Bewertung KLM

KLM gehört für mich zu den besten Fluggesellschaften der Welt. Der Service erstklassig, die Preise durchschnittlich und für eine Linienfluggesellschaft eher niedrig, das Personal freundlich und in Sachen Sitzabstand und Beinfreiheit empfehlenswert.

Wohlfühlen an Bord von KLM © Carina Tietz

Wohlfühlen an Bord von KLM © Carina Tietz





Economy Class, Economy Comfort, Europe Business Class bei KLM
Die Beinfreiheit liegt in der Economy Class bei 76 bis 79 cm und in der Economy Komfort bei 84 cm. In der Europe Business Class gilt meist eine Beinfreiheit von 84 cm. Alleine vom Sitzabstand und der Beinfreiheit gibt es bei innereuropäischen Flügen zwischen der Economy Comfort, Europe Business Class kaum einen Unterschied. Lediglich der bleibt der mittlere Sitz in der Europe Business Class frei. Für die Europäischen Flüge mit KLM würde ich immer einen Platz in der Economy Comfort Class vorziehen. Die Sitze der Economy Comfort Class befinden sich gleich hinter den Sitzen der Europe Business Class. Es gibt eine Mahlzeit und Getränke. Das Preisleistungsverhältnis stimmt. Ein weiterer Unterschied liegt darin, dass die Europe Business Class während des Fluges durch einen Vorhang von den übrigen Klassen getrennt wird.

 KLM am Flughafen Amsterdam Schiphol © Carina Tietz

KLM am Flughafen Amsterdam Schiphol © Carina Tietz





Freundlichkeit und Service bei KLM
In Sachen Freundlichkeit und Service punktet KLM auf der ganzen Linie. Die Abfertigung in Amsterdam geht schnell und zügig. Im gesamten Bodenbereich der KLM stehen freundliche und hilfsbereite Mitarbeiter zur Verfügung. Der Check-in geht schnell und lange Schlangen habe ich in Amsterdam noch nie erlebt. Bildet sich doch eine Schlange, dann wird zügig ein weiterer Schalter geöffnet. Im Vergleich zu anderen großen Liniengesellschaft wirklich vorbildlich! Auch beim Betreten des Flugzeuges dominiert der freundliche Service. Ich habe selten erlebt, dass Flugbegleiter beim Verstauen des Gepäcks behilflich waren. Aber auch sonst würde ich beim Service die volle Punktzahl vergeben. Immer ein offenes Ohr für die Passagiere, gelassen und witzig im Umgang mit Kindern und die Verpflegung sehr gut.

 KLM: Verpflegung in der Economy Comfort © Carina Tietz

KLM: Verpflegung in der Economy Comfort © Carina Tietz





Sicherheit bei KLM
Bis auf das schwere Unglück 1977 auf Teneriffa sind mir keine größeren Vorfälle mit KLM-Flugzeugen bekannt. Für mich spielt beim Fliegen die Sicherheit eine sehr große Rolle. Die mache ich nicht alleine von Statistiken abhängig, sondern auch vom eigenen Empfinden. Wenn ich bei KLM ein Flugzeug betrete, dann fühle ich mich gleich in guten Händen. Das mag vielleicht banal klingen, aber an Bord der KLM fühle ich mich wohl. Selbst bei turbulenten Flügen habe ich hier volles Vertrauen in die Crew.

 KLM: Amsterdam Schiphol : Ready for take off  © Carina Tietz

KLM: Amsterdam Schiphol : Ready for take off © Carina Tietz


Fazit Bewertung KLM
KLM gehört zu meinen Lieblingsairlines. Das gilt sowohl für die Kurzstrecke, als auch für die Langstrecke. Ich würde KLM in jedem Fall weiter empfehlen,



Dubai International oder Dubai World Central

Dubai International oder Dubai World Central? Das ist die große Frage, wenn man einen Flug nach Dubai bucht. Der Flughafen Dubai International liegt zentraler und ist der passagierreichste Airport in Dubai. Der Flughafen Dubai World Central liegt außerhalb der Stadt und steht für kurze Wege und eine schnelle Abfertigung.

