Brasilien gegen Kroatien 3:1: Es war kein Fußball-Fest!

Es war kein glanzvoller Auftakt! Dabei fing unser Abend ganz vielversprechend an. Mein ältester Sohn kam schon vor Wochen auf die Idee, zu jedem Spiel landestypisch zu kochen. Er machte dann auch gleich den Auftakt mit Djuvec-Reis und Cevapcici. Danach war für die Jungs der Abend vorbei. Schule geht vor Fußball.

Wir machten es uns auf dem Sofa gemütlich und hofften auf ein überragendes Fußballspiel der Seleção. Doch was wir sahen war alles andere als ein Fußballfest. Oliver Kahn sagte, dass es ein typisches Eröffnungsspiel gewesen sei. Das war es meiner Meinung nach aber auch nicht. Die brasilianische Millionentruppe überzeugt mich überhaupt nicht. Der hochgelobte Neymar erschien mir zeitweise hilflos gegen die frei aufspielende Mannschaft aus Kroatien. Am Ende blieb dann noch der fade Beigeschmack eines unberechtigten Elfmeters. Das muss ich mir dann die Frage stellen: „Hat die Fifa keine kompetenten und erfahrenen Schiedsrichter aus den Fußballnationen??? Anstatt eines Elfmeters hätte Fred eine gelbe Karte sehen müssen.

Was hatte ich vor dem Spiel nicht alles gelesen: Luis Felipe Scolaris wollte das Team aus Kroatien gleich überfallen und ein frühes Tor erzielen. Damit hatte die Seleção schon einmal gegen Spanien Erfolg. Die Kroaten ließen sich von dieser Taktik allerdings nicht aus der Ruhe bringen. Mit Abstand am besten gefallen hat mir Ivica Olic, der schon früh mit einer wunderbaren Kopfballchance die Brasilianer in Angst und Schrecken versetzte. Ivica Olic und Ivan Perisic ließen die beiden Weltklasse-Innenverteidiger David Luiz und Thiago Silva alt aussehen. Die irrten nur hilflos umher. So wie auch Marcelo, der den Ball dann nach einer Flanke von Olic ins eigene Tor lenkte.
Die Führung war verdient!

Neymar war überall. Er wirkte zeitweilig wütend und planlos. Er kassierte dann auch gleich die gelbe Karte wegen eines unschönen Ellenbogeneinsatzes gegen Luka Modric. Neymar erzielte auch den Treffer zum 1:1. Der Ball war aber keineswegs platziert geschossen. Auch wenn das Publikum danach jubelte, als habe das Team die WM gewonnen.

Nach der Pause hatten die Brasilianer die Lust auf den Fußball gänzlich verloren. Von der Offensive, die Luis Felipe Scolaris angekündigte war nichts zu sehen. Weltklasse-Fußballer versuchten überheblich in Richtung des gegnerischen Tors vorzudringen. Ganz anderes die Kroaten: Ein überragender Olic trieb mit Modric und Rakitic die Mannschaft nach vorne! Das Führungstor für Kroatien wäre zu diesem Zeitpunkt mehr als verdient gewesen.

Dann kam die 69. Minute. Fred hatte sich ganz geschickt im Strafraum fallen lassen. Es war eine klassische Schwalbe. Doch anstatt einen Freistoß für Kroatien zu pfeifen und Fred die gelbe Karte zu zeigen, zeigte der japanische Schiedsrichter auf den Elfmeterpunkt. Die WM war noch keine 90 Minuten alt und schon durften wir uns mit einem inkompetenten Schiedsrichter auseinandersetzen.


Neymar verwandelte schließlich den Elfer. Aber auch der war für den so hochgelobten Weltstar eher ein glanzloser Schuss. Pletikosa kam noch heran, aber der Ball ging ins Tor. Die Schlussoffensive der Kroaten blieb erfolglos. Stattdessen traf Óscar nach einem Konter in der Nachspielzeit zum unverdienten 3:1.

Mein Fazit: Ich habe gestern Abend keine brasilianische Weltmeisterelf gesehen. Das Team muss meiner Meinung nach noch ordentlich einen drauflegen, um gegen Mexico zu gewinnen.

Auch die millionenteuren Weltstars haben mich nicht überzeugt. Neymar war zwar überall, aber mir fehlte der Biss und auch technisch hat mich der Mann von Barcelona nicht überzeugt.
Der Spieler des Tages war für mich der 34 Jahre alte Ivica Olic. Der Wolfsburger war an fast allen Kontern beteiligt und zeigte konstant eine gute Leistung!


Oranje boven!

