So geht es weiter

Lieber Leser,

seit meinem letzten Beitrag sind viele Monate vergangen. Ich habe viel erlebt in dieser Zeit. Es waren anregende Geschichten und oftmals auch Dinge, die mich zum Nachdenken gebracht haben. Alles in allem war das Erlebte wieder ein Schritt zu mir selbst und zu meiner eigenen Reife. Der kürzeste Weg zu dir selbst führt nun einmal um die Welt. Deshalb habe ich mich entschlossen meine eigenen Geschichten mit in den Blog einfließen zu lassen. Ich werde mehr über meine eigenen Erfahrungen im Umgang mit Menschen schreiben.




Ich bekomme immer wieder Anfragen von Leuten, die gerne auswandern möchten. Gerne gebe ich auch diese Erfahrungen zukünftig weiter. Dabei greife ich auch auf Erlebnisse von Freunden und Kollegen zurück, die in fremden Ländern leben. Ich werde sie interviewen und ihre Geschichten weitergeben. Dazu wird es noch kleine Biographien geben. Natürlich wird hier nichts geschönt. Ich werde auch Leute zu Wort kommen lassen, die an ihrer Auswanderung gescheitert sind. Es werden offen und ehrliche Geschichten sein.




Selbstverständlich bleibt auch das Reisen ein Schwerpunktthema dieses Blogs. Ich werden Euch noch viele Geschichten von meiner großen Frankreichreise erzählen. Zudem bin ich in den letzten Jahren oft im Orient unterwegs gewesen. Daher werden Oman, der Persische Golf und der Nahen Osten mehr in den Mittelpunkt rücken. Im neuen Jahr wird es auch wieder Reiseberichte über die schönsten Städte der Welt geben. Ein weiterer Schwerpunkt wird auf die Bewertungen von Hotels und Fluglinien liegen. Natürlich liegt mir auch der Fußball weiterhin am Herzen. Ich nehme Euch mit ins Mutterland des Fußballs. Begleitet mich in die schönsten Stadien Englands.

Ich habe immer ein offenes Ohr für meine Leser. Themenvorschläge, Kritik, Fragen und Anregungen nehme ich gerne entgegen. Schreibt mir einfach oder kommentiert!

Ich freue mich auf das nächste Jahr und wünsche Euch eine schöne Weihnachtszeit!

Eure Carina




Marseille La Castellane: Auf den Spuren von Zinédine Zidane

Ich bin auf den Spuren von Zinédine Zidane in Marseille unterwegs. Hier im Norden im Problemviertel La Castellane hat der Weltfußballer mit kaputten Schuhen auf dem Place de la Tartane seine ersten Bälle gekickt. Viele Kilometer unterhalb am Boulevard Michelet im Stade Vélodrome lief er am 12. Juni 1998 im Trikot der französischen Mannschaft auf und besiegte das Team von Südafrika mit 3:0. Kein anderer Fußballspieler hat mich so fasziniert!



Mit Zinédine auf dem Weg nach Marseille
Die Luft ist staubig auf der Nationalstraße, irgendwo in der Nähe von Salon-de-Provence. Am Himmel dreht die Kunstflugstaffel der französischen Luftwaffe ihre Runden und färbt den Himmel in den Farben der Tricolore. Mein Sohn ist von der Flugakrobatik so begeistert, dass ich am Straßenrand anhalten muss. Er springt aus dem Wagen hinaus, holt sein Smartphone aus der Hosentasche und beginnt zu fotografieren. Er steigt eine Anhöhe hinauf um die Flieger besser sehen zu können. Es vergehen Minuten. Die Flieger befinden sich noch immer auf ihrem Kurs. Sie sind schön anzusehen, aber ich will jetzt trotzdem weiterfahren. „Zinédine, komm jetzt“, rufe ich meinem Sohn zu. „Ja, einen Moment noch“, antwortet er und klettert langsam den Hügel hinunter. Ich habe heute den Namen Zinédine bestimmt schon zehnmal gerufen. Seit mehr als zehn Jahren rufe ich ihn täglich, doch heute tue ich es viel bewusster. Mein Sohn heißt Zinédine und er ist nach dem Weltfußballer Zinédine Zidane benannt. Den Fußballer, den ich seit vielen Jahren so verehre. Es war nicht immer leicht mit der Namensgebung. Doch mein Sohn ist sehr stolz darauf, dass er diesen Namen tragen darf. Heute will ich ihm zeigen, warum er Zinédine heißt und warum Zinédine Zidane mehr als nur ein Weltfußballer ist.

Marseille La Castellane: Zidane ist in einer trostlosen Gegend aufgewachsen © Foto: Carina Tietz

Marseille La Castellane: Zidane ist in einer trostlosen Gegend aufgewachsen © Foto: Carina Tietz

La Castellane im Norden von Marseille
Wir fahren weiter auf der Nationalstraße bis Rognac und dann auf die Autobahn A7. Der Étang de Berre leuchtet blau-türkis und die Wasseroberfläche spiegelt in der Sonne. Am Horizont können wir die Flugzeuge beobachten, die am nahgelegenen Flughafen Marignane starten. Kurz vor Les Adrechts verlassen wir die Autobahn. Die Gegend wird trister und sie ist geprägt von grauen Bauten an deren Fensterenden große Satellitenschüsseln angebracht sind. Am Straßenrand und in den Parkbuchten der unansehnlichen Betonklötze parken alte und demolierte Autos. La Castellane ist in keinem Stadtplan zu finden. Auch auf den Straßenschildern kann ich La Castellane nicht ausfindig machen. Doch das Navi lenkt mich in die Straße Chemin de Bernex. Hier hat Zinédine Zidane gewohnt. Mein Sohn schaut aufgeregt und mit großen Augen aus dem Seitenfenster des Wagens. Am Kreisverkehr stauen sich die Autos und ich muss abbremsen. Die Leute starren meinen Wagen an. Es ist ein Eyecatcher, tiefergelegt und mit verbreiterten Reifen. Ein Wagen von dem die meisten Leute in dieser Gegend nur träumen können. Ich habe das nicht bedacht und will nicht arrogant wirken.

Marseille La Castellane: Hier ist Zinédine Zidane aufgewachsen © Foto: Carina Tietz

Marseille La Castellane: Hier ist Zinédine Zidane aufgewachsen © Foto: Carina Tietz

Marseille La Castellane: Hier ist Zinédine Zidane aufgewachsen
Wir erreichen die Straße Chemin de Bernex. Links und rechts befinden sich kleine Grünflächen, doch die können diese trostlose Gegend auch nicht aufwerten. Dazwischen stehen diese grauen Mehrfamilienhäuser, die hier allerdings nicht ganz so hoch sind. Am Anfang der Straße steht ein großes Hinweisschild mit der Aufschrift La Castellane. Auf Zinédine Zidane deutet nichts hin. Ich weiß nur den Straßennamen, die Hausnummer kenne ich nicht. An einem der Häuserparkplätze halte ich an, drehe die Scheibe herunter und spreche einen älteren Herrn an. Er schaut verstört auf das Nummernschild. „Aus Deutschland“, sagt er, noch bevor ich meine Frage stellen kann. Ich nicke freundlich und er kommt näher an den Wagen heran. Sein Pullover hat ein Loch und die Jogginghose, die er trägt ist dreckig. Er stützt sich auf einen Stock auf und hält sich mit der anderen Hand am geöffneten Wagenfenster fest. Seine Hände sind unsauber und seine Fingernägel ungepflegt. Spiegelt er die Gesellschaft von La Castellane wider? Er lächelt mich freundlich an. Ich sehe in sein Gesicht und erkenne, dass er arabischer Herkunft ist. Ich frage nach Zinédine Zidane. Er lächelt noch freundlicher und seine dunklen Augen glänzen. Er zeigt auf den mehrstöckigen Betonbau herüber. Wahrhaftig, ich stehe direkt vor dem Haus indem Zinédine Zidane seine Kindheit verbracht hat. Mir läuft ein kalter Schauer über den Rücken. Das ist also die Gegend, die Dan Franck so eindrucksvoll beschrieben hat? Ich kenne die Erzählungen aus dem Buch genau und bin bewegt. Der Mann steht noch immer lächelnd am Auto. Ich schaue ihn wieder an und dann beginnt er zu erzählen: „Zinédine ist unser Junge und sein Fußball ist“, er hat Tränen in den Augen, drückt seine Finger zusammen, führt sie zum Mund und küsst sie. Ich frage ihn, ob er Zinédine Zidane persönlich kennt. Stumm nickt er und schließt verehrend seine Augen. Der deutsche Wagen hat Neugierige angezogen. Zwei Männer Mitte 20 nähren sich unserem Wagen. Sie begrüßen den älteren Mann und sehen mich mit finsterer Miene an. Sie sprechen arabisch miteinander. Ich kann nur das Wort Zidane verstehen. Der düstere Gesichtsausdruck verschwindet blitzartig. Freundlich lächeln sie mich an und begrüßen mich. „Zizou ist einer von uns. Hier gehört er hin, hier oben nach La Castellane! Wir sind kein Abschaum, wir sind Menschen!“ Seine Stimme wirkt fast laut und schreiend. Mein Sohn ist ausgestiegen und fotografiert mit seinem Smartphone. Die drei Männer lächeln ihn an. „Na, wie heißt Du denn?“, fragt der ältere Mann ihn. Mein Sohn sagt ganz nebenher: „Zinédine!“ Ungläubig sieht er meinen Sohn und dann mich an. Die beiden anderen Männer stehen da, als hätte sie der Blitz getroffen. Dann beginnt ein lautes Gerede. Alle durcheinander und wild gestikulierend! Ich steige aus dem Wagen aus. Der ältere Mann reicht mir die Hand und küsst mich auf die Wange. Dann flüstert er leise: „Merci!“. Die beiden Jungen fragen mich, warum ich ihn Zinédine genannt habe? Ich muss nicht lange überlegen: „Weil Zinédine Zidane für mich immer noch der beste Fußballer aller Zeiten ist. Weil es nie einen Fußballspieler gab, der so ein Ballgefühl hatte. Zinédine Zidane hat mit seinem Ball getanzt. So, als habe er Klebstoff unter seinen Schuhen gehabt. Es war nicht nur sein fußballerisches Können! Nein! Es ist auch seine Geschichte, die hier oben in La Castellane begann. Das Einwandererkind, das der Stolz aller Franzosen ist. Und noch was: Seine Bescheidenheit! Zinédine Zidane ist immer auf dem Teppich geblieben. Er hat nie vergessen, wo er herkam. Sein Heimat, die liegt hier, hier oben, im Norden von Marseille im Problemviertel von La Castellane.“ Ich habe selber Tränen in den Augen. Einer der jungen Männer kommt zu mir herüber und reicht mir die Hand. Der andere redet mit meinem Sohn, aber Zinédine versteht ihn nicht und lächelt nur. Ich steige in den Wagen zurück. Einer der Männer erklärt mir den Weg zum Place de la Tartane. Ich verabschiede mich. Die Männer winken unserem Wagen hinterher. „Hier möchte ich nicht wohnen. Hier liegt ja überall Müll! Ich kann mir nicht vorstellen, dass Zinédine Zidane hier aufgewachsen ist!“
Mein Sohn ist nachdenklich. Wieder erzähle ich ihm die Lebensgeschichte des Weltfußballers. Er kennt sie, aber begreifen kann er sie nicht!