Essen für Kinder bei Emirates © Foto: Carina Tietz

Essen für Kinder bei Emirates © Foto: Carina Tietz

Mit dem Flugzeug nach Dubai
Zahlreiche Fluglinien haben Dubai im Angebot. Die Preise variieren stark. Ich kann an dieser Stelle keine verlässlichen Preisangaben machen. Mittlerweile bietet auch Eurowings eine günstige Verbindung an. Es kommt natürlich auch auf die Ansprüche an. Ich bin auch schon mit Condor nach Dubai geflogen. Muss aber ganz ehrlich sagen, dass ich das nur einmal und dann nie wieder gemacht habe. Auf einem Nachtflug möchte ich mich schon zurücklegen können. Mir war das zu eng. Gegenüber den arabischen Fluggesellschaften ist der Sitzabstand bei Condor wesentlich geringer. Aber auch die Sitzbreite ist schmaler. Ich persönlich würde immer Emirates wählen. Emirates gehört für mich zu den besten Airlines der Welt. Hier wird Service und Freundlichkeit noch großgeschrieben.

Dubai International Airport  © Foto: Carina Tietz

Dubai International Airport © Foto: Carina Tietz

Dubai International oder Dubai World Central?
Wer mit Emirates fliegt, landet zwangsläufig am Dubai International Airport. Die Billig-Airlines kommen am Dubai World Central an. Was spricht für den Dubai International Airport? Der Flughafen liegt direkt am Zentrum. Die Taxi- und Busverbindung ist sehr gut. Am günstigsten ist die Fahrt mit der Metro. Die Metrostation liegt direkt am Flughafen. Wenn Du Dubai nur zum Zwischenstopp besuchst, wirst Du bestimmt am Dubai International Airport landen und bist so in wenigen Minuten in der Stadt. Der Nachteil liegt in der Größe des Airports. Von der Abflughalle zum Terminal und vom Terminal zur Ankunftshalle musst Du sehr weite Wege zurücklegen. Allerdings ist man überall um Dein Wohl besorgt. Das gilt gerade dann, wenn Du mit Emirates fliegst. Du findest überall freundliche Servicemitarbeiter, die Dir mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Dubai World Central  © Foto: Carina Tietz

Dubai World Central © Foto: Carina Tietz





Der Flughafen Dubai World Central liegt knapp 50 Kilometer außerhalb von Dubai-Zentrum. Trotzdem wird der Service auch hier großgeschrieben. Die Flughafenmitarbeiter helfen Dir gerne weiter und stehen an jeder Ecke zur Verfügung. Der Flughafen ist auch sehr groß, allerdings wird hier kompakt abgefertigt. Die Wege sind kürzer, als am Dubai International. Der Nachteil ist aber die Entfernung zum Zentrum. Es verkehren auch Busse und Taxen. Aber die Fahrpreise sind beim Taxi viel höher und die Busverbindung läuft nicht ganz so zügig.

Spektakuläre Aussicht bei der Landung am Dubai World Central
Die Nachtflüge aus Deutschland kommen in den frühen Morgenstunden in Dubai an. Da ist es meist noch dunkel! Wer zum Dubai World Central fliegt wird mit einer einmaligen Aussicht auf „The Palm“ belohnt. Bei der Landung auf dem Dubai International Airport ist die Aussicht weniger spektakulär. Man kann von weitem die Skyline erkennen, wenn man an der richtigen Seite sitzt. Aber Sie liegt dann doch zu weit von der Einflugschneise entfernt, um wirklich sensationell zu wirken. Je nach Einflugstrecke auf den Dubai World Central kann man neben „The Palm“ auch einen tollen Blick auf die Skyline werfen. Das Panorama ist definitiv bei der Landung am Dubai World Central schöner!



