So geht es weiter

Lieber Leser,

seit meinem letzten Beitrag sind viele Monate vergangen. Ich habe viel erlebt in dieser Zeit. Es waren anregende Geschichten und oftmals auch Dinge, die mich zum Nachdenken gebracht haben. Alles in allem war das Erlebte wieder ein Schritt zu mir selbst und zu meiner eigenen Reife. Der kürzeste Weg zu dir selbst führt nun einmal um die Welt. Deshalb habe ich mich entschlossen meine eigenen Geschichten mit in den Blog einfließen zu lassen. Ich werde mehr über meine eigenen Erfahrungen im Umgang mit Menschen schreiben.




Ich bekomme immer wieder Anfragen von Leuten, die gerne auswandern möchten. Gerne gebe ich auch diese Erfahrungen zukünftig weiter. Dabei greife ich auch auf Erlebnisse von Freunden und Kollegen zurück, die in fremden Ländern leben. Ich werde sie interviewen und ihre Geschichten weitergeben. Dazu wird es noch kleine Biographien geben. Natürlich wird hier nichts geschönt. Ich werde auch Leute zu Wort kommen lassen, die an ihrer Auswanderung gescheitert sind. Es werden offen und ehrliche Geschichten sein.




Selbstverständlich bleibt auch das Reisen ein Schwerpunktthema dieses Blogs. Ich werden Euch noch viele Geschichten von meiner großen Frankreichreise erzählen. Zudem bin ich in den letzten Jahren oft im Orient unterwegs gewesen. Daher werden Oman, der Persische Golf und der Nahen Osten mehr in den Mittelpunkt rücken. Im neuen Jahr wird es auch wieder Reiseberichte über die schönsten Städte der Welt geben. Ein weiterer Schwerpunkt wird auf die Bewertungen von Hotels und Fluglinien liegen. Natürlich liegt mir auch der Fußball weiterhin am Herzen. Ich nehme Euch mit ins Mutterland des Fußballs. Begleitet mich in die schönsten Stadien Englands.

Ich habe immer ein offenes Ohr für meine Leser. Themenvorschläge, Kritik, Fragen und Anregungen nehme ich gerne entgegen. Schreibt mir einfach oder kommentiert!

Ich freue mich auf das nächste Jahr und wünsche Euch eine schöne Weihnachtszeit!

Eure Carina




Stadionführer: Etihad Stadium Manchester City

Ich habe das Stadion von Manchester City mehrmals besucht. Mein letztes Spiel im Etihad Stadium war die Championsleague-Begegnung zwischen Borussia Mönchengladbach und Manchester City im Dezember 2015. Nachfolgend findet Ihr Tipps und Informationen zum Besuch im Etihad Stadium.

Etihad Stadium, Manchester City: Blick von der Gästekurve © Foto: Carina Tietz

Etihad Stadium, Manchester City: Blick von der Gästekurve © Foto: Carina Tietz

Kurzinformationen Etihad Stadium Manchester City

Das Etihad Stadium in Manchester hieß ursprünglich „Eastlands„ und wurde im Jahre 2002 für die Commonwealth Games gebaut. Nach den Spielen wurden das Stadion in ein Fußballstadion umgewandelt und man stellte es Manchester City als Ersatz für das Stadion Main Road zur Verfügung. In der Saison 2003/04 nahm Manchester City im Etihad Stadium den Spielbetrieb auf.




Bis 2011 war das Stadion noch unter dem Namen „City of Manchester Stadium„ bekannt. Dann schloss Manchester City einen zehnjährigen Sponsorenvertrag mit der Fluglinie Etihad und das Stadion wurde in Etihad Stadium umgetauft.
Im Jahre 2008 wurde hier das Finale des UEFA-Cups zwischen Zenit St. Peterburg und Glasgow Rangers (2:0) ausgetragen.

Willkommen im Etihad Stadium von Manchester City© Foto: Carina Tietz

Willkommen im Etihad Stadium von Manchester City© Foto: Carina Tietz

Schon bei der Übernahme dachte die Führung von Manchester City über einen Umbau nach und gab Machbarkeitsstudien in Auftrag. Vorwiegend ging es darum, dass Dach und die Kapazität zu erhöhen. Im Sommer 2014 begann man mit dem Ausbau der Südtribüne um 6000 Sitzplätze. 2015 wurden die Sitzreihen am Spielfeldrand um drei Reihen erweitert und man erreichte durch die Umbaumaßnahmen eine Kapazität von 55.000 Plätzen. Für die Zukunft ist ein weiterer Umbau der Nordtribüne geplant, der weitere 6000 Plätze schaffen soll.




Etihad Stadium: Anreise ab Deutschland
Ihr könnt das Etihad Stadium im Manchester problemlos mit dem Auto, mit dem Flugzeug oder mit der Bahn erreichen. Welche Anreise die billigere Variante ist, hängt natürlich von Euren Bedürfnissen ab. Wer mit mehreren Leuten anreist, der sollte das Auto wählen. Für Alleinreisende empfiehlt sich die Anreise per Flugzeug. Theoretisch kann man Manchester auch mit der Bahn erreichen. Allerdings würde ich die Variante schon wegen der Anreisezeit nicht empfehlen.

Die Fähren nach Dover © Foto: Carina Tietz

Die Fähren nach Dover © Foto: Carina Tietz

Ethiad Stadium: Anreise mit dem Auto
Ab Deutschland wählt Ihr die Autobahn bis zum Fähranleger in Dünkirchen oder Calais. Vom Westen Deutschlands führt die schnellste Strecke über Aachen, Brüssel und Gent (E40) nach Dünkirchen und Calais. Diese Strecke ist mautfrei. Ob Ihr nun Calais oder Dünkirchen als Starthafen wählt, ist völlig gleich. Zwischen Dünkirchen und Calais beträgt die Fahrzeit über die mautfreie Autobahn knapp 30 Minuten. Die Überfahrt von Calais nach Dover dauert 1 ½ Stunde und von Dünkirchen nach Dover 2 Stunden. Die Fährpreise sind gleich.

Abfahrt in Calais © Foto: Carina Tietz

Abfahrt in Calais © Foto: Carina Tietz

Fähren von Calais und Dünkirchen nach Dover
Es verkehren zwei Fährgesellschaften DFDS Seaways und P&O-Ferries. Die Preise variieren und sind abhängig von der Größe des Fahrzeuges und von der Anzahl der Personen. Generell ist es billiger, wenn die Überfahrt zwischen 23.00 und 6.00 Uhr erfolgt. Die Überfahrt in der Nacht kostet bei beiden Gesellschaften mit einem PKW bis sechs Meter Länge und bei 4 Reisenden zwischen 75,- und 135,- €. DFDS Seaways bietet zudem viele Angebote.

