbliebenen in den letzten Tagen erlebt haben. Ich finde keine Worte für die Eltern der Gymnasiasten aus Haltern am See. Ich kann Ihnen nur mein Mitgefühl aussprechen und meine tiefe Betroffenheit bekunden.

Meine Gedanken sind aber auch bei den Flugbegleitern und Piloten, die sich in dieser schweren Zeit um das Wohl der Passagiere kümmern müssen.

Der Sinai: Urlaubsparadies und Kriegsschauplatz

Eigentlich hatte ich immer gehofft, dass sich der ägyptische Staat neu formiert und im ganzen Land endlich Ruhe einkehrt. Doch die Spaltung ist zu groß, das Sicherheitssystem ist zusammengebrochen und der Waffenschmuggel über den Gazastreifen ist ein weiteres Problem. Auch tauchen immer mehr Waffen aus den Arsenalen vom einstigen libyschen Staatschef Muammar al-Gaddafi auf. Experten gehen davon aus, dass vertraute Gruppen der Al Kaida auf dem Sinai ein islamisches Kalifat errichten wollen. Das ägyptische Militär konnte bereits erste Luftabwehrraketen sicherstellen.

Ohne Visa geht in Ägypten gar nichts! Foto: © Carina Tietz

Ohne Visa geht in Ägypten gar nichts! (c) Carina Tietz

Aktuelle Reisehinweise für Ägypten
Angesichts der aktuellen Lage in Ägypten ist es nicht verwunderlich, dass das Auswärtige Amt seine Reisehinweise verschärft hat. Die Bundesregierung rät ab sofort von Reisen auf den Sinai ab. Aktuell sind nun auch die Badeorte betroffen. Mitte Februar kam es zu Anschlägen und Anschlagsversuchen im Badeort Taba. Auch auf dem Süd-Sinai rund um Sharm el Sheikh könnte sich die Lage zuspitzen. Schon jetzt wird von unnötigen „Bewegungen“ außerhalb der Hotels abgeraten. Wer kann, sollte den Sinai verlassen.
Auch für die übrigen Regionen gelten Sicherheitshinweise. So wird vor Reisen in das Nildelta und Fahrten außerhalb der Ballungsgebiete von Kairo und Alexandria abgeraten. Fahrten in die nördlichen Regionen von Luxor sind ebenfalls nicht ratsam. Im ganzen Land kommt es verstärkt nach den Freitagsgebeten zu Demonstrationen, die schnell in blanke Gewalt übergehen und außer Kontrolle geraten. Gefährdet sind hier die Gebiete um den Tahir Platz in Kairo und der Universität in Giza. Aber auch in anderen Orten, wie Port Said kann es spontan zu Demonstrationen kommen. Angespannt ist die Lage auch entlang der ägyptisch-israelischen Grenze. Erst vor zehn Tagen starben drei südkoreanische Urlauber und ein ägyptischer Fahrer bei einem Bombenanschlag auf einen Touristenbus in Taba.

Irgendwo auf dem Sinai (c) Carina Tietz

Irgendwo auf dem Sinai (c) Carina Tietz

Der Sinai zwischen Krieg und Tourismus
Betrachtet man den Sinai einzig von seiner touristischen Seite, dann entdeckt man das Paradies auf Erden. Wer einmal über den Sinai gereist ist, kommt nie mehr davon los. Kupferrote Bergspitzen erheben sich bizarr aus dem Wüstensand. Über Schotterpisten erreicht man abgelegene Beduinensiedlungen, die uns in die Welt aus tausend und einer Nacht entführen. Hinter eindrucksvollen Korallenriffen und einzigartigen Mangrovenwälder verbirgt sich eine unbeschreibliche Tier- und Pflanzenwelt. Ein Sonnenaufgang am Berg Moses bleibt genauso unvergesslich wie ein Tauchgang am Blue Hole. Mir werden die Erlebnisse am Sinai immer in Erinnerung bleiben, denn sie sitzen tief. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, dann würde ich mir Demokratie und Frieden für die gesamte Region wünschen. Ich möchte einmal ohne Fahrer, mit einem Mietwagen quer über den Sinai und weiter über Israel nach Jordanien fahren. Ich möchte mich gefahrlos bewegen und die Grenzen ohne demokratischen Aufwand passieren können. Mein Wunsch scheint mir heute unerreichbar zu sein, aber 1987 hätte auch niemand geglaubt, dass die Mauer fällt!