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Ein Anruf im Callcenter von Air Berlin

Callcenter und Hotlines sind ein ständiges Ärgernis. Ich bringe in Regel eine ganze Menge Verständnis auf. Ich lasse mich von freundlichen digitalen Stimmen beruhigen, höre mir geduldig 10 Minuten Musik an und quittiere den Dialekt der sächsischen Callcenter-Mitarbeiterin mit einem Lächeln. Doch mein Anruf beim Servicecenter von Air Berlin bringt mich dann doch an meine Grenzen.




Ich halte das Ganze zunächst für einen Scherz. Ist es die versteckte Kamera oder treibt ein humorvoller Radiomoderator wieder sein Unwesen? Am Ende muss ich mit Entsetzen feststellen, dass es sich um eine ganze normale Serviceleistung handelt. Mir fehlen selten die Worte, aber diesmal kann ich verbal nicht mehr reagieren. Ich lege einfach auf und will es morgen noch einmal versuchen.

Als ich noch fest in Dänemark wohnte, bin ich fast immer mit Air Berlin geflogen. Damals hatte ich ganz oft Kontakt zum Servicecenter, da mein Hund immer mitflog. Er musste gesondert über das Servicecenter angemeldet werden. Das ging immer problemlos und ich war damals mehr als begeistert von der Air-Berlin-Hotline. Kompetente Mitarbeiter erledigten schnell und anstandslos meine Passagierwünsche. Doch diesmal kam dann alles anders:




Ich erinnerte mich an meinen letzten Flug mit einer anderen deutschen Airline: Der Salat war matschig, die Nudeln weich und der Käse ungenießbar. Wir Erwachsene sehen darüber hinweg. Hungrige Kinder gehen damit jedoch ganz anders um. Die Quengelei meiner Söhne wollte ich mir diesmal ersparen und ein Kindermenü für unseren bevorstehenden Flug in die Karibik reservieren. Ich hatte mich auf der Webseite von Air Berlin kundig gemacht. Kindermenüs können auf allen Langstreckenflügen kostenlos angemeldet werden bis 48 Stunden vor Abflug.

So nahm ich unsere Tickets und rief im Servicecenter von Air Berlin an. Eine Männerstimme meldete sich. Aber ich verstand nicht, was er sagte. Sollte ich mich verwählt haben? Ich fragte nach: „Ist da das Servicecenter von Air Berlin?“ Zunächst Schweigen. Dann meldete sich die Männerstimme wieder: „Ja, hier Servicecenter Air Berlin.“ Es war eine Mischung aus Arabisch, Englisch und Deutsch. Ich hatte große Mühe beim Zuhören. Ich konnte mir das Grinsen nicht verkneifen und mir kam gleich Dieter Nuhr in den Sinn oder die anderen Kabarettisten, die sich über den „Hey-Alter“-Türken mit seinem 3er BMW lustig machen. Ich bin bereit dem Mann am anderen Ende der Leitung eine Chance zu geben.




Bereitwillig erkläre ich ihm auch zum dritten Mal, dass ich gerne ein Kinderessen bestellen möchte. Irgendwann herrscht Schweigen. Ich glaube nicht, dass er mich verstanden hat. Es dauerte einige Sekunden. Dann fragt er erst einmal nach der Flugnummer. Aber auch hier ein Verständigungsproblem. Dreimal wiederhole ich die Nummer. Dann wiederholt er die Nummer. Aber sie ist falsch. Also spreche ich sie noch einmal laut und deutlich in den Hörer. Wieder ein Zögern auf der anderen Seite. Auch die Flugnummer hat er nicht verstanden. Er bitte um Geduld.

Ich habe noch immer Geduld. Doch es wäre trotzdem ganz schön, wenn wir nun mal zum Ende kommen könnten. Normalerweise dauert so ein Anruf noch keine Minute. Man gibt den Namen und die Flugnummer durch und das Essen ist reserviert. Nach einer Weile meldet sich der Herr wieder. Er hat sich wohl in den letzten Minuten ganz intensiv mit der Flugnummer auseinandergesetzt. Er wiederholt sie nun richtig. Allerdings kommt er zu dem Schluss, dass es die Flugnummer nicht gibt. Ich kontrolliere das Ticket. Die Nummer ist richtig. Während ich mit ihm diskutiere, schaue ich auch noch einmal auf die Webseite des Flughafens. Auch hier gibt es die Flugnummer. Ich erkläre dem Mitarbeiter wieder, dass die Nummer existiert.