Kontrollen in Calais und Dünkirchen
Die Kontrollen sind in Calais und Dünkirchen streng. Pässe und Fahrzeug werden mehrmals kontrolliert. Für die Abfertigung sollte man knapp 30 Minuten Zeit einkalkulieren. Fußball-Fans, die nach England reisen sind in Calais und Dünkirchen allgegenwärtig. Das bedeutet, dass Fans nicht gesondert oder intensiver kontrolliert werden. Selbst mit Fahne am Auto, kann man die Kontrollen problemlos passieren.

Auf dem Weg nach Manchester, Etihad Stadium © Foto: Carina Tietz

Auf dem Weg nach Manchester, Etihad Stadium © Foto: Carina Tietz

Weiterfahrt ab Dover nach Manchester:
Die Abfertigung in Dover geht auch bei voller Fähre zügig. Nach dem Verlassen des Hafengeländes folgt Ihr den Schildern in Richtung London/Folkstone (M20). Kurz vor London erreicht Ihr den Stadtring (M25), der Euch um London herum leitet. Folgt dem Ring nach Westen in Richtung Flughafen London-Heathrow. Der Stadtring (M25) ist zu Stoßzeiten voll. Gerade zwischen 6.00 und 9.30 Uhr morgens und zwischen 16.00 und 20.00 Uhr abends kommt es hier immer wieder zu Staus oder der Verkehr kommt zum Erliegen. Alternativ könnt Ihr noch den Stadtring in östlicher Richtung nehmen. Aber auch hier kommt es während der Rush-Hour immer wieder zu Staus. Zudem ist die Fahrtstrecke länger. Der Weg nach Manchester ist ausgeschildert! Im Norden von London verlasst Ihr den Stadtring und folgt der M40 in Richtung Birmingham. Ab Birmingham geht es auf die M6. Die M6 teilt sich im Süden von Birmingham in die M6 und M6 Toll. Letztere ist die schnellere Strecke. Diese kosten aber Maut (5,50 Pfund; Stand Juli 2016). Im Norden von Birmingham kommen die Autobahnen wieder zusammen.

Anfield Road oder Old Trafford
Ein Kurztrip nach London mit einem Stopp in Arsenal oder Westham klingt verlockend. Doch das solltet Ihr lieber lassen! Selbst, wenn Ihr früh genug in Dover ankommt, wird die Zeit kaum ausreichen. Gerade der direkte Zuweg über Peckham nach Westminster ist zu Stoßzeiten zu. Da braucht man nicht selten bis zu 2 Stunden, um überhaupt nach London zukommen. Solltet Ihr noch genügend Zeit haben, dann fahrt an die Anfield Road in Liverpool. Empfehlenswert ist auch eine Stadiontour in Old Trafford.

Stadionbesichtigung Old Trafford, Manchester © Foto: Carina Tietz

Stadionbesichtigung Old Trafford, Manchester © Foto: Carina Tietz

Hierzu gibt es diese Anekdote:
Es sollen mehr Borussia-Fans bei der Stadionbesichtigung gewesen sein, als Wolfsburg-Fans beim Auswärtsspiel in Old Trafford. Tradition verpflichtet eben!

Mit dem Flugzeug nach Manchester:
Eurowings bietet Flüge nach Manchester ab 30,- € ab Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Köln, Rostock, Dresden, Nürnberg und Stuttgart.

Flybe bietet Verbindungen ab Düsseldorf und Hannover ab 26,- €
Ryanair biet eine Verbindung ab München ab 41,- €

Mit Flybe nach Manchester, Etihad Stadium © Foto: Carina Tietz

Mit Flybe nach Manchester, Etihad Stadium © Foto: Carina Tietz

Easy-Jet bietet eine Verbindung ab München ab 49,- €
KLM bieten Verbindungen ab ganz Deutschland via Amsterdam ab 29,- €

Mit easyjet nach Manchester, Etihad Stadium © Foto: Carina Tietz

Mit easyjet nach Manchester, Etihad Stadium © Foto: Carina Tietz

Brussels Airlines bietet Verbindungen ab Deutschland via Brüssel ab 70,- €

Vom Flughafen Manchester zum Stadion von Manchester City
Der Flughafen von Manchester liegt außerhalb der Stadt. Es verkehren Busse und Bahnen in die Innenstadt. Am Flughafen kann man ein 24-Stunden-Ticket erwerben. Mit diesem Ticket könnt Ihr alle Busse und Bahnen in Manchester benutzen und von der Innenstadt weiter zum Etihad Stadium oder nach Old Trafford fahren.



Mit dem Taxi zum Etihad Stadium © Foto: Carina Tietz

Mit dem Taxi zum Etihad Stadium © Foto: Carina Tietz

Taxi zum Etihad Stadium:
Am Flughafen stehen diverse Taxi-Unternehmen zur Verfügung, die Euch auf dem direkten Weg zum Etihad Stadium bringen. Für die einfache Fahrt zahlt man knapp 27,- Pfund. Wer die Rückfahrt gleich mit bucht, bekommt ein paar Pfund Rabatt. Die Taxen könnt Ihr schon vorab über die Webseite des Flughafens buchen. Ihr könnt auch vor Ort mit dem Fahrer einen Abholort vereinbaren. Die Taxen dürfen auch die Absperrungen am Stadion passieren und so könnt Ihr Euch auch direkt an der Gästekurve abholen lassen.

Mit dem Bus zum Etihad Stadium © Foto: Carina Tietz

Mit dem Bus zum Etihad Stadium © Foto: Carina Tietz

Parken am Stadion von Manchester City
Ihr könnt das Etihad Stadium bequem mit dem Auto erreichen. Am Stadion gibt es einige Bezahlparkplätze. Weitere Parkplätze liegen in der Nähe des Clayton Parks. Gute Parkmöglichkeiten findet Ihr auch in Richtung Bankstreet in der Nähe der Ravensbury Community School.

Wenige Meter vom Eingang der Gästekurve entfernt liegt an der Ecke zur Grey Mare Lane die Fankneipe Mary D’s Beamish Bar. Die Jungs dort sind cool drauf. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass die Fans von Borussia Mönchengladbach hier problemlos Zugang bekommen. Wenn Ihr Glück habt, dann dürft auch auf dem Bar-Parkplatz parken!