Place de la Tartane: Hier hat Zinédine Zidane seine ersten Bälle gekickt
Ich fahre die Straße Chemin de Bernex weiter entlang. Hinter den Betonblöcken liegt der Place de la Tartane. Ich kann ihn nicht mit dem Wagen erreichen. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Meinen Wagen hier abstellen? In diesem Viertel? Ich bin nur wenige Meter gefahren und halte wieder am Straßenrand. Die beiden jungen Männer sind noch in Sichtweite. Ich steige aus und rufe sie zu mir heran. Sie eilen herüber und ich frage nach einem Parkplatz. Sie haben meine Bedenken gleich erkannt, obwohl ich gar nichts gesagt habe. Es ist eben La Castellane! Der eine lotst mich zu einer Häuserfront herüber. Hier parken drei alte Renaults und ein uralter Ford Taunus. Ich fahre in eine der Lücken hinein. Sie versprechen mir, dass sie auf den Wagen aufpassen und lehnen sich an den Kofferraum. Ich habe ein ungutes Gefühl, aber ich lasse mich davon nicht abhalten. Nicht jeder in La Castellane ist ein Verbrecher! Ich nehme meinen Sohn an die Hand und bitte ihn sein Smartphone in die Hosentasche zu packen. Dann gehen wir durch einen der Häuserblöcke hindurch. Hier liegt er nun der Place de la Tartane umgeben von trostlosen Betonklötzen. Kalt wirkt sein rötlicher Asphalt. Daran ändert auch die Pinie nichts, die ein kleines Blumenbeet schmückt. Blumen sucht man in dem Beet vergebens. Dort liegen Dosen und zerschlagene Flaschen. „Mach die Augen zu“, sage ich zu meinem Sohn. Er tut es. „Mit viel Phantasie hörst Du den Ball aufschlagen und oben aus dem Fenster ruft ein arabischer Mann den kleinen Zinédine Zidane vergeblich zum Abendbrot.“ So könnte es gewesen sein! „Hör auf und lass und zurückgehen, „fordert mein Sohn. Ja, wir sollten jetzt gehen, denn den Leuten ist bereits aufgefallen, dass wir hier nicht hingehören! Wieder passiere ich den Durchgang des Häuserblockes. Mein Sohn jammert: „Mann, jetzt habe ich gar kein Foto gemacht.“ Ich nehme ihn in den Arm: „Für bewegende Erinnerungen braucht man keine Fotos! Die manifestieren sich im Kopf“. Mein Sohn lächelt. Die beiden Männer lehnen immer noch an unserem Wagen und bewachen ihn wie einen mit Gold gefüllten Tresor. Ich bedanke mich und will mich verabschieden. Der eine reicht mir wieder die Hand. Der andere nimmt mich sogar in den Arm. Dann deutet er auf das Presseschild, das umgeknickt an der Frontscheibe liegt. „Bist Du von der Presse?“, fragt er. Ich nicke. „Dann schreibe bitte, dass wir hier in la Castellane freundliche Menschen sind! Bitte denke auch an uns und nicht nur an Zinédine Zidane“, er fleht schon fast. Ich nicke, lächele und reiche ihm noch einmal die Hand. Dann lenken sie mich aus der Parkbucht hinaus. Wir winken, ich hupe und biege wieder auf die große Straße ab, die hinunter nach Marseille führt. Jetzt wollen wir uns noch das Stade Vélodrome ansehen!

Obdachlose in Marseille: Ein Zelt auf der Straße © Foto: Carina Tietz

Obdachlose in Marseille: Ein Zelt auf der Straße © Foto: Carina Tietz




Germanwings: Mein Flug nach Düsseldorf

Mein erster Urlaubstag begann vielversprechend. Zumindest bis zum Mittag. Da erhielt ich laufend Whatsapp-Nachrichten über den Absturz einer Germanwings-Maschine von Barcelona nach Düsseldorf. Den Rest des Tages verbrachte ich dann, wie so viele andere Menschen vor dem Fernseher und konnte das Unbegreifliche nicht fassen. Ich hielt einen technischen Defekt von Anfang an für unwahrscheinlich. Nicht im Bereich der der Lufthansagroup! Da werden Flugzeuge doppelt und dreifach geprüft! Ich hatte keine Erklärung, aber ein Terrorakt erschien mir zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlicher, als ein technischer Defekt.

 

© Carina Tietz, Fliegen trotz des Absturzes der Germanwings 4U9525

© Carina Tietz, Fliegen trotz des Absturzes der Germanwings 4U9525

 

Das Flugzeugunglück berührte mich. Andererseits versuchte ich es wegzuschieben. In drei Tagen stand ein 11-stündiger Flug mit Air Berlin über den Atlantik an. An den Rückflug mit Germanwings wollte ich gar nicht denken. Dazwischen lagen viele Urlaubstage auf einem Kreuzfahrtschiff, das mich sicher nach Europa zurückbringen sollte.

Trauer am Düsseldorfer Flughafen nach dem Absturz der Germanwings © Carina Tietz

Trauer am Düsseldorfer Flughafen nach dem Absturz der Germanwings © Carina Tietz

Drei Tage waren seit dem Absturz des Germanwings-Fluges vergangen. Ich stand mit meiner Familie am Düsseldorfer Flughafen. Vor uns lag ein 11-stündiger Flug in die Karibik. Die Freude war groß, aber in uns lebendig waren die Bilder der Germanwings. Im Terminal sahen wir Kerzen, Memos mit herzergreifenden Worten und Blumen als Bild stiller Trauer. Ich nahm diese Bilder mit, als ich den Airbus A330 der Air Berlin betrat. Es war keine Angst, die mitflog, aber ein unbeschreiblich flaues Gefühl, das mich bis zur Landung begleitete. Ich fuhr mit einem Kreuzfahrtschiff durch die Karibik, dann über den Atlantik nach Madeira und weiter durch die Straße von Gibraltar ins Mittelmeer. Ich erlebte mit meiner Familie unbeschwerte Urlaubstage und dann kam der Tag der Rückreise.

Mit Air Berlin nach La Romana zur Mein Schiff 1 © Carina Tietz

Mit Air Berlin nach La Romana zur Mein Schiff 1 © Carina Tietz

 

Wir waren gebucht auf den Flug 4U9585 der Germanwings von Palma de Mallorca nach Düsseldorf. Es stand uns vor der Abreise frei, den Flug umzubuchen. Wir kannten da schon die offizielle Absturzursache und entschieden uns dagegen. Doch nun, als der Flug kurz bevorstand, wurden wir doch nachdenklich. Der Bus fuhr vom Hafen zum Airport. Mein kleiner Sohn war angespannt und seine blasse Hautfarbe war eher  ungewöhnlich. Überhaupt war er sichtlich unruhig. Seine Worte in der Abflughalle klangen kindlich naiv und doch fragend: „Was ist, wenn der Pilot sich auch umbringen will? Also der Pilot, der uns gleich nach Düsseldorf fliegt.“ Als Mutter hast Du einen Bruchteil einer Sekunde Zeit und musst möglichst schnell eine plausible Erklärung finden. Ich versuchte krampfhaft zu lächeln. „Der Flieger stürzt nicht ab. Das ist doch Quatsch. Wenn gerade ein Flugzeug abgestürzt ist, dann fällt doch nicht gleich wieder eins vom Himmel und schon gar nicht von der gleichen Gesellschaft.“ Ich nahm meinen Sohn an die Hand und schob ihn durch die Taschenkontrolle. Er vergaß in der Aufregung die Colaflasche im Handgepäck und auch sein Smartphone steckte in der Hosentasche. Das alles blieb von den spanischen Sicherheitsmitarbeitern unentdeckt.