Ich weiß nicht, ob er mich nicht versteht oder, ob er mit der ganzen Aufgabe überfordert ist. Über die Flugnummer kommt er nicht weiter. Wieder vergeht eine Weile. Ich werde nun langsam ungeduldig. Er fragt mich wieder nach der Flugstrecke. Ich antworte knapp, aber klar und langsam: „Düsseldorf-La Romana.“ Wieder Schweigen. Dann fragt er nach: „La Romana?“ Ich bestätige es und bin erleichtert. Er hat es sofort verstanden. Als ich gerade wieder Hoffnung habe, glaube ich für einen Moment felsenfest, dass sich ein Radiomoderator einen Scherz erlaubt hat. Der Mann am anderen Ende der Leitung erklärt mir, dass Air Berlin nicht nach La Romama fliegt und, dass es diesen Flug nicht gibt. Ich weiß, dass das nicht sein kann. Ich habe über einen großen und renommierten deutschen Reisekonzern gebucht. Erst am Morgen erinnerte man mich per E-Mail freundlich daran, dass meine Reise in wenigen Tagen beginnt. Ich erkläre ihm das, aber er versteht mich nicht. Er vertritt weiter den Standpunkt, dass es keinen Flug nach La Romana geben wird.



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Ich bin immer noch freundlich, aber meine Stimme hat sich hörbar verändert. Das hat er wohl bemerkt und versucht nun einen anderen Weg. Er fragt mich nach dem Flughafenkürzel von La Romana. Ich weiß es nicht. Dann wieder Schweigen. Ich suche online danach und buchstabiere das Kürzel. Diesmal versteht er es sofort. Allerdings bleiben meine Bemühungen umsonst. Auch jetzt kommt er zudem Schluss, dass es den Flug nach La Romana nicht gibt. Ich weiß nicht, ob er mir nicht helfen kann oder mir nicht helfen will. Nach vielen endlosen Minuten kommt er dann zudem Schluss, dass er sich wenigstens die Namen meiner Kinder notieren will. Ich buchstabiere und buchstabiere und buchstabiere. Doch auch diese Aktion bleibt ohne Erfolg. Jetzt verlangt er Gebühren für die Reservierung. Ich erkläre ihm, dass diese Reservierung kostenlos ist. Rufe nochmal die Webseite von Air Berlin auf. Lese es ihm vor, aber er bleibt bei seiner Entscheidung. Ich soll also Gebühren für eine eigentlich kostenlose Reservierung bezahlen, obwohl ich am Ende noch nicht einmal weiß, ob meine Kinder das Essen überhaupt serviert bekommen. Jetzt ist meine Geduld endgültig am Ende. Ich lege auf! Da halte ich lieber quengelnde Kinder aus, als noch einen Anruf im Servicecenter von Air Berlin!



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Germanwings: Mein Flug nach Düsseldorf

Mein erster Urlaubstag begann vielversprechend. Zumindest bis zum Mittag. Da erhielt ich laufend Whatsapp-Nachrichten über den Absturz einer Germanwings-Maschine von Barcelona nach Düsseldorf. Den Rest des Tages verbrachte ich dann, wie so viele andere Menschen vor dem Fernseher und konnte das Unbegreifliche nicht fassen. Ich hielt einen technischen Defekt von Anfang an für unwahrscheinlich. Nicht im Bereich der der Lufthansagroup! Da werden Flugzeuge doppelt und dreifach geprüft! Ich hatte keine Erklärung, aber ein Terrorakt erschien mir zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlicher, als ein technischer Defekt.