Die Mary D's Beamish Bar am Etihad Stadium © Foto: Carina Tietz

Die Mary D’s Beamish Bar am Etihad Stadium © Foto: Carina Tietz

Parken am Etihad Stadium mit Kleinbus oder Van
Ihr reist im Kleinbus oder mit Wohnmobil nach Manchester? Dann könnt Ihr gleich in der Nähe der Auswärtskurve parken. Die Kontrollen dort sind lässig und die Leute sind alle freundlich und hilfsbereit. Nicht selten lässt man hier auch Vans parken. Vorausgesetzt natürlich, dass noch genügend Parkplätze zur Verfügung stehen. Ansonsten könnt Ihr es noch nördlich vom Stadion und in der Nähe der der Ravensbury Community School versuchen. Dort gibt es auch größere Stellflächen.

Bier beim Stadionbesuch bei Manchester City
Ich kann hier nur meine persönlichen Erfahrungen schildern. Auf verschiedenen Webseiten habe ich gelesen, dass die Polizei rigoros durchgreift, wenn man öffentlich Bier in Stadionnähe trinkt. Das habe ich in der Form noch nicht erlebt. Ich habe sogar einmal einen nordirischen Fan-Club von Belfast aus beim Stadionbesuch in Manchester begleitet. Die Männer sind verdammt trinkfest und sie trinken auch am Stadion und in der Öffentlichkeit ihr Bier. Probleme gab es deshalb nirgendwo. Das gilt nicht nur für Fans von Manchester City. Auch die Fans der gegnerischen Mannschaft haben Bier vor dem Stadion getrunken. Beim Spiel der Borussia in Manchester sind wir mit Bier von der Fankneipe der City Fans hinüber zum Eingang der Gästekurve gelaufen. Es gab keine Probleme.

Hier könnt Ihr Bier am Etihad Stadium kaufen
Wie bereits erwähnt: Ein frischgezapftes Bier bekommt Ihr in der Mary D’s Beamish Bar. Nur wenige hundert Meter vom Etihad Stadium entfernt, hinter dem Alan Turing Way liegt an der Gibbon Street der ASDA Eastlands Super Center. Hier könnt Ihr Bier kaufen. Auch für die Rückfahrt könnt Ihr Euch hier mit Bier eindecken. Der ASDA-Supermarkt hat rund um die Uhr geöffnet. ASDA ist der Nachfolger von Walmart und bietet auch sonst ein breitgefächertes Alkoholangebot. Am ASDA Eastlands Super Center gibt es auch MC Donalds und einige diverse Fast-Food-Angebote.

Parken in der Nähe vom Etihad Stadium © Foto: Carina Tietz

Parken in der Nähe vom Etihad Stadium © Foto: Carina Tietz

Hotels in der Nähe vom Etihad Stadium
Schon mal vorab: Bei Spitzenspielen in der Championsleague sind die Hotels rund um das Etihad Stadium und in Manchester selber schnell ausgebucht. Ich habe mein Hotel für das Spiel gegen die Borussia im letzten Jahr Anfang November gebucht. Da waren die Hotels in der Innenstadt und in der Nähe des Etihad Stadiums bereits ausgebucht. Ich musste dann auf ein Mercure Hotel fast 25 Meilen außerhalb von Manchester zurückgreifen. Zu den günstigsten Hotels in Manchester gehören die Hotels der Premier-Inn-Gruppe und der Travellodge. Wer auf Komfort weitgehend verzichten kann und nur zum Spielbesuch nach Manchester kommt, der kann hier billig ein Zimmer bekommen. Günstige Zimmer bieten auch die internationalen Hotelketten Holiday Inn Express und Ibis Budget. Hier gibt es ein Doppelzimmer bereits ab 49,- Euro. Alternativ gibt es noch das Mercure Piccadilly und das Double Tree Hilton Piccadilly. Hier kostet ein Doppelzimmer mindestens 100,- Euro die Nacht. Es besteht auch noch die Möglichkeit ein Zimmer in Liverpool zu buchen. Von hier hat man eine gute Anbindung nach Manchester. Sehr empfehlenswert ist das John Lennon Airport Hotel Holiday Inn Express. Hier bekommt man ein Doppelzimmer bereits ab 65,- Euro.

Günstige Unterkünfte in Manchester gibt es bei booking.com



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Noch ein paar Tipps für den Besuch des Etihad Stadiums in Manchester:
Aus eigener Erfahrung kann ich Euch nur raten: Fahrt früh genug los! Umfahrt London über die westliche Ring-Autobahn. Ihr müsst die Wartezeit für die Fähre überbrücken? Nachts könnt Ihr einen Abstecher nach Peckham machen. Da sind die Straßen meist frei. In Peckham kann man auch morgens um vier Uhr noch in den Kneipen ein Bier trinken oder einen Döner essen. In Dover sind die Kneipen nachts zu.
Bis zu zwei Stunden vor Spielbeginn ist die Zufahrt zum Stadion problemlos möglich. Dann kann man auch im Gebiet hinter der Grey Mare Lane einen Parkplatz finden.

Karten für das Championsleague-Spiel Manchester City gegen Borussia Mönchengladbach © Foto: Carina Tietz

Karten für das Championsleague-Spiel Manchester City gegen Borussia Mönchengladbach © Foto: Carina Tietz

Habt Ihr noch Fragen? Dann schickt mir doch einfach eine Nachricht!

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Marseille La Castellane: Auf den Spuren von Zinédine Zidane

Ich bin auf den Spuren von Zinédine Zidane in Marseille unterwegs. Hier im Norden im Problemviertel La Castellane hat der Weltfußballer mit kaputten Schuhen auf dem Place de la Tartane seine ersten Bälle gekickt. Viele Kilometer unterhalb am Boulevard Michelet im Stade Vélodrome lief er am 12. Juni 1998 im Trikot der französischen Mannschaft auf und besiegte das Team von Südafrika mit 3:0. Kein anderer Fußballspieler hat mich so fasziniert!