Germanwings A320: Koffer werden verladen! Warten auf den Flug nach Düsseldorf © Carina Tietz

Germanwings A320: Koffer werden verladen! Warten auf den Flug nach Düsseldorf © Carina Tietz

 

Diese Tatsache machte mich wieder sehr nachdenklich. Ich wollte gar nicht weiter darüber philosophieren, was man hier noch so alles an Bord eines Flugzeuges hätte bringen können. Ich verdrängte es, doch mein Sohn griff es gleich wieder auf und auch meine Worte über den Absturz der Germanwings. „Weißt du noch, was Du gesagt hast, als die erste MH verschwand?“ fragte mich mein Sohn mit großen Augen. Ich nickte stumm. „Da hast Du gesagt, dass du trotzdem mit MH-Flugzeugen fliegen würdest, weil ein Absturz in kürzester Zeit von derselben Gesellschaft unmöglich ist. Aber kurze Zeit später gab es einen weiteren Absturz einer MH-Maschine“, sagte er altklug und mit überzeugender Stimme. Mir fehlten die Worte und er hatte mich mit meinen eigenen Worten geschlagen. Mit einer Tüte Gummibärchen aus dem Duty-Free-Shop lenkte ich ihn ab.

Germanwings-Flug nach Düsseldorf: Komisches Gefühl, aber keine Angst © Carina Tietz

Germanwings-Flug nach Düsseldorf: Komisches Gefühl, aber keine Angst © Carina Tietz

 






Die Abflugzeit rückte näher. Ich blieb gelassen. Der Ausgang wurde angezeigt. D95 und dann Minuten später auf D99 korrigiert. Ich kannte den Flughafen von Palma recht gut und war hier auch schon einmal mit Germanwings abgeflogen. Daher wusste ich, dass ein relativ weiter Fußweg vor uns lag. Die Sitzbänke am Gate waren bereits besetzt. Die Maschine sollte voll werden. Wir blieben stehen.

 

Ablug mit Germanwings nach Düsseldorf © Carina Tietz

Ablug mit Germanwings nach Düsseldorf © Carina Tietz

Ich beobachtete die Passagiere. Es war eine Mischung aus seltsamer Gelassenheit, gesteigerter Unruhe und nervöser Hektik. Der eine Passagier schluckte in kurzen Abständen zwei Tabletten. Ein anderer debattierte laut über den Absturz. Wieder ein anderer nahm sichtlich angespannt einen Zug aus einem Flachmann und eine andere Passagierin kaute ununterbrochen an ihren Fingernägeln. Beim größten Teil der Passagiere flog die Angst mit. Bis dahin war ich ganz ruhig. Meine Söhne klebten mit ihren Smartphones an der Fensterscheibe und mein Mann las in einer Zeitung. Dann plötzlich ein Wirrwarr aus Stimmen. Passagiere drehten sich auf ihren Sitzbänken um. Einige standen sogar auf. Da kam er, der Airbus A320 der Germanwings. Ein identischer Flugzeugtyp der Absturzmaschine. Da sah ich das Zeichen der Germanwings, dass in den letzten Wochen schwarz eingefärbt war. Die Absturzbilder allgegenwärtig. Vor meinen Augen liefen sie ab, wie in einem Film. Meine Hände spielten hektisch mit dem Anhänger an meinem Handgepäckkoffer. „Bloß nicht reinsteigern!“, dachte ich laut bei mir und suchte nach Ablenkung.

 

Die Boardingzeit war noch nicht angezeigt. Ich ging einige Gates und schließlich bis zum Dutyfree-Shop zurück. Bloß ablenken! Das war meine Devise und sie funktionierte, zumindest zunächst.

 

Unter mir die französische Küste, hier begann das Drama von flug Germanwings 4U9525 © Carina Tietz

Unter mir die französische Küste, hier begann das Drama von flug Germanwings 4U9525 © Carina Tietz

Dann sah ich die kleinen Flaschen Cognac. Der Inhalt bedeckte gerade einen Schwenker. Ich griff dahin, fast monoton, bezahlte und ging zum Ausgang D99 zurück. Der Cognac blieb in der Jackentasche. Ich hatte nicht gefrühstückt. Sollte ich ihn wirklich trinken, dann würde er sofort ins Blut übergehen. Könnte mich ein Schluck Alkohol wirklich beruhigen? Ich kam mir erbärmlich vor und doch konnte ich dieses seltsame Gefühl nicht real steuern.


Da waren die Bilder wieder aus Haltern am See, da war das Unfassbare plötzlich so greifbar nah und da konnte ich mich auch nicht mehr an die Tatsache klammern, dass Fliegen sicherer ist  als Autofahren.

 

Wir erreichen die französischen Alpen. Hier ist irgendwo die Absturzstelle von Flug Germanwings 4U9525 © Carina Tietz

Wir erreichen die französischen Alpen. Hier ist irgendwo die Absturzstelle von Flug Germanwings 4U9525 © Carina Tietz

Das Boarding begann und die Türe zum Flugfeld öffnete sich. Es ging zunächst an der Straße entlang, dann halbrund um die Maschine und schließlich über eine Gangway durch den hinteren Eingang. Waren die Opfer in Barcelona auch so sorglos eingestiegen? Hatten sie auch eine Gangway benutzt? Fragen über Fragen gingen durch den Kopf. Meine Söhne und auch mein Mann bestiegen gelassen das Flugzeug. „Hast Du keine Angst?“ fragte ich ihn auf der Gangway. Er legte sanft den Arm um meine Schulter und flüsterte: „Wir sind doch zusammen.“

 

Ich konnte gar nicht länger über diesen Satz nachdenken, denn  die schlanke und junge Flugbegleiterin begrüßte uns freundlich. Sie lächelte ungezwungen. Ich schämte mich. Wie konnte ich nur so eine Angst in mir aufkommen lassen. Die Crew hatte sicherlich mit weitaus mehr Problemen zu kämpfen.

 

Das Gefühl ist unbeschreiblich! Mit Germanwings über die französischen Alpen fliegen! © Carina Tietz

Das Gefühl ist unbeschreiblich! Mit Germanwings über die französischen Alpen fliegen! © Carina Tietz

Der blonde Zopf der Stewardess wackelte hin und her, als sie die Flugzeugtüre schloss. Reihe 22, direkt am Flügel. Ich wählte einen Gangplatz, meine Söhne rückten ans Fenster. Zwei weitere Stewardessen schossen durch den Gang. Freundlich, lächelnd nahmen sie sich der Angst der Passagiere an. Eine Frau begann zu weinen und verlangte den Piloten zu sehen. Der Ehemann konnte beruhigen. Andere schluckten Tabletten und es gab auch welche, die wieder hektisch am Flachmann tranken. Da fiel mir der kleine Cognac in meiner Jackentasche wieder ein. Sollte ich ihn auch trinken? Ich haderte!! Aber nur Sekunden. Eine Flugbegleiterin beugte sich über meinen Sitz zu den Jungs herüber, um den Gurt zu kontrollieren. Da sah ich die schwarze Schleife an ihrer Bluse. Das Zeichen der Germanwings 4U9525. Ich beugte mich zur Seite in die Richtung des Ganges und schluckte in einem Zug den Cognac. Ich wurde von Körperbewegungen durchgerüttelt. Ein eiskalter Schauer lief mir über den Rücken. Niemand hatte etwas bemerkt. Ich schob das leere Fläschchen unauffällig in die Sitztasche. Boarding completed! Wir rollten!

Eine paar Reihen vor mir weinte noch immer eine Frau. „Jetzt gibt es kein Zurück mehr“, sagte sie immer wieder mit weinerlicher Stimme. Ich blieb gelassen, seltsam entspannt. An den 100 ml Alkohol lag es nicht. Ich versuchte das Ganze wieder real zu sehen.

 





Mein Mann und mein kleiner Sohn schliefen noch vorm Erreichen der Startbahn ein. Der Große blätterte im Bordmagazin. Ich dachte plötzlich daran, was die Opfer wohl getan hatten, beim Start im Barcelona. Obwohl ich ruhig und gelassen im Sitz saß, konnte ich diese Gedanken nicht verdrängen. Sie waren einfach da und ich versuchte damit umzugehen. Während wir zur Startbahn rollten, meldete sich der Pilot mit einer warmen und freundlichen Stimme direkt aus dem Cockpit. Er informierte die Passagiere über die Flugzeit, nannte seinen Namen und sprach über das Wetter. Seine Worte wirkten sich äußerst positiv auf die Passagiere aus und auch mich beruhigten sie auf ganz seltsame Weise.

 

Germanwings: Landeanflug auf Düsseldorf © Carina Tietz

Germanwings: Landeanflug auf Düsseldorf © Carina Tietz

Dann heulten die Triebwerke auf, der Airbus wurde schneller und schneller und wir hoben ganz sanft vom Flughafen in Palma de Mallorca ab. Die Aussicht war traumhaft und ich vergaß für einen Moment, dass ich in einer Germanwings-Maschine saß. Unter uns war das Blau des Mittelmeeres zu sehen. Am Horizont wartete schon die französische Küste. Hier lag auch der Kurs der Unglücksmaschine. Hier hatte der Sinkflug begonnen. Unter uns musste jeden Augenblick die Unglücksstelle kommen. Einige Passagiere klebten förmlich an den Scheiben. Ich wagte es nicht hinauszuschauen. Eigentlich war ich mir auch im Klaren darüber, dass die Stelle wohl kaum von hier oben auf Anhieb auszumachen war.