 

© Carina Tietz, Fliegen trotz des Absturzes der Germanwings 4U9525

© Carina Tietz, Fliegen trotz des Absturzes der Germanwings 4U9525

 

Das Flugzeugunglück berührte mich. Andererseits versuchte ich es wegzuschieben. In drei Tagen stand ein 11-stündiger Flug mit Air Berlin über den Atlantik an. An den Rückflug mit Germanwings wollte ich gar nicht denken. Dazwischen lagen viele Urlaubstage auf einem Kreuzfahrtschiff, das mich sicher nach Europa zurückbringen sollte.

Trauer am Düsseldorfer Flughafen nach dem Absturz der Germanwings © Carina Tietz

Trauer am Düsseldorfer Flughafen nach dem Absturz der Germanwings © Carina Tietz

Drei Tage waren seit dem Absturz des Germanwings-Fluges vergangen. Ich stand mit meiner Familie am Düsseldorfer Flughafen. Vor uns lag ein 11-stündiger Flug in die Karibik. Die Freude war groß, aber in uns lebendig waren die Bilder der Germanwings. Im Terminal sahen wir Kerzen, Memos mit herzergreifenden Worten und Blumen als Bild stiller Trauer. Ich nahm diese Bilder mit, als ich den Airbus A330 der Air Berlin betrat. Es war keine Angst, die mitflog, aber ein unbeschreiblich flaues Gefühl, das mich bis zur Landung begleitete. Ich fuhr mit einem Kreuzfahrtschiff durch die Karibik, dann über den Atlantik nach Madeira und weiter durch die Straße von Gibraltar ins Mittelmeer. Ich erlebte mit meiner Familie unbeschwerte Urlaubstage und dann kam der Tag der Rückreise.

Mit Air Berlin nach La Romana zur Mein Schiff 1 © Carina Tietz

Mit Air Berlin nach La Romana zur Mein Schiff 1 © Carina Tietz

 

Wir waren gebucht auf den Flug 4U9585 der Germanwings von Palma de Mallorca nach Düsseldorf. Es stand uns vor der Abreise frei, den Flug umzubuchen. Wir kannten da schon die offizielle Absturzursache und entschieden uns dagegen. Doch nun, als der Flug kurz bevorstand, wurden wir doch nachdenklich. Der Bus fuhr vom Hafen zum Airport. Mein kleiner Sohn war angespannt und seine blasse Hautfarbe war eher  ungewöhnlich. Überhaupt war er sichtlich unruhig. Seine Worte in der Abflughalle klangen kindlich naiv und doch fragend: „Was ist, wenn der Pilot sich auch umbringen will? Also der Pilot, der uns gleich nach Düsseldorf fliegt.“ Als Mutter hast Du einen Bruchteil einer Sekunde Zeit und musst möglichst schnell eine plausible Erklärung finden. Ich versuchte krampfhaft zu lächeln. „Der Flieger stürzt nicht ab. Das ist doch Quatsch. Wenn gerade ein Flugzeug abgestürzt ist, dann fällt doch nicht gleich wieder eins vom Himmel und schon gar nicht von der gleichen Gesellschaft.“ Ich nahm meinen Sohn an die Hand und schob ihn durch die Taschenkontrolle. Er vergaß in der Aufregung die Colaflasche im Handgepäck und auch sein Smartphone steckte in der Hosentasche. Das alles blieb von den spanischen Sicherheitsmitarbeitern unentdeckt.

Germanwings A320: Koffer werden verladen! Warten auf den Flug nach Düsseldorf © Carina Tietz

Germanwings A320: Koffer werden verladen! Warten auf den Flug nach Düsseldorf © Carina Tietz

 

Diese Tatsache machte mich wieder sehr nachdenklich. Ich wollte gar nicht weiter darüber philosophieren, was man hier noch so alles an Bord eines Flugzeuges hätte bringen können. Ich verdrängte es, doch mein Sohn griff es gleich wieder auf und auch meine Worte über den Absturz der Germanwings. „Weißt du noch, was Du gesagt hast, als die erste MH verschwand?“ fragte mich mein Sohn mit großen Augen. Ich nickte stumm. „Da hast Du gesagt, dass du trotzdem mit MH-Flugzeugen fliegen würdest, weil ein Absturz in kürzester Zeit von derselben Gesellschaft unmöglich ist. Aber kurze Zeit später gab es einen weiteren Absturz einer MH-Maschine“, sagte er altklug und mit überzeugender Stimme. Mir fehlten die Worte und er hatte mich mit meinen eigenen Worten geschlagen. Mit einer Tüte Gummibärchen aus dem Duty-Free-Shop lenkte ich ihn ab.