Mit Zinédine auf dem Weg nach Marseille
Die Luft ist staubig auf der Nationalstraße, irgendwo in der Nähe von Salon-de-Provence. Am Himmel dreht die Kunstflugstaffel der französischen Luftwaffe ihre Runden und färbt den Himmel in den Farben der Tricolore. Mein Sohn ist von der Flugakrobatik so begeistert, dass ich am Straßenrand anhalten muss. Er springt aus dem Wagen hinaus, holt sein Smartphone aus der Hosentasche und beginnt zu fotografieren. Er steigt eine Anhöhe hinauf um die Flieger besser sehen zu können. Es vergehen Minuten. Die Flieger befinden sich noch immer auf ihrem Kurs. Sie sind schön anzusehen, aber ich will jetzt trotzdem weiterfahren. „Zinédine, komm jetzt“, rufe ich meinem Sohn zu. „Ja, einen Moment noch“, antwortet er und klettert langsam den Hügel hinunter. Ich habe heute den Namen Zinédine bestimmt schon zehnmal gerufen. Seit mehr als zehn Jahren rufe ich ihn täglich, doch heute tue ich es viel bewusster. Mein Sohn heißt Zinédine und er ist nach dem Weltfußballer Zinédine Zidane benannt. Den Fußballer, den ich seit vielen Jahren so verehre. Es war nicht immer leicht mit der Namensgebung. Doch mein Sohn ist sehr stolz darauf, dass er diesen Namen tragen darf. Heute will ich ihm zeigen, warum er Zinédine heißt und warum Zinédine Zidane mehr als nur ein Weltfußballer ist.

Marseille La Castellane: Zidane ist in einer trostlosen Gegend aufgewachsen © Foto: Carina Tietz

Marseille La Castellane: Zidane ist in einer trostlosen Gegend aufgewachsen © Foto: Carina Tietz

La Castellane im Norden von Marseille
Wir fahren weiter auf der Nationalstraße bis Rognac und dann auf die Autobahn A7. Der Étang de Berre leuchtet blau-türkis und die Wasseroberfläche spiegelt in der Sonne. Am Horizont können wir die Flugzeuge beobachten, die am nahgelegenen Flughafen Marignane starten. Kurz vor Les Adrechts verlassen wir die Autobahn. Die Gegend wird trister und sie ist geprägt von grauen Bauten an deren Fensterenden große Satellitenschüsseln angebracht sind. Am Straßenrand und in den Parkbuchten der unansehnlichen Betonklötze parken alte und demolierte Autos. La Castellane ist in keinem Stadtplan zu finden. Auch auf den Straßenschildern kann ich La Castellane nicht ausfindig machen. Doch das Navi lenkt mich in die Straße Chemin de Bernex. Hier hat Zinédine Zidane gewohnt. Mein Sohn schaut aufgeregt und mit großen Augen aus dem Seitenfenster des Wagens. Am Kreisverkehr stauen sich die Autos und ich muss abbremsen. Die Leute starren meinen Wagen an. Es ist ein Eyecatcher, tiefergelegt und mit verbreiterten Reifen. Ein Wagen von dem die meisten Leute in dieser Gegend nur träumen können. Ich habe das nicht bedacht und will nicht arrogant wirken.

Marseille La Castellane: Hier ist Zinédine Zidane aufgewachsen © Foto: Carina Tietz

Marseille La Castellane: Hier ist Zinédine Zidane aufgewachsen © Foto: Carina Tietz

Marseille La Castellane: Hier ist Zinédine Zidane aufgewachsen
Wir erreichen die Straße Chemin de Bernex. Links und rechts befinden sich kleine Grünflächen, doch die können diese trostlose Gegend auch nicht aufwerten. Dazwischen stehen diese grauen Mehrfamilienhäuser, die hier allerdings nicht ganz so hoch sind. Am Anfang der Straße steht ein großes Hinweisschild mit der Aufschrift La Castellane. Auf Zinédine Zidane deutet nichts hin. Ich weiß nur den Straßennamen, die Hausnummer kenne ich nicht. An einem der Häuserparkplätze halte ich an, drehe die Scheibe herunter und spreche einen älteren Herrn an. Er schaut verstört auf das Nummernschild. „Aus Deutschland“, sagt er, noch bevor ich meine Frage stellen kann. Ich nicke freundlich und er kommt näher an den Wagen heran. Sein Pullover hat ein Loch und die Jogginghose, die er trägt ist dreckig. Er stützt sich auf einen Stock auf und hält sich mit der anderen Hand am geöffneten Wagenfenster fest. Seine Hände sind unsauber und seine Fingernägel ungepflegt. Spiegelt er die Gesellschaft von La Castellane wider? Er lächelt mich freundlich an. Ich sehe in sein Gesicht und erkenne, dass er arabischer Herkunft ist. Ich frage nach Zinédine Zidane. Er lächelt noch freundlicher und seine dunklen Augen glänzen. Er zeigt auf den mehrstöckigen Betonbau herüber. Wahrhaftig, ich stehe direkt vor dem Haus indem Zinédine Zidane seine Kindheit verbracht hat. Mir läuft ein kalter Schauer über den Rücken. Das ist also die Gegend, die Dan Franck so eindrucksvoll beschrieben hat? Ich kenne die Erzählungen aus dem Buch genau und bin bewegt. Der Mann steht noch immer lächelnd am Auto. Ich schaue ihn wieder an und dann beginnt er zu erzählen: „Zinédine ist unser Junge und sein Fußball ist“, er hat Tränen in den Augen, drückt seine Finger zusammen, führt sie zum Mund und küsst sie. Ich frage ihn, ob er Zinédine Zidane persönlich kennt. Stumm nickt er und schließt verehrend seine Augen. Der deutsche Wagen hat Neugierige angezogen. Zwei Männer Mitte 20 nähren sich unserem Wagen. Sie begrüßen den älteren Mann und sehen mich mit finsterer Miene an. Sie sprechen arabisch miteinander. Ich kann nur das Wort Zidane verstehen. Der düstere Gesichtsausdruck verschwindet blitzartig. Freundlich lächeln sie mich an und begrüßen mich. „Zizou ist einer von uns. Hier gehört er hin, hier oben nach La Castellane! Wir sind kein Abschaum, wir sind Menschen!“ Seine Stimme wirkt fast laut und schreiend. Mein Sohn ist ausgestiegen und fotografiert mit seinem Smartphone. Die drei Männer lächeln ihn an. „Na, wie heißt Du denn?“, fragt der ältere Mann ihn. Mein Sohn sagt ganz nebenher: „Zinédine!“ Ungläubig sieht er meinen Sohn und dann mich an. Die beiden anderen Männer stehen da, als hätte sie der Blitz getroffen. Dann beginnt ein lautes Gerede. Alle durcheinander und wild gestikulierend! Ich steige aus dem Wagen aus. Der ältere Mann reicht mir die Hand und küsst mich auf die Wange. Dann flüstert er leise: „Merci!“. Die beiden Jungen fragen mich, warum ich ihn Zinédine genannt habe? Ich muss nicht lange überlegen: „Weil Zinédine Zidane für mich immer noch der beste Fußballer aller Zeiten ist. Weil es nie einen Fußballspieler gab, der so ein Ballgefühl hatte. Zinédine Zidane hat mit seinem Ball getanzt. So, als habe er Klebstoff unter seinen Schuhen gehabt. Es war nicht nur sein fußballerisches Können! Nein! Es ist auch seine Geschichte, die hier oben in La Castellane begann. Das Einwandererkind, das der Stolz aller Franzosen ist. Und noch was: Seine Bescheidenheit! Zinédine Zidane ist immer auf dem Teppich geblieben. Er hat nie vergessen, wo er herkam. Sein Heimat, die liegt hier, hier oben, im Norden von Marseille im Problemviertel von La Castellane.“ Ich habe selber Tränen in den Augen. Einer der jungen Männer kommt zu mir herüber und reicht mir die Hand. Der andere redet mit meinem Sohn, aber Zinédine versteht ihn nicht und lächelt nur. Ich steige in den Wagen zurück. Einer der Männer erklärt mir den Weg zum Place de la Tartane. Ich verabschiede mich. Die Männer winken unserem Wagen hinterher. „Hier möchte ich nicht wohnen. Hier liegt ja überall Müll! Ich kann mir nicht vorstellen, dass Zinédine Zidane hier aufgewachsen ist!“
Mein Sohn ist nachdenklich. Wieder erzähle ich ihm die Lebensgeschichte des Weltfußballers. Er kennt sie, aber begreifen kann er sie nicht!