 

Mir reichten die TV-Bilder, die hatten in mir genug Gefühlswirrungen ausgelöst. Immer wieder sah ich das blaue Schalke 04-Trikot vor meinen Augen, das in den Bildern der Trümmer noch deutlich zu erkennen war. Auch die Szenen der Trümmerteile mit den Fenstern, die eindeutig einer Germanwings zuzuordnen waren, liefen wieder vor meinen Augen ab. Der Pilot riss mich mit seiner ruhigen Stimme förmlich aus diesen unfassbaren Gedanken und vermeldete den Überflug über den Mont Blanc. Wir waren irgendwo über den französischen Alpen. Die Aussicht war atemberaubend, wenn man für einen Moment den Absturz der Germanwings vergaß!

 

Es war nicht mehr weit bis Düsseldorf. Ich nippte an der kalten Cola. Essen konnte ich nichts. Das hatte aber nichts mit dem Flug zu tun. Bevor ich mir überhaupt noch weitere Gedanken machen konnte, leitete der Pilot den Landeanflug auf Düsseldorf ein. Minuten später erlebte ich trotz des bewölkten Wetters, eine der besten und sanftesten Landungen überhaupt. Der Airbus rollte zum Finger herüber. Das Gedränge war wie immer sehr groß. Ich verließ mit den letzten Passagieren die Maschine. Freundlicher als sonst und mit vielen netten Worten, bedankte ich mich bei der Crew. Ich hatte einfach das Gefühl, dass ihnen ein paar nette Worten und Gesten gut tun könnten. Das taten sie dann auch. Das warme Lächeln sagte mehr als hundert Worte. Die Cockpittüre stand auf. Ich sah die beiden Piloten nur von hinten. Sie hatten mich und meine Familie sicher nach Düsseldorf gebracht. Ich ging durch den Finger und wusste, dass ich jederzeit ohne Angst wieder fliegen würde, auch mit Germanwings. Allerdings würde ich viele Dinge mit anderen Augen sehen.

 

Danke an die Crew der Germanwings für einen wunderbaren Flug nach Düsseldorf in dieser schweren Zeit!

Zu guter Letzt:
Dieser Beitrag ist sowohl den Opfern und ihren Angehörigen, als auch der Crew der Germanwings gewidmet. Er soll persönliche Gefühle in Zeiten des Absturzes der Germanwing 4U9525 widerspiegeln. Möge Gott allen Betroffenen die Kraft geben mit diesem schrecklichen Erlebnis umgehen zu können. Niemand kann das empfinden, was die Hinterbliebenen in den letzten Tagen erlebt haben. Ich finde keine Worte für die Eltern der Gymnasiasten aus Haltern am See. Ich kann Ihnen nur mein Mitgefühl aussprechen und meine tiefe Betroffenheit bekunden.

Meine Gedanken sind aber auch bei den Flugbegleitern und Piloten, die sich in dieser schweren Zeit um das Wohl der Passagiere kümmern müssen.

Ich gestehe! Ich schaue das Dschungelcamp!

Eigentlich trägt meine alte Freundin die Schuld daran, dass ich jetzt jeden Abend vor dem Fernseher hocke und mir einen Haufen durchgeknallter C-Promis bei ihrer Mission in den Dschungel anschaue. Moment! Einer ist natürlich weltberühmt, ein Fast-Bundespräsident und Fast-Wetten-dass-Moderator, der sich in Partnersuchemanier für den Arbeitsmarkt anbietet: Walter! Oder doch Gerd? Oder hieß er am Anfang nicht sogar Werner? Ist auch egal! Promis sind ja bekannt für Ihre Künstlernamen, wie wir schon bei Phoenix-P (oder so ähnlich) feststellen konnten.

Liebe Elke, warum hast Du mir nur damals immer wieder von diesem Camp und von Costa erzählt?


Jetzt komme ich von dieser Sendung nicht mehr los. Obwohl ich mich eigentlich dafür schäme, dass ich mir diesen Quatsch Abend für Abend ansehe! Eigentlich müsste man diese Art von Sendungsformat boykottieren. Das habe ich die ersten drei Jahre getan. Souverän vertrat ich den Standpunkt, dass so etwas auf einem Fernsehbildschirm nichts zu suchen hat. Doch mit dieser Meinung stand ich alleine da. Ich wurde förmlich an den Rand der Gesellschaft gedrückt. Ich konnte mich zu Zeiten des Dschungelcamps nicht mehr mit Freunden treffen, da sie kein anderes Gesprächsthema hatten. Ich konnte schlichtweg nicht mitreden. Vielleicht denkt Ihr jetzt, was hat die denn für Freunde? Das kann ich kurzum beantworten, vom Akademiker bis zum Fernfahrer ist alles dabei und ich kann behaupten, dass es durchweg gebildete Menschen sind. Aber warum um alles in der Welt schauen die sich dann das Dschungelcamp an? Ich weiß es nicht! Ich weiß ja noch nicht einmal, warum ich da selber jeden Abend vor dem Fernseher sitze. Vielleicht, weil man sich dieser Sendung einfach nicht entziehen kann? Was vor Jahren mal der „Blaue Bock“ war, ist heute einfach nur das Dschungelcamp? Haben sich die Zeiten denn wirklich so geändert? Weil wir in einer Zeit leben, in der Anstand und Werte sowieso längst verloren gegangen sind? Wo wir uns daran aufgeilen, dass Möchtegern-Prominente in Kuheuter beißen oder sich  in Kakerlaken-Särge einschließen lassen? Oder mögen wir es, wenn Menschen an den Rand der Verzweiflung gebracht werden, bittere Tränen weinen, weil Heimweh und Hunger sie innerlich zerstören? Brauchen wir wirklich bonierte und arrogante Moderatoren, die sich auf Kosten anderer lustig machen und den Sarkasmus in vollen Zügen genießen? Ich weiß es nicht! Ich persönlich schaue das Dschungelcamp, um mitreden zu können. Und ich gebe es zu: Mir gefällt die Psychologie und die Dramatik, die eigentlich in solch einem Camp zu Intrigen, gespielte Ironie und Nervenzusammenbrüchen führt. Eigentlich! Aber in diesem Jahr hat man eher den Eindruck, als seien die Promis von der Tse-Tse-Fliege gestochen worden! Dann taufen wir das Dschungelcamp doch einfach um und nennen es in diesem Jahr einfach „Das Schlaflabor“. Hier hätte so mancher Schlafforscher brauchbare Erkenntnisse sammeln können. Die wenigen Worte, die die C-Promis über die Lippen brachten, waren dann alles andere als geistreich.

Überhaupt ist das Camp in diesem Jahr von Krankheiten befallen. Ich rede hier nicht von kleinen Rötungen, die durch eine Berührung mit einer Qualle resultieren und mit Wasser leicht behandelt werden können. Nein, ich rede zum Beispiel vom ersten Stadium einer Alzheimer-Erkrankung. Die beginnt ja bekanntlich mit Vergesslichkeit. Heißt Gerd nun Walter oder doch Werner? Wer ist eigentlich Rebecca? War die auch im Camp? Ja, aber heißt die nicht Bettina?

Dann gibt es noch die fehlenden Brillen: Kaputt, verloren oder doch gar nicht mitgenommen?


Zumindest die Erotik stimmt im Camp: Da braucht Aurelio sich gar nicht körperlich anstrengen, denn in diesem Jahr überwiegt die Verbal-Erotik. Das kann der Nachbar dann leicht verwechseln und für einen Moment lang denken, dass nebenan ein Porno geschaut wird. Nein mein lieber Nachbar, es ist alles gut. Wir schauen nur das Dschungelcamp: Da sagt der smarte Jörn zum gealterten Mannequin Maren: „Hast Du schon geschluckt? Du Biest!“ Rebecca outet sich mit den Worten: „Ich bin eine Professionelle, die sich hier sehr nackt zeigt.“ Sprüche wie; „Ist das geil man“ oder „Ich liebe meine Brüste“, gehören sowieso zum Standard.

Zeitweilig denkt der Zuschauer: „Ist das nun die Dschungelschule oder das Dschungelcamp?“ Die Frage ist durchaus berechtigt. Moderator Hartwich belehrt, wie ein alternder Oberstudienrat und gestikuliert drohend und altklug mit seinen Fingern. Nur wenige wehren sich dagegen, einzig Klassensprecher Walter hat was entgegenzusetzen. Die junge Tanja ist fasziniert von Vertrauenslehrer Hartwich und flirtet heftig mit ihm. Leider lassen die schulischen Leistungen der Campbewohner zu wünschen übrig. Walter ist gelernter Kaufmann und kann selbst einfache Rechenaufgaben nicht lösen. Punktrechnung geht vor Strichrechnung. Dumm nur, wenn das Malzeichen dann durch ein Kreuz ersetzt wird. Dann ist RTL wieder Schuld. Auch bei der Rechnerei um die Sterne hat Walter Probleme:  Sind sechs Sterne von elf nun mehr als fünf von sieben? Die Frage bleibt offen und ist auch für die anderen Schüler zu schwer. Am Ende gilt, Walter ist einfach nur trotzig, weil Rolfes Leistung von Lehrern und Schülern mehr gewürdigt wird.