Germanwings-Flug nach Düsseldorf: Komisches Gefühl, aber keine Angst © Carina Tietz

Germanwings-Flug nach Düsseldorf: Komisches Gefühl, aber keine Angst © Carina Tietz

 






Die Abflugzeit rückte näher. Ich blieb gelassen. Der Ausgang wurde angezeigt. D95 und dann Minuten später auf D99 korrigiert. Ich kannte den Flughafen von Palma recht gut und war hier auch schon einmal mit Germanwings abgeflogen. Daher wusste ich, dass ein relativ weiter Fußweg vor uns lag. Die Sitzbänke am Gate waren bereits besetzt. Die Maschine sollte voll werden. Wir blieben stehen.

 

Ablug mit Germanwings nach Düsseldorf © Carina Tietz

Ablug mit Germanwings nach Düsseldorf © Carina Tietz

Ich beobachtete die Passagiere. Es war eine Mischung aus seltsamer Gelassenheit, gesteigerter Unruhe und nervöser Hektik. Der eine Passagier schluckte in kurzen Abständen zwei Tabletten. Ein anderer debattierte laut über den Absturz. Wieder ein anderer nahm sichtlich angespannt einen Zug aus einem Flachmann und eine andere Passagierin kaute ununterbrochen an ihren Fingernägeln. Beim größten Teil der Passagiere flog die Angst mit. Bis dahin war ich ganz ruhig. Meine Söhne klebten mit ihren Smartphones an der Fensterscheibe und mein Mann las in einer Zeitung. Dann plötzlich ein Wirrwarr aus Stimmen. Passagiere drehten sich auf ihren Sitzbänken um. Einige standen sogar auf. Da kam er, der Airbus A320 der Germanwings. Ein identischer Flugzeugtyp der Absturzmaschine. Da sah ich das Zeichen der Germanwings, dass in den letzten Wochen schwarz eingefärbt war. Die Absturzbilder allgegenwärtig. Vor meinen Augen liefen sie ab, wie in einem Film. Meine Hände spielten hektisch mit dem Anhänger an meinem Handgepäckkoffer. „Bloß nicht reinsteigern!“, dachte ich laut bei mir und suchte nach Ablenkung.

 

Die Boardingzeit war noch nicht angezeigt. Ich ging einige Gates und schließlich bis zum Dutyfree-Shop zurück. Bloß ablenken! Das war meine Devise und sie funktionierte, zumindest zunächst.

 

Unter mir die französische Küste, hier begann das Drama von flug Germanwings 4U9525 © Carina Tietz

Unter mir die französische Küste, hier begann das Drama von flug Germanwings 4U9525 © Carina Tietz

Dann sah ich die kleinen Flaschen Cognac. Der Inhalt bedeckte gerade einen Schwenker. Ich griff dahin, fast monoton, bezahlte und ging zum Ausgang D99 zurück. Der Cognac blieb in der Jackentasche. Ich hatte nicht gefrühstückt. Sollte ich ihn wirklich trinken, dann würde er sofort ins Blut übergehen. Könnte mich ein Schluck Alkohol wirklich beruhigen? Ich kam mir erbärmlich vor und doch konnte ich dieses seltsame Gefühl nicht real steuern.


Da waren die Bilder wieder aus Haltern am See, da war das Unfassbare plötzlich so greifbar nah und da konnte ich mich auch nicht mehr an die Tatsache klammern, dass Fliegen sicherer ist  als Autofahren.