Heute Abend gibt es den ersten WM-Kracher zwischen den Niederlanden und Spanien. Schon jetzt wird heftig darüber diskutiert, für wen wir die Daumen drücken. Der Große ist bekennender Spanien-Fan. Ich selber habe mehr Sympathien für die Niederländer. Ich mag Robben. Er wirkt in den Interviews immer nett und freundlich. Als Fußballer hat er kein wirklich so großes Potenzial. Er hat immer denselben Trick auf Lager und ich frage mich, warum die Abwehrspieler den nicht längst durchschaut haben.

Aber auch hier sind es wieder die Erinnerungen, die meine Gefühle bestimmen. Das legendäre Finale von 1974. Ich war ein kleines Mädchen und ging einige Stunden vor dem Finale mit meinem Vater ein Eis essen. Als wir die Eisdiele verließen sah ich, wie deutsche Fans eine Ente mit niederländischem Kennzeichen samt Insassen auf die andere Straßenseite herübertrugen. Sie sangen dabei: „Ja das ist der Johann Cruyff der die ganze Nacht durchsäuft.“ Von weitem hörten wir die Sirenen eines Polizeiwagens. Mein Vater nahm mich an die Hand und wir verließen fluchtartig die Straße. Später stockte uns fast der Atem, als Johann Neeskens die Holländer in Führung brachte. Es ging am Ende alles gut aus und Deutschland wurde Dank der Tore von Paul Breitner und Gerd Müller Weltmeister.

Häuser in Kerkrade / Niederlande bei der WM 2010  Foto: © Carina Tietz

Häuser in Kerkrade / Niederlande bei der WM 2010 Foto: © Carina Tietz

Ebenso unvergesslich bleibt wohl auch das Achtelfinale 1990. Es gehört für mich zu den emotionalsten Fußballmomenten, die ich je erlebt habe. Wir schauten gemeinsam mit Freunden nur wenige Minuten von der Grenze entfernt. Schon den ganzen Tag über hatte es vereinzelte Ausschreitungen gegeben. Polizisten aus ganz Nordrhein Westfalen sicherten die Grenze. Das ganze Gebiet war weiträumig abgesperrt. Überall waren Straßensperren aufgebaut. Nur wer sich ausweisen konnte und nachweislich in der Grenznähe wohnte, durfte die Sperren passieren. Wir hörten immer wieder Hupen und Fanfaren. Im Garten qualmten die Grills und die Bierkästen hatten wir in ein Planschbecken gestellt. Es sehe die Szene noch immer vor mir. An der Regenrinne wehte die Deutschlandfahne. Der ganze Ort hatte an diesem Abend nur einen einzigen Wunsch: Die Niederlande zu schlagen und ins Viertelfinale einzuziehen. Manche hatten einen richtigen Hass auf das Team von Oranje! Jürgen Klinsmann war wie hypnotisiert und machte das Spiel seines Lebens, nachdem Rudi Völler und Frank Rijkaard vom Platz flogen. Deutschland gewann mit 2:1. Ich war so wütend über die Niederländer! Die Bild titelte: „Bespuckt, betrogen und trotzdem gesiegt“. Wir kopierten den Spruch und klebten ihn auf die Rückscheibe des Autos. Zigmal wurden wir von Holländern darauf angesprochen und die Reaktion war immer gleich: Sie schämten sich dafür, was Rijkaard gemacht hatte.

Häuser in Kerkrade / Niederlande bei der WM 2010  Foto: © Carina Tietz

Häuser in Kerkrade / Niederlande bei der WM 2010 Foto: © Carina Tietz

Ich werde heute Abend den Holländern die Daumen drücken. Ich glaube zwar, dass ihre Chancen sehr gering sind, aber es ist faszinierend, wie diese Fußballnation hinter ihrer Mannschaft steht. Das kleine Königreich verfällt jedes Mal zur WM oder EM in einen „Oranje-Wahn“. Es gibt kaum ein Haus ohne Nationalfahne. Ganze Straßenzüge und Siedlungen liegen unter einer Decke von Oranje-Wimpelketten und Fahnen. Den Weltmeistertitel für die Fans vergebe ich persönlich an Holland. Keine andere Nation ist so toll kostümiert und keine andere Nation zieht gleich mit mehreren Kapellen ins Stadion. In diesem Sinne: „Oranje boven Nederland!“

Unser Menü für heute Abend: holländische „Frites special“ mit Zwiebel, Ketchup und Mayonnaise und für die Jungs dazu „Frambozen-Limonade“.