Place de la Tartane: Hier hat Zinédine Zidane seine ersten Bälle gekickt
Ich fahre die Straße Chemin de Bernex weiter entlang. Hinter den Betonblöcken liegt der Place de la Tartane. Ich kann ihn nicht mit dem Wagen erreichen. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Meinen Wagen hier abstellen? In diesem Viertel? Ich bin nur wenige Meter gefahren und halte wieder am Straßenrand. Die beiden jungen Männer sind noch in Sichtweite. Ich steige aus und rufe sie zu mir heran. Sie eilen herüber und ich frage nach einem Parkplatz. Sie haben meine Bedenken gleich erkannt, obwohl ich gar nichts gesagt habe. Es ist eben La Castellane! Der eine lotst mich zu einer Häuserfront herüber. Hier parken drei alte Renaults und ein uralter Ford Taunus. Ich fahre in eine der Lücken hinein. Sie versprechen mir, dass sie auf den Wagen aufpassen und lehnen sich an den Kofferraum. Ich habe ein ungutes Gefühl, aber ich lasse mich davon nicht abhalten. Nicht jeder in La Castellane ist ein Verbrecher! Ich nehme meinen Sohn an die Hand und bitte ihn sein Smartphone in die Hosentasche zu packen. Dann gehen wir durch einen der Häuserblöcke hindurch. Hier liegt er nun der Place de la Tartane umgeben von trostlosen Betonklötzen. Kalt wirkt sein rötlicher Asphalt. Daran ändert auch die Pinie nichts, die ein kleines Blumenbeet schmückt. Blumen sucht man in dem Beet vergebens. Dort liegen Dosen und zerschlagene Flaschen. „Mach die Augen zu“, sage ich zu meinem Sohn. Er tut es. „Mit viel Phantasie hörst Du den Ball aufschlagen und oben aus dem Fenster ruft ein arabischer Mann den kleinen Zinédine Zidane vergeblich zum Abendbrot.“ So könnte es gewesen sein! „Hör auf und lass und zurückgehen, „fordert mein Sohn. Ja, wir sollten jetzt gehen, denn den Leuten ist bereits aufgefallen, dass wir hier nicht hingehören! Wieder passiere ich den Durchgang des Häuserblockes. Mein Sohn jammert: „Mann, jetzt habe ich gar kein Foto gemacht.“ Ich nehme ihn in den Arm: „Für bewegende Erinnerungen braucht man keine Fotos! Die manifestieren sich im Kopf“. Mein Sohn lächelt. Die beiden Männer lehnen immer noch an unserem Wagen und bewachen ihn wie einen mit Gold gefüllten Tresor. Ich bedanke mich und will mich verabschieden. Der eine reicht mir wieder die Hand. Der andere nimmt mich sogar in den Arm. Dann deutet er auf das Presseschild, das umgeknickt an der Frontscheibe liegt. „Bist Du von der Presse?“, fragt er. Ich nicke. „Dann schreibe bitte, dass wir hier in la Castellane freundliche Menschen sind! Bitte denke auch an uns und nicht nur an Zinédine Zidane“, er fleht schon fast. Ich nicke, lächele und reiche ihm noch einmal die Hand. Dann lenken sie mich aus der Parkbucht hinaus. Wir winken, ich hupe und biege wieder auf die große Straße ab, die hinunter nach Marseille führt. Jetzt wollen wir uns noch das Stade Vélodrome ansehen!

Obdachlose in Marseille: Ein Zelt auf der Straße © Foto: Carina Tietz

Obdachlose in Marseille: Ein Zelt auf der Straße © Foto: Carina Tietz




Eine deutsch-französische Familie im Fußballfieber

Eigentlich darf ich gar nicht schreiben. Die linke Hand muss noch mindestens 14 Tage ruhig gestellt werden. Doch trotz Aluminiumschiene und Gips kann ich meine Finger einfach nicht von der Tastatur lassen. Die Weltmeisterschaft löst einfach zu viele Emotionen in mir aus.

Es ist genau das eingetreten, was ich und der Rest meiner Familie nicht wollten: Deutschland muss gegen Frankreich spielen. Schon seit Beginn der WM habe ich mit meiner Familie in Frankreich so oft kommuniziert, wie sonst den ganzen Monat nicht. In mir steckt ein Stück Frankreich und in meiner französischen Familie steckt ein Stück Deutschland. So ist es nun mal, wenn eine Deutsche einen Franzosen heiratet.