 

Wir erreichen die französischen Alpen. Hier ist irgendwo die Absturzstelle von Flug Germanwings 4U9525 © Carina Tietz

Wir erreichen die französischen Alpen. Hier ist irgendwo die Absturzstelle von Flug Germanwings 4U9525 © Carina Tietz

Das Boarding begann und die Türe zum Flugfeld öffnete sich. Es ging zunächst an der Straße entlang, dann halbrund um die Maschine und schließlich über eine Gangway durch den hinteren Eingang. Waren die Opfer in Barcelona auch so sorglos eingestiegen? Hatten sie auch eine Gangway benutzt? Fragen über Fragen gingen durch den Kopf. Meine Söhne und auch mein Mann bestiegen gelassen das Flugzeug. „Hast Du keine Angst?“ fragte ich ihn auf der Gangway. Er legte sanft den Arm um meine Schulter und flüsterte: „Wir sind doch zusammen.“

 

Ich konnte gar nicht länger über diesen Satz nachdenken, denn  die schlanke und junge Flugbegleiterin begrüßte uns freundlich. Sie lächelte ungezwungen. Ich schämte mich. Wie konnte ich nur so eine Angst in mir aufkommen lassen. Die Crew hatte sicherlich mit weitaus mehr Problemen zu kämpfen.

 

Das Gefühl ist unbeschreiblich! Mit Germanwings über die französischen Alpen fliegen! © Carina Tietz

Das Gefühl ist unbeschreiblich! Mit Germanwings über die französischen Alpen fliegen! © Carina Tietz

Der blonde Zopf der Stewardess wackelte hin und her, als sie die Flugzeugtüre schloss. Reihe 22, direkt am Flügel. Ich wählte einen Gangplatz, meine Söhne rückten ans Fenster. Zwei weitere Stewardessen schossen durch den Gang. Freundlich, lächelnd nahmen sie sich der Angst der Passagiere an. Eine Frau begann zu weinen und verlangte den Piloten zu sehen. Der Ehemann konnte beruhigen. Andere schluckten Tabletten und es gab auch welche, die wieder hektisch am Flachmann tranken. Da fiel mir der kleine Cognac in meiner Jackentasche wieder ein. Sollte ich ihn auch trinken? Ich haderte!! Aber nur Sekunden. Eine Flugbegleiterin beugte sich über meinen Sitz zu den Jungs herüber, um den Gurt zu kontrollieren. Da sah ich die schwarze Schleife an ihrer Bluse. Das Zeichen der Germanwings 4U9525. Ich beugte mich zur Seite in die Richtung des Ganges und schluckte in einem Zug den Cognac. Ich wurde von Körperbewegungen durchgerüttelt. Ein eiskalter Schauer lief mir über den Rücken. Niemand hatte etwas bemerkt. Ich schob das leere Fläschchen unauffällig in die Sitztasche. Boarding completed! Wir rollten!

Eine paar Reihen vor mir weinte noch immer eine Frau. „Jetzt gibt es kein Zurück mehr“, sagte sie immer wieder mit weinerlicher Stimme. Ich blieb gelassen, seltsam entspannt. An den 100 ml Alkohol lag es nicht. Ich versuchte das Ganze wieder real zu sehen.

 





Mein Mann und mein kleiner Sohn schliefen noch vorm Erreichen der Startbahn ein. Der Große blätterte im Bordmagazin. Ich dachte plötzlich daran, was die Opfer wohl getan hatten, beim Start im Barcelona. Obwohl ich ruhig und gelassen im Sitz saß, konnte ich diese Gedanken nicht verdrängen. Sie waren einfach da und ich versuchte damit umzugehen. Während wir zur Startbahn rollten, meldete sich der Pilot mit einer warmen und freundlichen Stimme direkt aus dem Cockpit. Er informierte die Passagiere über die Flugzeit, nannte seinen Namen und sprach über das Wetter. Seine Worte wirkten sich äußerst positiv auf die Passagiere aus und auch mich beruhigten sie auf ganz seltsame Weise.