Freundliche Menschen überall auf dem Sinai (c) Carina Tietz

Freundliche Menschen überall auf dem Sinai (c) Carina Tietz

Dahab und Nabq mehr als nur Taucherparadiese
Denkt man an Dahab, dann fällt einem spontan das Blue Hole ein. Das Blue Hole ist eine Art blaues Loch, das von Korallenriffen umgeben ist. Doch Dahab ist weit mehr als ein Taucherparadies. Unbeschreiblich schön sind die Strände. Sie schimmern im Sonnenlicht golden und gaben der Stadt ihren Namen, denn Dahab bedeutet übersetzt Gold. In Dahab erlebt man noch die Anfänge des Sinai-Tourismus. Die Beduinenstadt wurde einst von Israelis errichtet. Schon früh strandeten hier die ersten Hippies. Bis heute gilt Dahab als Anlaufstation für Rucksacktouristen. Interessante Leute aus aller Welt trifft man in den „Low-Budget-Camps“. Hier schläft man in Hütten und sitzt abends in Zelten zusammen und gibt sich der Schönheit dieser Landschaft hin. In Dahab braucht man keine All-inklusive Hotels mit üppigen Buffets und Animation. Hier isst man Ful oder Falafel in typisch ägyptischen Imbissen und trinkt den berühmten Kardamom-Kaffee.
Auch Nabq hat trotz der Nähe zu Sharm el Sheikh seine Ursprünglichkeit behalten. Der Ort ist ein idealer Ausgangspunkt für Ausflüge auf dem Sinai. Die Küste steht unter Naturschutz und das Gebiet um Nabq herum ist als Nationalpark ausgewiesen. Nabq ist ein ruhiger Küstenort, in dem viele Beduinen leben. In den letzten Jahren sind aber entlang der Küstenstraße viele Hotelanlagen entstanden, die zum Teil nur über Privatstraßen erreichbar sind. Vom Sandstrand aus führen Holzstege ins Meer. Die Basare laden zum Bummeln ein.
Das Highlight von Nabq ist der Mangrovenwald. Er ist der größte seiner Art auf der Sinai-Halbinsel. Vor der Küste in den Korallenriffen ragt noch zum Teil das Wrack der Maria Schröder hinaus, die hier im Jahre 1965 sank.

Taucherboote am Sinai (c) Carina Tietz

Taucherboote am Sinai (c) Carina Tietz

Abu Gallum Nationalpark
Wer die unberührte Natur des Sinais kennenlernen möchte ist im Abu Gallum Nationalpark richtig. Der gesamte Park ist ein ausgewiesenes Naturschutzgebiet mit einer Größe von 400 Quadratkilometern. Von Dahab sind es nur 15 Kilometer bis Abu Gallum. Ab dem Blue Hole, nördlich von Dahab, verkehrt regelmäßig eine Kamelkarawane durch den Park. Alternativ kann man ihn natürlich auch durchwandern. Es gibt feste Routen und Wege, die nicht verlassen werden dürfen. Die Kamelkarawane wird von sachkundigen Beduinen begleitet, die den Park wie ihre Westentasche kennen. In Dahab besteht auch die Möglichkeit ein Mountainbike für die Tour zu leihen.
Im Abu Gallum Park herrscht eine himmlische Ruhe. Es gibt keine Hotels und keine Restaurants. Noch nicht mal ein Café oder ein Kiosk ist vorhanden. Mitten im Park gibt es lediglich eine kleine Beduinensiedlung. Der Strand ist ein Paradies zum Schnorcheln. Selbst im flachen Wasser kann man zahlreiche Fischarten bewundern und der Flutsaum lockt mit Unmengen von Muscheln. Auch das Gebirge ist von einer faszinierenden Schönheit. Die Hügel fallen sanfter ab als am übrigen Sinai. Aus dem Boden ragen schwarze Lavasäulen hinauf, die auch unter dem Begriff „Forest of Pillars“ bekannt sind. Die Säulen sind versteinert und von unterschiedlicher Größe. Es sieht aus, als würden sie aus dem Berg hinaus wachsen und sich gegenseitig umarmen. Eine Kuriosität, die man gesehen haben muss!