Ich kann mich noch gut an meine Kindheit erinnern. Es war halt immer etwas Besonderes, wenn Deutschland und Frankreich aufeinander trafen. Das galt übrigens nicht nur bei Fußballturnieren, auch bei der Tour de France war man immer völlig aus dem Häuschen. Richtig bewusst in Erinnerung ist mir noch immer das WM-Halbfinale von 1982. Mein Vater hatte noch vor dem Spiel eine ganze Stunde mit seiner Schwester in Frankreich telefoniert. Alle hofften auf ein faires und gutes Fußballspiel und es war uns am Ende egal, ob nun Frankreich oder Deutschland ins Endspiel einziehen sollte. Doch gerade fair war das Spiel nicht. Toni Schumacher sprang Patrick Battiston an und das Unheil nahm seinen Lauf. Meine Tante in Frankreich schimpfte unaufhörlich. Mein Cousin erzählte am Telefon, dass sie erst in Französisch schimpfte, dann in Deutsch fluchte und schließlich in waschechtem rheinischen Platt ihren Emotionen freien Lauf ließ. Hüben wie drüben der Grenze waren wir den Tränen nah, als Patrick Battiston benommen am Boden liegen blieb und auch als der große Uli Stielicke den Elfmeter verschoss und minutenlang von Pierre Littbarski getröstet werden musste.


Jahre sind seither vergangen. Die Familie ist immer noch deutsch-französisch. Mein Sohn heißt Zinédine, wie der berühmte Zidane und in Frankreich heißt man Maria und Christian. Wir essen Bouillabaisse und trinken dazu gerne einen Châteauneuf du Pape . Drüben legt man Frankfurter Würstchen auf den Grill und trinkt ein Bitburger. Jeder von uns wird immer ein Stück französisch und ein Stück deutsch bleiben.

An meinem Auto wehen eine deutsche und eine französische Flagge. Bei meiner Familie in Lille und in Marseille hängen deutsche und französische Fahnen am Haus. Didier bringt es dann auf den Punkt: „Wir alle sind Europa!“ Aber so einfach ist es am Ende dann doch nicht.

Ich habe einen deutschen Pass, bin Deutsche, aber mein Herz wird am Freitag für Frankreich schlagen. „Allez les Bleus!“
Christian ist ein waschechter Franzose, in Lille geboren. Er wird am Freitag den Deutschen die Daumen drücken. Schon heute Morgen kam die Botschaft über Facebook: „Allez Müller, allez Deutschland!“

Möge am Ende der Bessere gewinnen und mögen wir alle ein gutes und faires Spiel sehen. Am Ende wird immer ein Stück unserer Nation im Halbfinale stehen!

Bei meiner Familie in Frankreich / Foto: Christian Delepierre

Bei meiner Familie in Frankreich / Foto: Christian Delepierre

Unsere Terrasse in Langendorf-Kaltenhof © Carina Tietz

Unsere Terrasse in Langendorf-Kaltenhof © Carina Tietz


Brasilien gegen Kroatien 3:1: Es war kein Fußball-Fest!

Es war kein glanzvoller Auftakt! Dabei fing unser Abend ganz vielversprechend an. Mein ältester Sohn kam schon vor Wochen auf die Idee, zu jedem Spiel landestypisch zu kochen. Er machte dann auch gleich den Auftakt mit Djuvec-Reis und Cevapcici. Danach war für die Jungs der Abend vorbei. Schule geht vor Fußball.

Wir machten es uns auf dem Sofa gemütlich und hofften auf ein überragendes Fußballspiel der Seleção. Doch was wir sahen war alles andere als ein Fußballfest. Oliver Kahn sagte, dass es ein typisches Eröffnungsspiel gewesen sei. Das war es meiner Meinung nach aber auch nicht. Die brasilianische Millionentruppe überzeugt mich überhaupt nicht. Der hochgelobte Neymar erschien mir zeitweise hilflos gegen die frei aufspielende Mannschaft aus Kroatien. Am Ende blieb dann noch der fade Beigeschmack eines unberechtigten Elfmeters. Das muss ich mir dann die Frage stellen: „Hat die Fifa keine kompetenten und erfahrenen Schiedsrichter aus den Fußballnationen??? Anstatt eines Elfmeters hätte Fred eine gelbe Karte sehen müssen.

Was hatte ich vor dem Spiel nicht alles gelesen: Luis Felipe Scolaris wollte das Team aus Kroatien gleich überfallen und ein frühes Tor erzielen. Damit hatte die Seleção schon einmal gegen Spanien Erfolg. Die Kroaten ließen sich von dieser Taktik allerdings nicht aus der Ruhe bringen. Mit Abstand am besten gefallen hat mir Ivica Olic, der schon früh mit einer wunderbaren Kopfballchance die Brasilianer in Angst und Schrecken versetzte. Ivica Olic und Ivan Perisic ließen die beiden Weltklasse-Innenverteidiger David Luiz und Thiago Silva alt aussehen. Die irrten nur hilflos umher. So wie auch Marcelo, der den Ball dann nach einer Flanke von Olic ins eigene Tor lenkte.
Die Führung war verdient!

Neymar war überall. Er wirkte zeitweilig wütend und planlos. Er kassierte dann auch gleich die gelbe Karte wegen eines unschönen Ellenbogeneinsatzes gegen Luka Modric. Neymar erzielte auch den Treffer zum 1:1. Der Ball war aber keineswegs platziert geschossen. Auch wenn das Publikum danach jubelte, als habe das Team die WM gewonnen.

Nach der Pause hatten die Brasilianer die Lust auf den Fußball gänzlich verloren. Von der Offensive, die Luis Felipe Scolaris angekündigte war nichts zu sehen. Weltklasse-Fußballer versuchten überheblich in Richtung des gegnerischen Tors vorzudringen. Ganz anderes die Kroaten: Ein überragender Olic trieb mit Modric und Rakitic die Mannschaft nach vorne! Das Führungstor für Kroatien wäre zu diesem Zeitpunkt mehr als verdient gewesen.

Dann kam die 69. Minute. Fred hatte sich ganz geschickt im Strafraum fallen lassen. Es war eine klassische Schwalbe. Doch anstatt einen Freistoß für Kroatien zu pfeifen und Fred die gelbe Karte zu zeigen, zeigte der japanische Schiedsrichter auf den Elfmeterpunkt. Die WM war noch keine 90 Minuten alt und schon durften wir uns mit einem inkompetenten Schiedsrichter auseinandersetzen.


Neymar verwandelte schließlich den Elfer. Aber auch der war für den so hochgelobten Weltstar eher ein glanzloser Schuss. Pletikosa kam noch heran, aber der Ball ging ins Tor. Die Schlussoffensive der Kroaten blieb erfolglos. Stattdessen traf Óscar nach einem Konter in der Nachspielzeit zum unverdienten 3:1.