 

Germanwings: Landeanflug auf Düsseldorf © Carina Tietz

Germanwings: Landeanflug auf Düsseldorf © Carina Tietz

Dann heulten die Triebwerke auf, der Airbus wurde schneller und schneller und wir hoben ganz sanft vom Flughafen in Palma de Mallorca ab. Die Aussicht war traumhaft und ich vergaß für einen Moment, dass ich in einer Germanwings-Maschine saß. Unter uns war das Blau des Mittelmeeres zu sehen. Am Horizont wartete schon die französische Küste. Hier lag auch der Kurs der Unglücksmaschine. Hier hatte der Sinkflug begonnen. Unter uns musste jeden Augenblick die Unglücksstelle kommen. Einige Passagiere klebten förmlich an den Scheiben. Ich wagte es nicht hinauszuschauen. Eigentlich war ich mir auch im Klaren darüber, dass die Stelle wohl kaum von hier oben auf Anhieb auszumachen war.

 

Mir reichten die TV-Bilder, die hatten in mir genug Gefühlswirrungen ausgelöst. Immer wieder sah ich das blaue Schalke 04-Trikot vor meinen Augen, das in den Bildern der Trümmer noch deutlich zu erkennen war. Auch die Szenen der Trümmerteile mit den Fenstern, die eindeutig einer Germanwings zuzuordnen waren, liefen wieder vor meinen Augen ab. Der Pilot riss mich mit seiner ruhigen Stimme förmlich aus diesen unfassbaren Gedanken und vermeldete den Überflug über den Mont Blanc. Wir waren irgendwo über den französischen Alpen. Die Aussicht war atemberaubend, wenn man für einen Moment den Absturz der Germanwings vergaß!

 

Es war nicht mehr weit bis Düsseldorf. Ich nippte an der kalten Cola. Essen konnte ich nichts. Das hatte aber nichts mit dem Flug zu tun. Bevor ich mir überhaupt noch weitere Gedanken machen konnte, leitete der Pilot den Landeanflug auf Düsseldorf ein. Minuten später erlebte ich trotz des bewölkten Wetters, eine der besten und sanftesten Landungen überhaupt. Der Airbus rollte zum Finger herüber. Das Gedränge war wie immer sehr groß. Ich verließ mit den letzten Passagieren die Maschine. Freundlicher als sonst und mit vielen netten Worten, bedankte ich mich bei der Crew. Ich hatte einfach das Gefühl, dass ihnen ein paar nette Worten und Gesten gut tun könnten. Das taten sie dann auch. Das warme Lächeln sagte mehr als hundert Worte. Die Cockpittüre stand auf. Ich sah die beiden Piloten nur von hinten. Sie hatten mich und meine Familie sicher nach Düsseldorf gebracht. Ich ging durch den Finger und wusste, dass ich jederzeit ohne Angst wieder fliegen würde, auch mit Germanwings. Allerdings würde ich viele Dinge mit anderen Augen sehen.

 

Danke an die Crew der Germanwings für einen wunderbaren Flug nach Düsseldorf in dieser schweren Zeit!

Zu guter Letzt:
Dieser Beitrag ist sowohl den Opfern und ihren Angehörigen, als auch der Crew der Germanwings gewidmet. Er soll persönliche Gefühle in Zeiten des Absturzes der Germanwing 4U9525 widerspiegeln. Möge Gott allen Betroffenen die Kraft geben mit diesem schrecklichen Erlebnis umgehen zu können. Niemand kann das empfinden, was die Hinterbliebenen in den letzten Tagen erlebt haben. Ich finde keine Worte für die Eltern der Gymnasiasten aus Haltern am See. Ich kann Ihnen nur mein Mitgefühl aussprechen und meine tiefe Betroffenheit bekunden.

Meine Gedanken sind aber auch bei den Flugbegleitern und Piloten, die sich in dieser schweren Zeit um das Wohl der Passagiere kümmern müssen.