Aber auch im Fach Deutsch zeigen sich erhebliche Defizite: Tanja redet in einer Rap-Sprache, die mit neudeutschen Internetbegriffen gespickt ist. Der Zuschauer stellt sich schon nach wenigen Sendungen die Frage: „Was macht diese Frau eigentlich beruflich?“ Ich recherchiere das und was ich da recherchiere, lässt mich auf meinem Schreibtischstuhl erstarren. Die Frau ist Flugbegleiterin. Ich denke schon, dass sie mich im Flieger freundlich bedienen kann, aber ich stelle mir ernsthaft die Frage, wie sie wohl im Ernstfall reagiert. Denken Sie doch einfach mal nach: „Können Sie sich vorstellen, dass diese Frau ein brennendes Flugzeug evakuieren kann?“

Maren kann nicht buchstabieren. Aber seien wir auch hier mal ehrlich: Die Worte würde ich in die mittelschwere Kategorie einordnen. Mein Sohn geht in die 6. Klasse des Gymnasiums. Er machte einen Fehler, allerdings wurde er auch nicht zuvor mit Kopf in ein mit Meerestieren gefülltes Wasserbecken gedreht. Ich habe ehrlich gesagt auch nicht mehr erwartet. Auch die Deutschkenntnisse von Benjamin sind angesichts seiner Herkunft verziehen. Am Ende bleibt hier noch die Frage: „Welche Sprache spricht eigentlich Rolfe?“ Es ist eine Mischung aus Deutsch-Französisch gespickt mit Kölsch. Eine ganz eigenartige Sprache, die aber durchaus Charme hat. Wie alle Kölner hat er Probleme hochdeutsch zu reden. Das kenne ich selber. Ich kann mich noch so bemühen. Irgendwann kommt immer die Frage: „Sie kommen aber aus der Kölner Gegend!“ Wenn Rolfe redet, dann ist es auch ein Stück Heimat. Vielleicht ist das auch der Grund dafür, dass ich Rolfe ganz einfach nett und sympathisch finde.

Kommen wir zum Resümee.  Was ich am Ende der Staffel herausstellen muss, ist die Ehrlichkeit und das herausragende soziale Miteinander im Camp. Es war einfach toll anzusehen, dass sich die Teilnehmer nicht durch RTL in eine Rolle drängen ließen. Es war einfach klasse, dass sie stets ihrem eigenen Ich treu blieben. Das sie offen zu ihren Fehlern standen. Für mich sind alle Teilnehmer Dschungelkönige. Nur bei Walter, da habe ich meine Zweifel. Hat er das Ganze nur gespielt, um einen neuen Job zu bekommen? Dann ist schauspielerisch talentiert, aber als Mensch unbrauchbar. Spielt er nicht und hat er im Camp den wahren Walter gezeigt: Dann muss er viel Schlimmes im Leben durchgemacht haben.

Ich bin froh das Störenfried Walter das Camp verlassen musste. Er hat es ja selber bereits erkannt: Die Zuschauer lassen sich nicht blenden. Sie entscheiden am Ende!

„Ich habe fertig!“ Dieser Satz hätte doch viel besser gepasst. Schließlich wäre Walter ja auch für den Trainerjob beim FC Bayern geeignet. Oder gab es da nicht sogar ein Angebot?

In diesem Sinne!

 

Eine deutsch-französische Familie im Fußballfieber

Eigentlich darf ich gar nicht schreiben. Die linke Hand muss noch mindestens 14 Tage ruhig gestellt werden. Doch trotz Aluminiumschiene und Gips kann ich meine Finger einfach nicht von der Tastatur lassen. Die Weltmeisterschaft löst einfach zu viele Emotionen in mir aus.

Es ist genau das eingetreten, was ich und der Rest meiner Familie nicht wollten: Deutschland muss gegen Frankreich spielen. Schon seit Beginn der WM habe ich mit meiner Familie in Frankreich so oft kommuniziert, wie sonst den ganzen Monat nicht. In mir steckt ein Stück Frankreich und in meiner französischen Familie steckt ein Stück Deutschland. So ist es nun mal, wenn eine Deutsche einen Franzosen heiratet.

Ich kann mich noch gut an meine Kindheit erinnern. Es war halt immer etwas Besonderes, wenn Deutschland und Frankreich aufeinander trafen. Das galt übrigens nicht nur bei Fußballturnieren, auch bei der Tour de France war man immer völlig aus dem Häuschen. Richtig bewusst in Erinnerung ist mir noch immer das WM-Halbfinale von 1982. Mein Vater hatte noch vor dem Spiel eine ganze Stunde mit seiner Schwester in Frankreich telefoniert. Alle hofften auf ein faires und gutes Fußballspiel und es war uns am Ende egal, ob nun Frankreich oder Deutschland ins Endspiel einziehen sollte. Doch gerade fair war das Spiel nicht. Toni Schumacher sprang Patrick Battiston an und das Unheil nahm seinen Lauf. Meine Tante in Frankreich schimpfte unaufhörlich. Mein Cousin erzählte am Telefon, dass sie erst in Französisch schimpfte, dann in Deutsch fluchte und schließlich in waschechtem rheinischen Platt ihren Emotionen freien Lauf ließ. Hüben wie drüben der Grenze waren wir den Tränen nah, als Patrick Battiston benommen am Boden liegen blieb und auch als der große Uli Stielicke den Elfmeter verschoss und minutenlang von Pierre Littbarski getröstet werden musste.


Jahre sind seither vergangen. Die Familie ist immer noch deutsch-französisch. Mein Sohn heißt Zinédine, wie der berühmte Zidane und in Frankreich heißt man Maria und Christian. Wir essen Bouillabaisse und trinken dazu gerne einen Châteauneuf du Pape . Drüben legt man Frankfurter Würstchen auf den Grill und trinkt ein Bitburger. Jeder von uns wird immer ein Stück französisch und ein Stück deutsch bleiben.

An meinem Auto wehen eine deutsche und eine französische Flagge. Bei meiner Familie in Lille und in Marseille hängen deutsche und französische Fahnen am Haus. Didier bringt es dann auf den Punkt: „Wir alle sind Europa!“ Aber so einfach ist es am Ende dann doch nicht.

Ich habe einen deutschen Pass, bin Deutsche, aber mein Herz wird am Freitag für Frankreich schlagen. „Allez les Bleus!“
Christian ist ein waschechter Franzose, in Lille geboren. Er wird am Freitag den Deutschen die Daumen drücken. Schon heute Morgen kam die Botschaft über Facebook: „Allez Müller, allez Deutschland!“

Möge am Ende der Bessere gewinnen und mögen wir alle ein gutes und faires Spiel sehen. Am Ende wird immer ein Stück unserer Nation im Halbfinale stehen!

Bei meiner Familie in Frankreich / Foto: Christian Delepierre

Bei meiner Familie in Frankreich / Foto: Christian Delepierre

Unsere Terrasse in Langendorf-Kaltenhof © Carina Tietz

Unsere Terrasse in Langendorf-Kaltenhof © Carina Tietz


Der Absturz der PAN AM 103 über Lockerbie

Es war irgendwann in den 1990er Jahren. Da sprach mich ein Chefredakteur an: „Haben Sie nicht den Reisebericht über Ägypten geschrieben? Ich brauche da jemand der zum Fall der PAN AM 103 über Lockerbie recherchiert und einen interessanten Bericht verfasst. Trauen Sie sich das zu?“
Ich nickte und war als junge Journalistin froh darüber, endlich mal eine politisch brisante Story zu recherchieren und zu schreiben. Es war zu einer Zeit, als es noch kein Twitter und Facebook gab. Redakteure saßen noch in Großraumbüros und waren ständig auf der Suche nach neuen Storys. Recherche hieß noch stundenlang zu telefonieren und schriftliche Anfragen an Pressestellen zu schicken, um ein paar Infos zu bekommen. Was gestern noch interessant war, schien heute schon vergessen. So war es dann auch mit dem Lockerbie-Artikel. Der UN-Sicherheitsrat verhängte Sanktionen gegen Libyen und die weigerten sich weiter die Attentäter von Lockerbie auszuliefern. In der Zeitung erschienen nur noch ein paar Zeilen darüber, dass das Embargo Tripolis bisher über 23 Milliarden Dollar gekostet habe. Ich war raus aus der Sache und sollte stattdessen eine Einbruchserie verfolgen!

Doch Lockerbie ließ mich nicht los. Es gab so viele Ungereimtheiten und es faszinierte mich, wie man den Bombenanschlag so genau rekonstruieren konnte.
Das Thema packte mich von Anfang an. Meine Neugier war unstillbar. Das Internet war damals noch in seiner Anfangsphase. Es gab kaum Bilder und Berichte. Es war Sisyphusarbeit. Irgendwie bekam ich mithilfe eines Kollegen den kompletten Unfallbericht des Department of Flight Accident, Transport and Traffic oft the United States of America. Ich wälzte mich Abend für Abend durch Recherchematerialien. Lernte alles über Zeitzünder, verfolgte Spuren nach Neuss und in die Schweiz, befasste mich mit Terrornetzwerken in Syrien und erfuhr alles über den Islam. Ich sah die Hamas aus einem anderen Blickwinkel, selbst Muammar al-Gaddafi erschien mir manchmal menschlich und nicht als Terrorist, dann gab es noch die berüchtigte Gibryl-Gruppe und eine mysteriöse Spur im Fall der PAN AM 103, die nach Malta führte.