Mein Fazit: Ich habe gestern Abend keine brasilianische Weltmeisterelf gesehen. Das Team muss meiner Meinung nach noch ordentlich einen drauflegen, um gegen Mexico zu gewinnen.

Auch die millionenteuren Weltstars haben mich nicht überzeugt. Neymar war zwar überall, aber mir fehlte der Biss und auch technisch hat mich der Mann von Barcelona nicht überzeugt.
Der Spieler des Tages war für mich der 34 Jahre alte Ivica Olic. Der Wolfsburger war an fast allen Kontern beteiligt und zeigte konstant eine gute Leistung!


Oranje boven!

Heute Abend gibt es den ersten WM-Kracher zwischen den Niederlanden und Spanien. Schon jetzt wird heftig darüber diskutiert, für wen wir die Daumen drücken. Der Große ist bekennender Spanien-Fan. Ich selber habe mehr Sympathien für die Niederländer. Ich mag Robben. Er wirkt in den Interviews immer nett und freundlich. Als Fußballer hat er kein wirklich so großes Potenzial. Er hat immer denselben Trick auf Lager und ich frage mich, warum die Abwehrspieler den nicht längst durchschaut haben.

Aber auch hier sind es wieder die Erinnerungen, die meine Gefühle bestimmen. Das legendäre Finale von 1974. Ich war ein kleines Mädchen und ging einige Stunden vor dem Finale mit meinem Vater ein Eis essen. Als wir die Eisdiele verließen sah ich, wie deutsche Fans eine Ente mit niederländischem Kennzeichen samt Insassen auf die andere Straßenseite herübertrugen. Sie sangen dabei: „Ja das ist der Johann Cruyff der die ganze Nacht durchsäuft.“ Von weitem hörten wir die Sirenen eines Polizeiwagens. Mein Vater nahm mich an die Hand und wir verließen fluchtartig die Straße. Später stockte uns fast der Atem, als Johann Neeskens die Holländer in Führung brachte. Es ging am Ende alles gut aus und Deutschland wurde Dank der Tore von Paul Breitner und Gerd Müller Weltmeister.

Häuser in Kerkrade / Niederlande bei der WM 2010  Foto: © Carina Tietz

Häuser in Kerkrade / Niederlande bei der WM 2010 Foto: © Carina Tietz

Ebenso unvergesslich bleibt wohl auch das Achtelfinale 1990. Es gehört für mich zu den emotionalsten Fußballmomenten, die ich je erlebt habe. Wir schauten gemeinsam mit Freunden nur wenige Minuten von der Grenze entfernt. Schon den ganzen Tag über hatte es vereinzelte Ausschreitungen gegeben. Polizisten aus ganz Nordrhein Westfalen sicherten die Grenze. Das ganze Gebiet war weiträumig abgesperrt. Überall waren Straßensperren aufgebaut. Nur wer sich ausweisen konnte und nachweislich in der Grenznähe wohnte, durfte die Sperren passieren. Wir hörten immer wieder Hupen und Fanfaren. Im Garten qualmten die Grills und die Bierkästen hatten wir in ein Planschbecken gestellt. Es sehe die Szene noch immer vor mir. An der Regenrinne wehte die Deutschlandfahne. Der ganze Ort hatte an diesem Abend nur einen einzigen Wunsch: Die Niederlande zu schlagen und ins Viertelfinale einzuziehen. Manche hatten einen richtigen Hass auf das Team von Oranje! Jürgen Klinsmann war wie hypnotisiert und machte das Spiel seines Lebens, nachdem Rudi Völler und Frank Rijkaard vom Platz flogen. Deutschland gewann mit 2:1. Ich war so wütend über die Niederländer! Die Bild titelte: „Bespuckt, betrogen und trotzdem gesiegt“. Wir kopierten den Spruch und klebten ihn auf die Rückscheibe des Autos. Zigmal wurden wir von Holländern darauf angesprochen und die Reaktion war immer gleich: Sie schämten sich dafür, was Rijkaard gemacht hatte.

Häuser in Kerkrade / Niederlande bei der WM 2010  Foto: © Carina Tietz

Häuser in Kerkrade / Niederlande bei der WM 2010 Foto: © Carina Tietz

Ich werde heute Abend den Holländern die Daumen drücken. Ich glaube zwar, dass ihre Chancen sehr gering sind, aber es ist faszinierend, wie diese Fußballnation hinter ihrer Mannschaft steht. Das kleine Königreich verfällt jedes Mal zur WM oder EM in einen „Oranje-Wahn“. Es gibt kaum ein Haus ohne Nationalfahne. Ganze Straßenzüge und Siedlungen liegen unter einer Decke von Oranje-Wimpelketten und Fahnen. Den Weltmeistertitel für die Fans vergebe ich persönlich an Holland. Keine andere Nation ist so toll kostümiert und keine andere Nation zieht gleich mit mehreren Kapellen ins Stadion. In diesem Sinne: „Oranje boven Nederland!“

Unser Menü für heute Abend: holländische „Frites special“ mit Zwiebel, Ketchup und Mayonnaise und für die Jungs dazu „Frambozen-Limonade“.


Die falsche Neun

Kaum ein anderer Ausspruch ist in den letzten Tagen so häufig diskutiert worden, wie die“ falsche Neun“. Bei den Diskussionen ist mir aufgefallen, dass viele gar nicht wissen, was die falsche Neun eigentlich ist. Am letzten Samstag diskutierte ich mit Vätern, anlässlich eines Fußballturniers meines Sohnes über das Thema. Eine Mutter lachte lauthals los: „Ich kenne nur die glorreichen sieben.“ Ich fand es lustig, die Männer weniger.

Wer die falsche Neun verstehen will, der muss zunächst einmal wissen, was die richtige Neun ist! Mit der Nummer Neun wird ein klassischer Mittelstürmer bezeichnet. Ein unvergesslicher Deutscher dieser Art ist zum Beispiel Horst Hrubesch.


Pep Guardiola war der erste, der den klassischen Mittelstürmer zur falschen Neun machte. Das berühmteste Beispiel ist Lionel Messi. Er ist ein brandgefährlicher Mittelstürmer, der aber auch im Mittelfeld Akzente setzt. Genau darin liegt die Taktik der falschen Neun. Lässt sich der Mittelstürmer gekonnt ins Mittelfeld zurückfallen, entsteht hier eine Überzahl. Zusätzlich wird ein Freiraum für die anderen Spieler geschaffen. Mit der falschen Neun, soll die Abwehr des Gegners durcheinandergebracht werden. Die gegnerischen Abwehrspieler verlieren die Kontrolle und müssen sich so immer wieder aufs Neue formieren. Das schafft Möglichkeiten für blitzschnelle Angriffe.