Die falsche Neun

Kaum ein anderer Ausspruch ist in den letzten Tagen so häufig diskutiert worden, wie die“ falsche Neun“. Bei den Diskussionen ist mir aufgefallen, dass viele gar nicht wissen, was die falsche Neun eigentlich ist. Am letzten Samstag diskutierte ich mit Vätern, anlässlich eines Fußballturniers meines Sohnes über das Thema. Eine Mutter lachte lauthals los: „Ich kenne nur die glorreichen sieben.“ Ich fand es lustig, die Männer weniger.

Wer die falsche Neun verstehen will, der muss zunächst einmal wissen, was die richtige Neun ist! Mit der Nummer Neun wird ein klassischer Mittelstürmer bezeichnet. Ein unvergesslicher Deutscher dieser Art ist zum Beispiel Horst Hrubesch.


Pep Guardiola war der erste, der den klassischen Mittelstürmer zur falschen Neun machte. Das berühmteste Beispiel ist Lionel Messi. Er ist ein brandgefährlicher Mittelstürmer, der aber auch im Mittelfeld Akzente setzt. Genau darin liegt die Taktik der falschen Neun. Lässt sich der Mittelstürmer gekonnt ins Mittelfeld zurückfallen, entsteht hier eine Überzahl. Zusätzlich wird ein Freiraum für die anderen Spieler geschaffen. Mit der falschen Neun, soll die Abwehr des Gegners durcheinandergebracht werden. Die gegnerischen Abwehrspieler verlieren die Kontrolle und müssen sich so immer wieder aufs Neue formieren. Das schafft Möglichkeiten für blitzschnelle Angriffe.

Doch haben wir deutschen überhaupt einen Spieler mit dem Potenzial der falschen Neun? Ich sage: Ja, wir haben ihn! Nur leider hat Löw ihn nicht mit nach Brasilien genommen: Mario Gomez!

Potenzial hat auch Mario Götze. Er ist noch jung und es könnte seine WM werden. Wenn er mit dem richtigen Instinkt an die Sache herangeht und technisch so brilliert, wie zuletzt bei Bayern, dann ist alles drin!


Wir sind Bundestrainer!

Der Countdown geht in die Endphase. Nur noch wenige Stunden dann rollt der Ball. Ich gebe es zu: Ich kann es kaum noch erwarten! Aber was erwarte ich eigentlich? Was erwarten wir? Was erwartet Fußball-Deutschland und was sagen die anderen Nationen über uns? Ich bin den Fragen einmal auf den Grund gegangen.

Die WM 2014 kann beginnen! Foto: © Carina Tietz

Die WM 2014 kann beginnen! Foto: © Carina Tietz

Momentan sind wir alle Bundestrainer. Jeder glaubt die beste Taktik zu haben. Die „falsche Neun“ wird heftig diskutiert. Klose oder Götze? Eine eindeutige Antwort gibt es nicht. Aber die kritischen Stimmen überwiegen: Kruse und Kießling hätten mit zur WM fahren müssen. Löw ist in diesen Tagen nicht wirklich beliebt. Auch die anderen Positionen sind für viele Fans nicht optimal besetzt. Umstritten ist Sami Khedira. Er ist unbestritten ein Weltstar, aber er ist immer noch nicht fit. Glaubt man den Journalisten vor Ort, dann tut er alles für ein erfolgreiches Comeback. Aber reicht das aus? Kann man nach einem Kreuzbandriss und sechs Monaten Pause überhaupt eine WM optimal bestreiten?

Mir macht die Innenverteidigung ein wenig Sorgen: Ich kann mich weder für Hummels noch für Mertesacker begeistern. Bei Boateng kommt es sehr auf die aktuelle Verfassung an. Er hat eine super Saison gespielt. Aber seien wir doch mal ehrlich: Er hat sich auch oft den ein oder anderen Fehler geleistet. Durm erntet von vielen deutschen Fußball-Fans Kritik. Das kann ich nun ehrlich gesagt nicht teilen. Er ist jung und er brennt auf die WM. Ich möchte daran erinnern, dass der Dortmunder, in der Champions League Ronaldo voll im Griff hatte!

Auch in meinem Umfeld ist die Stimmung zweigeteilt. Nur wenige meiner Freunde und Bekannten glauben an den Titel. Die Meisten rechnen mit einem Aus nach der Vorrunde. Ich weigere mich eine Prognose abzugeben. Ich halte Löw nicht für einen Top-Trainer und auch der Kader ist meiner Meinung nach nicht die Bestbesetzung. Aber Deutschland ist eine Turniermannschaft.

Gestern habe ich mit einem Freund aus Dänemark telefoniert. Der konnte nicht begreifen, warum wir an Löw festhalten: „Ihr habt so tolle Typen: Matthäus, Heynckes, Rehhagel! Was findet Ihr bloß an Löw?“ Ich konnte die Fragen nicht beantworten. Dann legt er noch einen drauf. „Ihr müsst aufpassen, dass Ihr nicht von Klinsmann torpediert werdet! Und Ghana. Die sind verdammt stark.“ Ich hoffe nicht, dass er Recht behält.