Einsame Straßen auf dem Sinai (c) Carina Tietz

Einsame Straßen auf dem Sinai (c) Carina Tietz

Die berühmteste Sehenswürdigkeit auf dem Sinai: Das Katharinenkloster
Das Katharinenkloster ist die berühmteste Sehenswürdigkeit auf der Sinai-Halbinsel. Errichtet wurde das Kloster zwischen 548 und 565 auf Befehl Kaiser Justinians exakt an der Stelle, wo Moses laut der Bibel auf den brennenden Dornbusch traf. Die Stätte des brennenden Dornbusches und die Hauptkirche können besichtigt werden. Bei dem Busch handelt es sich um ein Rosengewächs mit dem Namen „Rubus Sanctus“. Trotz der religiösen Bedeutung ist die angrenzende Kapelle des Brennenden Busches ein eher bescheidener Bau.
Das Kloster ist die kleinste Diözese der Welt und das älteste noch aktive Kloster des Christentums. Benannt wurde es nach der Heiligen Katharina. Sie war eine alexandrinische Märtyrerin, die 395 getötet wurde. Angeblich wurden Ihre sterblichen Überreste fünf Jahrhunderte später auf dem Gipfel des Berges gefunden, der ebenfalls Ihren Namen trägt. Die meisten Nonnen und Mönche, die das Kloster bewohnen, stammen aus Griechenland, denn das Kloster gehört zur griechisch-orthodoxen Kirche. An griechisch-orthodoxen Feiertagen bleibt das Kloster geschlossen.
Sehenswert ist auch der umliegende St. Katharinen-Nationalpark. Er lockt mit einem Reichtum an seltenen Tieren und Pflanzen. Rund um das Kloster ist die Heimat des Sinai-Karmingimpels. Ein rosafarbender Sperling, der sogar bis ins Klosterinnere hineinfliegt. Er ist ein seltenes Exemplar, das nur noch im St. Katharinen-Nationalpark und in Palästina zu finden ist. Auf den Gipfeln des Klosters halten sich vermehrt Nubische Steinböcke auf. Der ganze Park ist die Heimat hunderter einheimischer Vogelarten und Zugvögel. Im Park halten sich auch viele Kriechtiere und Schlangen auf. Gerade am Mittag, wenn die Sonne brennt, ist der ägyptische Dornschwanz unterwegs. Mit etwas Glück kann man auch die vielen Wüstenagamen bewundern. Aber auch Tiere aus anderen Kontinenten haben hier eine Heimat gefunden: Wölfe aus Europa und Einödgimpel aus Asien.
Mit der Kobra und der Sandviper leben auch zwei Schlangenarten im Nationalpark. Darüber hinaus gibt es Skorpione und die ein oder anderen Echsen.

Rund um das Katharinenkloster
Sinai Peace Junction / Wadir Bi Nafekh
Kurz vor dem Katharinenkloster führt eine ungefähr 5 Kilometer lange Sand- und Steinpiste ins Wadir Bi Nafekh. Hier hat, sehr zum Entsetzen der Naturschützer, der belgische (Aktions-) Künstler Jean Verame seine Spuren hinterlassen. Der damalige ägyptische Präsident gab dem Künstler die Erlaubnis ein Felsengebiet mit einer Größe von 14 Quadratkilometern zu bemalen. Die Aktion war als Symbol des Friedens gedacht und verschlang über zehn Tonnen Farbe. Jean Verame nannte das Kunstwerk „Sinai Peace Junction“, das auch den Beinamen „Blaue Berge“ trägt.


Wadi Feiran / Oase Feiran
Vom Mosesberg erreicht man über den Watia-Pass den Wadi Feiran und die Oase Feiran. Sie ist die bedeutendste Oase des Sinai und gilt als biblisches Refidim, an dem Moses mit dem Stab Wasser aus dem Felsen schlug. Später kämpften hier Israeliten gegen Amalekiter. Zahlreiche Ausgrabungen belegen eine frühe christliche Besiedlung. Die Oase Feiran liegt am Fuße des Serbal Massivs und in der engsten Stelle des Wadi Feiran. Sie soll Raphidim gewesen sein, die letzte Etappe der Hebräer vor dem Berg Sinai während des Auszuges aus Ägypten. Bevor das Katharinenkloster entstand, war die Oase Feirum eine religiöse Anlaufstätte, in der im Jahre 400 ein Bistum gegründet wurde. Auf einem Hügel unmittelbar im Zentrum der Oase findet man noch die Ruinen eines Klosters und einer Kirche. In Feiran leben einige hundert Menschen, die von der Viehzucht und den Anbau von Früchten, Datteln und Getreide leben.