Ich hatte das Bedürfnis islamische Terroristen zu verstehen. Woher kam ihre Wut, was mussten Sie erlebt haben, dass sie Menschen der westlichen Welt so sehr hassten? Oder war es einfach nur der Glaube, der sie zu den Anschlägen trieb. Ich habe nie eine Antwort gefunden, aber ich habe für viele Dinge ein anderes Verständnis erlangt. Ich las Biographien über Arafat und Meir und wollte verstehen warum es zwischen Palästinensern und Juden nie Frieden geben wird.
Mindestens genauso so groß war mein Interesse, wenn es irgendwo auf der Welt ein Flugzeugunglück gab.

Natürlich habe ich jede noch so kleine Nachricht über den Verbleib der MH 370 verfolgt und einige Blogs und Webseiten mit Texten versorgt. Immer wieder brachten Journalisten auch die PAN AM 103 und den Anschlag von Lockerbie ins Gespräch. Deshalb habe ich mich dazu entschlossen, einen Teil meiner Recherchearbeiten von damals hier zu veröffentlichen. Es handelt sich nicht um eine fertige Reportage, sondern nur um eine Zusammenstellung von Fakten.


Fakten: Absturz der Pan Am 103 „Clipper Maid oft he Seas“, Boeing 747 über dem schottischen Lockerbie

21. Dezember 1988, Flughafen London Heathrow
Das Unglücksflugzeug mit dem Namen „Clipper Maid oft he Seas“ mit der Bezeichnung „Boeing 747/N739PA“ und der Flugnummer „PA 103“ parkt auf Position KILO 14 im südöstlichen Terminal 3 des Flughafens London Heathrow. Zur gleichen Zeit landet ein Zubringerflug, eine PAN AM- Boeing 727 kommend vom Rhein Main Flughafen Frankfurt und parkt auf der Position KILO 16. An Bord sind Passagiere, die von London mit der PAN AM 103 weiter nach New York J.F. Kennedy-Airport fliegen wollen. Die Passagiere der PAN AM 103 aus London haben bereits eingecheckt. Neben den Passagieren befinden sich an Bord 14 Stewardessen, der Flugingenieur Jerry Don Avritt, der Co-Pilot Raymond Ronald Wagner und der Pilot, Captain James Bruce Mac Quarrie.
Planmäßige Abflugzeit der PAN AM 103 ist 18. 00 Uhr. Doch am Flughafen ist viel Verkehr in der Vorweihnachtszeit. Um 18.04 Uhr rollt die Boeing 747 in die Warteschlange der Startbahn 27 R. Mit 25 Minuten Verspätung startet die PAN AM 103 um 18.25 Uhr. Die Crew nimmt Kurs nach Norden. Sie hält Kontakt zum Controll-Center Burnham VOR. Die Flughöhe beträgt zu diesem Zeitpunkt 6000 Fuß. Dann nimmt die Maschine Kurs auf die schottisch-englische Grenze. Zweiter Radar-Center ist Pole Hill VOR.

21. Dezember 1988, Shanwick Ocean-Controll-Center in Prestwick
Um 18.53 Uhr nimmt der Shanwick Ocean-Controll-Center in Prestwick Kontakt zur PAN AM 103 auf. Die hält weiter ihren Kurs, um auf die Nordatlantikroute abzubiegen. Es ist 18.56 Uhr, als der zuständige Fluglotse dem Piloten Captain James Bruce Mac Quarrie die Freigabe für die Atlantiküberquerung erteilt. Diese Meldung wird jedoch vom Piloten nicht mehr bestätigt. Stattdessen erscheinen auf dem Radarschirm in Shanwick erschreckende Bilder: Das Radarecho der PA 103 splittet in fünf verschiedene Echos auseinander, die eins nach dem anderen vom Bildschirm verschwinden. Piloten von anderen Flugzeugen, die sich zu diesem Zeitpunkt in der Nähe der PA 103 aufhalten, melden eine riesige Explosion am Himmel.

21. Dezember 1988 Lockerbie, Dumfriesshire in Schottland
Gegen 19.00 Uhr wird der Abendhimmel über dem schottischen Lockerbie von ohrenbetäubenden Geräuschen aufgeschreckt. Das Heck und der vordere Rumpfabschnitt der Maschine fallen auf den östlichen Stadtrand der schottischen Kleinstadt. Ein Flügel schlägt im Nordosten ein. Der andere Flügel und die mittleren Teile des Flugzeuges stürzen im Sherwood, einem Waldstück der Gemeinde Lockerbie, ab. Brennende Kleinteile fallen wie Schneeflocken vom Himmel und verstreuen sich auf einer Länge von 130 Kilometern über Oedland rund um Lockerbie.

November / Dezember 1988: Es gab Warnungen!
Ende November 1988 flog ein englischer Journalist J.P. (der richtige Name ist mir bekannt, ich nenne ihn J.P. )nach Libyen. Es war sein Auftrag Muammar al-Gaddafi und einiger seiner Vertrauensmänner zu interviewen. Danach führte sein Weg nach Beirut. Im dortigen Journalistenzentrum traf er einen CIA-Informanten. Der ließ verlauten, dass der Irak und Syrien es auf ein amerikanisches Passagierflugzeug abgesehen hätten. In Damaskus sprach J.P. mit syrischen Journalisten. Auch die hatten davon gehört, dass ein amerikanisches Passagierflugzeug ins Visier islamischer Terrorgruppen geraten sei. J.P. brach daraufhin seine Reise ab und flog nach London zurück, um die Behörden zu informieren. Die nahmen es mit Gelassenheit zur Kenntnis.

Die Warnungen wurden konkreter:
J.P. traf sich in London mit einem CIA-Agenten, der ihn darüber informierte, dass bei der amerikanischen Botschaft in Helsinki bereits eine konkrete Drohung eingegangen sei. Die präzise Warnung lautet wie folgt: „Eine Frau wird in Frankfurt eine Bombe in ein amerikanisches Flugzeug schleusen“.
Diese Warnung wurde an das Warnsystem des amerikanischen Außenministeriums weitergegeben. Auch Interpol wurde informiert.

8. Dezember 1988 Helsinki
Ein Mitarbeiter der PAN AM aus dem Bereich Sicherheit berichtet, dass am Morgen des 8. Dezember 1988 eine Warnung bei verschiedene Nachrichtenagenturen in Helsinki eintraf. Darin wurde ein bevorstehender Anschlag auf ein amerikanisches Passagierflugzeug angekündigt. Zur gleichen Zeit wird das Stadtbüro der PAN AM in Helsinki von verschiedenen Geheimdienstagenten über die Bedrohung informiert.

9. Dezember 1988 London
Die amerikanische Botschaft in London erhält anonyme Warnungen. Das wurde später vom Botschaft-Mitarbeiter Charles Price bestätigt. Er sagte nach dem Anschlag von Lockerbie gegenüber Journalisten, dass er die Bedrohungen an die zuständigen Stellen in Großbritannien und an die amerikanischen Fluggesellschaften weitergab. Die Drohung richtete sich konkret gegen ein amerikanisches Passagierflugzeug. Die Sicherheitsdienste prüften den Fall. Sie hielten die Drohungen für falsch.

Wenige Tage später erhielten weitere westliche Nachrichtenagenturen Warnungen. Hier war sogar ganz konkret von einem PAN-AM-Flugzeug die Rede.

Eine Sprecherin des US-Außenministeriums sagte dazu später gegenüber britischen Journalisten: Wir erhalten täglich viele solcher Nachrichten. Wir nehmen alle sehr ernst und haben auch in diesem Fall unmittelbar reagiert.

10. bis 18. Dezember 1988 Frankfurt, Helsinki, London
Zwischen dem 10. bis 18. Dezember 1988 gehen bei verschiedenen Fluggesellschaften auf den Flughäfen von Frankfurt, London und Helsinki immer wieder die gleichen Drohungen ein: Eine Frau wird in Frankfurt eine Bombe in ein amerikanisches Flugzeug bringen.

Die Fluggesellschaften gaben die Drohungen an das US-Außenministerium weiter. Ein Sprecher des Pentagons sagte später dazu: Wir haben alle Drohungen sehr ernst genommen und an die zuständigen Dienststellen weitergegeben.

21. Dezember 1988, amerikanische Botschaft in Helsinki
Die amerikanische Botschaft in Helsinki erhält eine Warnung, die bisher noch nie so präzise war. Aus Geheimdienstkreisen hieß es später, dass ganz konkret von der PAN AM 103 die Rede war.

Dass es diese konkreten Drohungen am Morgen des 21. Dezember 1988 wirklich gab, konnte nie einwandfrei bewiesen werden. Das englische Parlament und das US-Außenministerium bestreiten die Drohung bis heute. Allerdings lassen die Geschehnisse am 21. Dezember am Londoner Flughafen keine andere These zu:

21. Dezember 1988, Flughafen London Heathrow, Schalter der PAN AM
Auf dem Flug der PAN AM 103 war der südafrikanische Staatspräsident Pieter Botha und einige Abgeordnete des südafrikanischen Parlamentes gebucht. Einige Stunden vor Abflug der PAN AM 103 erschienen am Schalter der PAN AM in London Heathrow, aufgeregte Südafrikaner. Das bestätigte die diensthabenden PAN AM-Schaltermitarbeiterin Linda Forsyth. Die Südafrikaner und auch der Staatspräsident Pieter Botha wollten auf gar keinen Fall mehr mit der PAN AM 103 fliegen. Sie bekräftigten zwar alle, noch heute nach New York zu müssen, aber unter gar keinen Umständen mit der PAN AM 103. Linda Forsyth buchte sie alle auf die viel früher fliegende PAN AM 101 um. Die Stornierungen und Umbuchungen für die PAN AM 103 waren höher als normal. Auch General Melling vom US-Verteidigungsministerium wurde auf die PAN AM 101 umgebucht. Auch andere hohe US-Regierungsvertreter, die an der Spitze von General von Tonder in London weilten, sagten den geplanten Rückflug mit der PAN AM 103 ganz ab.