Aber auch in meinem Umkreis ist die Stimmung nicht wirklich optimistisch. An den Titel glaubt keiner. Ein Freund von mir bringt es auf dem Punkt: „Die hätten Löw längst in die Wüste schicken müssen. Es tut mir leid, aber der hat von Fußball soviel Ahnung wie ich vom Ballett.“ Ein anderer Bekannter hat auch keine Sympathien für den Bundestrainer: „Der meint, dass er mal eben nach Brasilien jetten kann, um Weltmeister zu werden. Ohne Taktik! Der hat doch Angst vor den Gegnern. Mit der defensiven Einstellung kann man keinen Blumentopf gewinnen.“

Wer am Ende Recht hat und wer nicht, weiß selbst das Fußballorakel nicht. Lassen wir den Ball rollen und freuen wir uns auf interessante Spiele mit einem verdienten Weltmeister!


Der Countdown läuft!

Noch zwei Tage: Dann rollt der Ball endlich wieder und die besten Fußballnationen der Welt greifen nach dem goldenen Pokal. Ganz Deutschland ist im Fußballfieber. Ganz Deutschland??? Nein, es hat den Anschein als sei das Wendland eine halbwegs fußballfreie Zone. Mir ist das egal. Ich habe das Haus trotzdem geschmückt und ich werde mir meine Fußballeuphorie von niemandem nehmen lassen. Ich bin an der deutsch-niederländischen Grenze aufgewachsen. Umzingelt von etlichen Bundesligateams und mitten drin im ständigen Kampf zwischen den großen Fußballnationen Deutschland und der Niederlande. Da nimmt man das WM-Fieber schon über die Muttermilch auf.

Die Vorbereitungen laufen Foto: © Carina Tietz

Die Vorbereitungen laufen Foto: © Carina Tietz


Was ich in meiner Heimatstadt erlebt habe bleibt unvergesslich. Tief im Herzen bleibt der Weltmeistertitel von 1990 und das Tor von Andreas Brehme. Unter dem Sonnenschirm im Garten hängt heute die 24-Jahre alte Fahne. Damals, am 8. Juli 1990, als Codesal Mendez aus Mexico das Endspiel in Rom anpfiff, da hing die Fahne im Wohnzimmer meiner Eltern. Wenige Stunde danach flatterte sie aus dem Schiebedach meines Opel Kadetts in den Abendhimmel von Herzogenrath und Kerkrade. Sie war ein Teil des Autokorsos, der sich bis nach Mitternacht die Grenze entlang bewegte. Aber die Grenze war auch immer Schauplatz von unschönen und für unsere Nation beschämenden Szenen: Durch meinen Garten stürmten Hooligans eines Bundesligavereins um Deutschland nicht nur auf dem Rasen, sondern auch mit Fäusten gegen die Niederlande zu verteidigen.

Die WM kann beginnen Foto: © Carina Tietz

Die WM kann beginnen Foto: © Carina Tietz

Nicht weniger begeistert und im Herzen auch ein Stück französisch (ganz sicher auch der Verwandtschaft wegen!) feierte ich am 12. Juli 1998, als Frankreich im Finale gegen Brasilien mit 3:0 gewann. Ein Mann war es, der sich von Anfang in mein Herz gespielt hatte: Zinédine Zidane. Vergessen war das Vorrundenspiel gegen Saudi Arabien, als er die Rote Karte sah. Seine beiden Tore machten Frankreich zum Weltmeister. Für mich persönlich ist und bleibt Zidane der beste Spieler der Welt. Niemand hat den Ball so künstlerisch beherrscht wie er. Ich könnte das alles jetzt noch weiter ausschmücken und müsste mich dann auch zwangsläufig mit dem unschönen Abgang des Weltstars beschäftigen. Aber dazu ist jetzt wirklich nicht der richtige Zeitpunkt.

Vor uns liegen nun Tage der Hoffnung und des Daumendrückens. Wir werden fluchen, schreien, weinen, diskutieren, über Löw schimpfen, Fahnen hissen, hoffentlich ganz oft TTTTTTTTTTTTTTTTOOOOOOOOOOOOOOOOORRRRRRRRRRRRRRR schreien, Bier kalt stellen, grillen und bis zum 13. Juli dem Fußballfieber verfallen sein.

Was wir erleben, fühlen und wie wir leiden, erfahrt Ihr ab heute täglich auf meinem Blog!