Doch haben wir deutschen überhaupt einen Spieler mit dem Potenzial der falschen Neun? Ich sage: Ja, wir haben ihn! Nur leider hat Löw ihn nicht mit nach Brasilien genommen: Mario Gomez!

Potenzial hat auch Mario Götze. Er ist noch jung und es könnte seine WM werden. Wenn er mit dem richtigen Instinkt an die Sache herangeht und technisch so brilliert, wie zuletzt bei Bayern, dann ist alles drin!


Wir sind Bundestrainer!

Der Countdown geht in die Endphase. Nur noch wenige Stunden dann rollt der Ball. Ich gebe es zu: Ich kann es kaum noch erwarten! Aber was erwarte ich eigentlich? Was erwarten wir? Was erwartet Fußball-Deutschland und was sagen die anderen Nationen über uns? Ich bin den Fragen einmal auf den Grund gegangen.

Die WM 2014 kann beginnen! Foto: © Carina Tietz

Die WM 2014 kann beginnen! Foto: © Carina Tietz

Momentan sind wir alle Bundestrainer. Jeder glaubt die beste Taktik zu haben. Die „falsche Neun“ wird heftig diskutiert. Klose oder Götze? Eine eindeutige Antwort gibt es nicht. Aber die kritischen Stimmen überwiegen: Kruse und Kießling hätten mit zur WM fahren müssen. Löw ist in diesen Tagen nicht wirklich beliebt. Auch die anderen Positionen sind für viele Fans nicht optimal besetzt. Umstritten ist Sami Khedira. Er ist unbestritten ein Weltstar, aber er ist immer noch nicht fit. Glaubt man den Journalisten vor Ort, dann tut er alles für ein erfolgreiches Comeback. Aber reicht das aus? Kann man nach einem Kreuzbandriss und sechs Monaten Pause überhaupt eine WM optimal bestreiten?

Mir macht die Innenverteidigung ein wenig Sorgen: Ich kann mich weder für Hummels noch für Mertesacker begeistern. Bei Boateng kommt es sehr auf die aktuelle Verfassung an. Er hat eine super Saison gespielt. Aber seien wir doch mal ehrlich: Er hat sich auch oft den ein oder anderen Fehler geleistet. Durm erntet von vielen deutschen Fußball-Fans Kritik. Das kann ich nun ehrlich gesagt nicht teilen. Er ist jung und er brennt auf die WM. Ich möchte daran erinnern, dass der Dortmunder, in der Champions League Ronaldo voll im Griff hatte!

Auch in meinem Umfeld ist die Stimmung zweigeteilt. Nur wenige meiner Freunde und Bekannten glauben an den Titel. Die Meisten rechnen mit einem Aus nach der Vorrunde. Ich weigere mich eine Prognose abzugeben. Ich halte Löw nicht für einen Top-Trainer und auch der Kader ist meiner Meinung nach nicht die Bestbesetzung. Aber Deutschland ist eine Turniermannschaft.

Gestern habe ich mit einem Freund aus Dänemark telefoniert. Der konnte nicht begreifen, warum wir an Löw festhalten: „Ihr habt so tolle Typen: Matthäus, Heynckes, Rehhagel! Was findet Ihr bloß an Löw?“ Ich konnte die Fragen nicht beantworten. Dann legt er noch einen drauf. „Ihr müsst aufpassen, dass Ihr nicht von Klinsmann torpediert werdet! Und Ghana. Die sind verdammt stark.“ Ich hoffe nicht, dass er Recht behält.


Aber auch in meinem Umkreis ist die Stimmung nicht wirklich optimistisch. An den Titel glaubt keiner. Ein Freund von mir bringt es auf dem Punkt: „Die hätten Löw längst in die Wüste schicken müssen. Es tut mir leid, aber der hat von Fußball soviel Ahnung wie ich vom Ballett.“ Ein anderer Bekannter hat auch keine Sympathien für den Bundestrainer: „Der meint, dass er mal eben nach Brasilien jetten kann, um Weltmeister zu werden. Ohne Taktik! Der hat doch Angst vor den Gegnern. Mit der defensiven Einstellung kann man keinen Blumentopf gewinnen.“

Wer am Ende Recht hat und wer nicht, weiß selbst das Fußballorakel nicht. Lassen wir den Ball rollen und freuen wir uns auf interessante Spiele mit einem verdienten Weltmeister!


Mein Büro bleibt vom 28. Juni bis zum 12. Juli 2013 geschlossen

Liebe Leser, Kunden, Autoren, Lektoren und Auftraggeber,

nach den angespannten Hochwassertagen werde ich nun in den wohlverdienten Urlaub gehen und meiner Kreativität wieder zu neuen Impulsen und Anregungen verhelfen. Daher bleibt mein Büro vom 28. Juni bis zum 12. Juli 2013 geschlossen.

Das erste eBook meiner neuen eBook-Ratgeber-Reihe ist im Moment im Lektorat und wird dann um den 20. Juli herum erscheinen. Mehr will ich jetzt aber noch nicht verraten!

Alle laufenden Projekte ruhen bis zum 10. Juli. Die Korrekturschleifen laufen noch bis zum 29. Juni.

Neue Projekte und Aufträge nehme ich erst wieder ab dem 12. Juli 2013 an.

Vom 3. bis zum 10. Juli bin ich weder telefonisch noch per E-Mail zu erreichen.

Ich wünsche Euch schöne und erholsame Ferien!

Carina Tietz

Aus dem Leben eines Hooligan

Die Ausschreitungen im und rund um die Stadien häufen sich. Die Bundesliga-Vereine beschließen ein neues Gesetz. Doch kann so die Gewalt wirklich gestoppt werden? Was treibt Ultras eigentlich zu solchen Ausbrüchen? Was sind das für Menschen, die Woche für Woche zu Schlägern werden?

Ich traf einen Hooligan zum Interview und erlebte eine große Überraschung. Es war kein Fan aus den sozialen Randgebieten, der grölend mit einer Bierdose in der Hand faschistische Gesänge anstimmt. Ich traf einen betuchten Akademiker, der gerne mal als Ultra getarnt zuschlägt. Was ihn dazu treibt? Das erfahrt Ihr hier: Aus dem Leben eines Hooligan

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