Die hohe Stornierungsrate für die PAN AM 103 wurden später von Angehörigen der Opfer bestätigt. Viele Opfer standen auf der Warteliste für den Flug nach New York. Einige wurde erst am 21. Dezember angerufen und erhielten den Platz ganz kurzfristig.

Warum aber saß der schwedische UN-Kommissar für Namibia Bernt Carlsson, der Volkswagen Vizepräsident James Fuller, der Direktor für internationale Kommunikation John Mulroy und 38 Studenten und Professoren amerikanischer Universitäten in der PAN AM 103? Auch der CIA-Chef von Beirut zählte zu den Opfern.

Auch der Journalist J.P. wurde davon abgehalten mit der PAN AM 103 zu fliegen. Er soll mehrere Anrufe von Geheimdienstmitarbeitern erhalten haben. Auch der ehemalige CIA Agent Oswalt Le Winter (tätig für die CIA von 1968 bis 1985) wurde davon abgehalten mi der PAN AM 103 zu fliegen.

Die Gründe liegen bis heute im Dunkeln.


Der Absturzort: Lockerbie, Dumfriesshire, Schottland am Abend des 21. Dezember 1988
Am Abend des 21. Dezember 1988 erlangte der schottische Ort Lockerbie traurige Berühmtheit. Bis heute kommen Angehörige zum Gedenken an die Opfer in den Ort. Dort, wo damals das Cockpit gefunden wurde, steht heute eine Gedenktafel.

Es war zunächst ein ohrenbetäubender Lärm irgendwo am Himmel, den sich die Bewohner zunächst nicht erklären konnten. Erst als die ersten Trümmer einschlugen, begriffen sie, dass sie in großer Gefahr waren. Sie rannten panisch aus ihren Häuser, ohne wirklich zu wissen, dass die Trümmer einer Boeing 747 auf sie herab regneten. Viele glaubten an ein Erdbeben.

Ein Hotelier erzählte, dass um ihn herum immer wieder brennende Teile einschlugen. Er konnte sie nicht zuordnen.

Eine Anwohnerin sagte sie sei hinaus auf die Terrasse gelaufen. Überall lagen brennende Gegenstände. Sie machte die Außenbeleuchtung an und bückte sich, um die Gegenstände zu betrachten. Sie sah einen abgerissenen Finger. Als das Licht den Garten erhellte sah sie im Baum einen toten Flugpassagier, der noch angeschnallt in einem Sitz war.

Innes Graham, Bauer aus Lockerbie: Ich war noch auf den Feldern unterwegs, um nach den Tieren zu sehen, als ich mich plötzlich in einem Horrorfilm wiederfand. Der Traktor konnte nicht mehr weiterfahren. Überall lagen Taschen, Schuhe, Koffer und Leichenteile. Ich sah Freunde die nur starrten und fest auf der Stelle standen. Andere liefen aufgeregt umher auf der Suche nach Überlebenden. Ich hob ein Geschenk auf. Daran war eine Schleife gebunden mit der Aufschrift Schade, dass Du Weihnachten nicht zu Hause sein kannst. Mir wurde übel und ich weinte hemmungslos. Aber das hielt mich nicht davon ab, weiter nach Überlebenden zu suchen.
Dort oben auf der Wiese hinter der Kirche fand man die meisten Leichen. Meine Tiere wollten noch Jahre später dort nicht grasen. Sie fraßen das Gras einfach nicht oder nahmen Reißaus. Ich sah in die Augen meiner Tiere und wusste, dass sie spürten, was dort geschehen war.

Ich lief zur Kirche herüber und sah das Cockpit dort liegen. Die beiden Piloten saßen noch angeschnallt in Ihren Sitzen. Ich werde diesen Anblick niemals vergessen.

21. Dezember 1988, Shanwick Ocean Controll Center Prestwick, 19.40 Uhr
Gemeldet wurde der Absturz der PAN AM 103 vom Ocean Controll Center in Prestwick. Exakt um 19.40 Uhr erhielt die Ermittlungsbehörde AAIB (Air Accidents Investigations Branch) die Nachricht. Sie taten das Übliche, was nach einem Verlust eines Flugzeuges zu tun ist. Zunächst informierten Sie die örtliche Polizeistation in Lockerbie.

21. Dezember 1988 Lockerbie: Die Stunden nach dem Absturz
Da herrschte bereits der Ausnahmezustand, denn auf solch einen Vorfall war dort niemand eingestellt. Die Mitarbeiter vor Ort bekamen Anweisungen der AAIB, der amerikanischen und der britischen Regierung. Sie versuchten allen gerecht zu werden, wenn auch die Umsetzung der Anweisungen nicht immer durchführbar war. Der telefonische Kontakt war nur sporadisch möglich und wurde immer wieder unterbrochen. Schuld daran waren die durch den Absturz beschädigten Telefon- und Stromleitungen. Die Anweisungen kamen aus London und Washington, fernab des Geschehens. Dort hatte niemand auch nur eine kleine Vorstellung von den Ereignissen in Lockerbie. Seit 19.02 Uhr war dort nichts mehr so, wie es einmal war. Die größte Aufgabe hatte der örtliche Polizeiinspektor Georg Stobbs. Er erhielt Anweisungen, musste Entscheidungen treffen und tat alles, was in seiner Macht stand. Mit einem Arzt, mit Leuten der Bergwacht, mit lokalen Feuerwehrmannschaften und freiwilligen Suchtrupps erarbeitete er einen Sofortplan. Er bestand darin Leichen und Trümmer zu bergen und sie in die örtliche Schule zu bringen. Doch noch bevor der Plan fruchtete tauchten Amerikaner in Lockerbie auf, die Rätsel aufwarfen. Der Polizeiinspektor sagte später, dass diese mysteriösen Amerikaner jede Leiche unter die Lupe genommen hätten.

Sie erschwerten dem Arzt Dr. David Fieldhouse die Arbeit. Er sagte Jahre später gegenüber Journalisten: Ich war auf einen Flugzeugabsturz nicht vorbereitet und hatte keine professionelle Ausrüstung bei mir. Ich markierte zehn Leichen mit Zetteln meines Notizblockes und mit Plastikhandschuhen. Danach gab ich sie zum Transport in die Schule frei. Die Schulturnhalle war zu einer Leichenhalle umfunktioniert worden. Später in der Leichenhalle waren acht Zettel von den Amerikanern entfernt worden. Eine Leiche wurde gar nicht in die Halle gebracht. Sie verschwand spurlos.

Vor Ort unterwegs war damals auch der Lokaljournalist David Aryeah als Angehöriger der freiwilligen Suchtrupps. Er erinnerte sich Jahre später an die Amerikaner: Sie hielten uns mit Gewalt davon ab das Gelände auf den Hügeln zu durchkämmen. Da wir nicht wussten, wer die Personen waren, folgten wir ihren Anweisungen und mieden das Hügelgelände. Einige trugen Schusswaffen.

Die Mitarbeiter der umliegenden Bergwachten trafen zwei Stunden nach dem Absturz in Lockerbie ein. Der Leiter der freiwilligen Truppen sagte später: Als wir eintrafen waren schon jede Menge Amerikaner da. Aus dem Nichts tauchte ein Hubschrauber auf und umkreiste uns. Darin saß ein Mann mit Gewehr und Zielfernrohr. Er beobachtete jeden unserer Schritte und richtete das Gewehr immer in unsere Richtung.

Auch einem Farmer war der Hubschrauber aufgefallen: Er flog immer über uns hinweg und immer saß ein Mann mit einem Gewehr darin. Er landete immer am Hang hinter dem Hügel, den wir nicht betreten durften.

Vielen Anwohnern war der Hubschrauber aufgefallen, der noch Tage nach dem Absturz über Lockerbie kreiste. Niemand konnte den Hubschrauber zuordnen. Er gehörte nicht zu den Journalisten und auch nicht zur Polizei. Er besaß weder eine Kennung noch eine Aufschrift. Auch unterschied er sich von den Hubschraubern, die die Ermittlungsbehörden benutzen. Zu dem Hubschrauber gehörten Amerikaner, die nach irgendetwas suchten. Sie durchwühlten Koffer und Taschen aus der Maschine und durchsuchten die Kleidung der Leichen. In Lockerbie selber machte ein Gerücht von zwei vollen Geldkoffern die Runde.

Lockerbie selber blieb noch lange ein Ort der Verwüstung. 11 Einwohner verloren durch den Absturz ihr leben. Zudem gab es drei Schwerverletzte und zwei Leichtverletzte zu beklagen. Am schlimmsten betroffen war der Südosten der Stadt. Dort war ein brennendes Trümmerteil in eine Tankstelle gestürzt. Viele Brände konnten erst Stunden später unter Kontrolle gebracht werden. In den Tagen nachdem Absturz kam Prinz Charles und Lady Diana nach Lockerbie, um den Menschen ihr Mitgefühl auszusprechen. Viele Einwohner litten noch Jahre danach an psychischen Störungen. Sie konnten nachts nicht mehr schlafen und konnten die Bilder der Leichen nicht verarbeiten. Einige fingen an zu trinken.