Strände auf dem Sinai (c) Carina Tietz

Strände auf dem Sinai (c) Carina Tietz

Wadi Mukattab (Mokattib)
Nördlich der Oase, bevor die Straße zur Küste hinunter führt, liegt in 10 Kilometer Entfernung Wadi Mukattab. Wadi Mukattab trägt auch den Beinamen „Das Tal der Inschriften“. Zu sehen gibt es einige antike Graffitis, die noch aus der Zeit der Nabatäer (2. Bis 3. Jahrhundert v. Chr.). Die älteste Inschrift in Wadi Mukattab soll nach Einschätzungen von Forschern schon 2600 Jahre vor Christus entstanden sein. Sie soll von Pharao Sechemchet stammen, der mit der Zeichnung seinen siegreichen Kampf gegen Räuber und Wegelagerer dokumentierte.

Serabit el-Khadim
Nordwestlich der Oase von Feiran liegt Serabit el-Khadim mit seinem berühmten Tempel. Der Tempel stammt nach Schätzungen von Archäologen aus der Zeit des Mittleren Reiches. Die Stelen des Tempels sind der Hathor und den Herrschern des Niltales geweiht. Hathor ist die Göttin der Türkise.

Der Berg Moses (Gebel Musa)
Der Berg Moses gehört zu den geschichtsreichen Orten auf dem Sinai. Hier soll Moses die Gesetztafeln mit den 10 Geboten von Jahwe, dem Gott der Hebräer, erhalten haben. Der Berg ragt südlich des Katharinenklosters 2285 Meter empor.
Der Aufstieg zum Gipfel ist anstrengend und nur für geübte Wanderer zu empfehlen. Grundsätzlich sollte man den Berg nur in Begleitung eines Guides besteigen. Der Aufstieg dauert für sportliche Menschen mindestens 2 ½ Stunden. Ungeübte brauchen deutlich länger. Die meisten Wanderer besteigen den Gipfel in der Nacht über den Anstieg El Bashait. Diese Strecke kann man auch auf den Rücken eines Kamels bewältigen. Die letzten 750 Stufen zum Gipfel erreicht man nur zu Fuß.
Es gibt auch eine kürzere Route (Siket Sayidna Musa) „der Weg des Moses“, die aber sehr steil hinaufgeht. Sie führt über eine Pilgertreppe mit 3750 Stufen.
Wer den Berg tagsüber besteigt, sollte genügend Getränke mitnehmen. Die Sonne scheint hier gnadenlos vom Himmel.

Bizarre Felsen auf dem Sinai (c) Carina Tietz

Bizarre Felsen auf dem Sinai (c) Carina Tietz


Ras Mohammed Nationalpark: Die Sehenswürdigkeit im Süden
An der Südspitze des Sinai liegt der Ras Mohammed Nationalpark. Pauschaltouristen fahren meistens mit dem Tauchboot direkt ab der Naama Bay über dem Wasserweg zum Nationalpark. Man kann den Park aber auch alternativ über den Landweg mit dem Mietwagen oder mit einem Taxi erreichen. Im Park gibt es eine Tauchstation (in Höhe der Bucht) und ein Besucherzentrum. Hier kann man sich einen Film ansehen und Broschüren über den Park erhalten.
Der Ras Mohammed war der erste Nationalpark Ägyptens, der im Jahre 1991 entstand. Die damalige EG griff Ägypten finanziell bei der Umsetzung unter die Arme. Früher war der Park an der Spitze des Süd-Sinai von strategischer Bedeutung und war viele Jahre militärisches Sperrgebiet. Damals patrouillierten hier Marineschiffe. Vor der Südspitze liegen viele Schiffswracks, die bei Angriffen versenkt wurden.
Heute gibt es weit über 150 Kilometer markierte Wege und Pfade. Der Park hat eine Gesamtgröße von 480 qkm. Er wird von Rangern überwacht. Am Küstensaum existieren ca. 150 verschiedene Korallenarten. Zu den Meeresbewohnern zählen Meeresschildkröten, Delphine und Haie. An Land streifen Füchse und Nagetiere durch das Gebiet. Zudem ist der Ras Mohammed Nationalpark ein Rückzugort vieler seltener Vogelarten.
Der Begriff Ras bedeutet übersetzt so viel wie Kap. Die Mangroven am Kap sind übrigens die nördlichsten in dieser Hemisphäre.