Das Terrorflugzeug von Lockerbie war eine Boeing 747
Das Terrorflugzeug von Lockerbie war eine Boeing 747, die bereits 1970 in Dienst gestellt wurde. Damals bestaunte die Öffentlichkeit dieses gigantische Flugzeug. Die Boeing 747 war zu jener Zeit das größte Passagierflugzeug aller Zeiten. Gerade das Jahr 1970 war für den Flugzeughersteller Boeing und für die Fluggesellschaft PAN AM von ganz besonderer Bedeutung. Zum ersten Mal landete auf dem Flughafen von London Heathrow eine Boeing 747 der PAN AM mit dem Namen „PAN AM Clipper Victor N736PA“. Es war ein ganz neuer Weg, den die Luftfahrtbranche mit der Einführung der Boeing 747 antrat. Nun konnten gegenüber der Boeing 707 viel mehr Passagiere transportiert werden. Das war vor allem für die Langstreckenverbindungen interessant. Doch mit wachsenden Passagieren, stieg auch die Zahl der Opfer im Falle eines Absturzes oder Anschlages. Schon vor dem 21. Dezember 1988 hatte es Anschläge auf Boeing 747 gegeben. Am 6. September 1970 wurde eine erst vier Monate alte Boeing 747 der PAN AM auf Kairoer Boden in die Luft gesprengt. Passagiere befanden sich nicht an Bord. 1972 wurde eine 747 der Japan Airlines nach Libyen entführt. Dort verließen die Passagiere das Flugzeug. Danach wurde es in die Luft gesprengt. Viele Tote gab es 1985 zu beklagen. Eine 747 der Air India wurde durch eine Bombe in der Luft zerrissen.


Die über Lockerbie explodierte Boeing war eine 747-121. Sie hatte die Kennung N739PA und war die 15. Maschine, die ausgeliefert wurde. Ihre Werkstattnummer war 19646. Ausgeliefert wurde die Maschine am 15. Februar 1970. Seither flog sie ausschließlich für PAN AM. Der interne Firmenname war „Clipper Morning Light“. Später bekam sie den offiziellen Namen „Clipper Maid oft he Seas“. An der 121 kann man erkennen, dass es sich um ein Flugzeug der Serie 100 handelt. Die Ziffern 21 stehen für PAN AM und geben den Erstkäufer des Flugzeuges an. Die Lockerbie-Maschine bestritt ihren Erstflug am 9. Februar 1969 und hatte Platz für 516 Passagiere. In den 197oer Jahren wurden insgesamt 177 Exemplare der Hunderterserie gebaut.

Details zur PAN AM 103 am Unglückstag
An Bord der PAN AM 103 auf dem Flug von London Heathrow nach New York, J.F.Kennedy-Airport befanden sich 243 Passagiere und 16 Besatzungsmitglieder. Es wurden keine Tiere und keine verderblichen Waren befördert. Ebenso gab es keine gefährlichen Güter und keine Güter mit besonderer Kennung oder Ausnahmeregelung an Bord der PAN AM 103. Im Abfertigungsbericht der Cargo-Abteilung des Londoner Flughafens gab es keinerlei Hinweise für eine Falsch- oder Überbelastung. Die Treibstoffbetankung und das Gesamtgewicht entsprachen der Norm. Alle Fluggenehmigungen und Flugzeugpapiere wurden ordnungsgemäß auf dem Londoner Flughafen vorgelegt. Auch die Papiere des Anschlussfluges aus Frankfurt waren ordnungsgemäß.

Das Flugzeug selber befand sich in einem einwandfreien technischen Zustand. Die PAN AM beteiligte sich mit dem Unglücksflugzeug an einem Programm der US-Regierung. Es wurde im September 1987 komplett umgebaut und generalüberholt. Im Falle einer Mobilmachung sollte es so schnell zu einem Frachter umgebaut werden. Im Rahmen des Umbaus wurde der Kabinenboden verstärkt. Am hinteren Teil der Kabine wurde eine Ladetür installiert. So konnte die umgebaute Maschine technisch als absolut neuwertig angesehen werden. Vor dem Absturz gab es vier Komplettwartungen: am 27.September 1988, am 2. Und 27.November 1988 und am 13.Dezember 1988. An allen Terminen wurde das Flugzeug knapp 70 Stunden unter die Lupe genommen. Am 21.Dezember gab es noch die übliche Tageswartung am Londoner Flughafen, die durch Fachpersonal der PAN AM durchgeführt wurde. Diese zeigte keinerlei Unregelmäßigkeiten. Alle Instrumente und Geräte wurden ordnungsgemäß kontrolliert. In den Tageswartungsdokumenten wurden keinerlei Hinweise auf eventuelle Fehler gefunden. Dort stand unter allen geprüften Geräten „tadelos“. Amtlich geprüft durch Mitarbeiter des englischen Luftverkehrsamtes und bestätigt durch den Sicherheitsdienst London Heathrow sowie den zuständigen Ingenieuren der PAN AM.

Ersatzteile
Vor 1988 gab es oftmals einen Handel mit gefälschten Flugzeugersatzteilen. Nicht selten führten diese zu verheerenden Abstürzen. Deshalb legten die Unfallermittler ein großes Augenmerk auf die Ersatzteile der PAN AM 103. Das amerikanische Luftfahrtsamt stellte für diese Ermittlung einen Stab von Sonderermittlern zur Verfügung. Unter der Leitung von M.M. Charles, Inspektor of Accidents Department of Transport, United States of America wurden alle Instrumente mit ihren Herkunftsnummern überprüft. Die Überprüfung dauerte fast zwei Jahre. Als das Ministerium im Juli 1990 die Ergebnisse vorlegte, gab es keinerlei Hinweise auf Unregelmäßigkeiten. Alle Ersatzteile der PAN AM 103 stammten ausschließlich vom Hersteller Boeing und konnten den originalen Lieferscheinen zugeordnet werden.

Die Crew der PAN AM 103 (Lockerbie)
Ein Pilotenfehler wurde von Ermittlern ausgeschlossen. Pilot der Unglücksmaschine war der 55-jährige Jim Mac Quarrie. Er war im Besitz der Airline Transport Pilot License of the United States of America. Er besaß eine Flugerlaubnis für die Boeing 747, 707 und 720, für die Lockheed L 1011 und die Douglas DC3. Sein medizinisches Flugtauglichkeitsgutachten besaß die Klasse eins. Der Pilot hatte exakt 10910 Flugstunden, davon 4107 auf der Boeing 747. Noch am 8.November 1988 hatte er erfolgreich eine Notfallübung im Flugsimulator absolviert. Der Aircraft Accident Report kam zu dem Ergebnis, dass der Pilot Jim Mac Quarrie erstklassig handelte.

Auch dem Co-Pilot Raymond Ronald Wagner wurde eine erstklassige Flugtauglichkeit attestiert. Ein ähnliches Bild ergab sich beim Flugingenieur Jerry Don Avritt. Er war im Besitz der United States of America Flight Engineers License Turbojet. Er hatte weit über 8000 Flugstunden hinter sich, davon 487 auf der PAN AM 103. Auch er hatte am 27.Oktober 1988 erfolgreich an einer Notfallübung teilgenommen. Pilot, Co-Pilot und Flugingenieur waren amerikanische Staatsbürger.

Leitende Stewardessen der Unglücksmaschine waren die 51-jährige Engländerin Mary, Geraldine Murphy und die 35-jährige Slowakin Milutin Velimirovich. Sie verfügten über eine Flugbegleiterinnen-Ausbildung und hatten eine große Flugerfahrung. Sie besaßen Beide die medizinische Tauglichkeit 1 und waren Mitglieder der Flugbegleiter-Genossenschaft. Dadurch nahmen sie an verschiedenen Weiterbildungsmaßnahmen, auch mit dem Schwerpunkt Notfallübungen, teil.
An Bord befanden sich elf Flugbegleiter und Flugbegleiterinnen:

• Elisabeth, Nichole Avoyne, französische Staatsangehörigkeit, 44 Jahre aus Croissy / Frankreich
• Noelle Lydie Berti, französische Staatsangehörigkeit, 41 Jahre aus Paris / Frankreich
• Siv Ulla Engstrom, schwedische Staatsangehörigkeit, 51 Jahre aus Windsor / England
• Stacie Denise Franklin, amerikanische Staatsangehörigkeit, 20 Jahre aus San Diego/ USA
• Paul Isaac Garret, amerikanische Staatsangehörigkeit, 41 Jahre aus Nappa/ USA
• Elke Etha Kuhne, deutsche Staatsangehörigkeit, 43 Jahre aus Hannover/ Deutschland
• Maria Nieves Larracoechea, spanische Staatsangehörigkeit, 39 Jahre aus Madrid/ Spanien
• Lilibeth Tobilla Macalolooy, phillipinische Staatsangehörigkeit, 27 Jahre aus Kelsterbach/ Deutschland
• Jocely Reina, amerikanische Staatsangehörigkeit, 26 Jahre aus Iselworth, England
• Myra Josephine Royal , Dominikanische Republik, 30 Jahre aus Hanwell, England
• Irja Syhnove Skabo, finnische Staatsbürgerschaft, 38 Jahre aus Oslo, Norwegen

Im abschließenden Unfallbericht hieß es später, dass die elf Flugbegleiter allen Anforderungen gerecht wurden und aufgrund ihrer Erfahrungen als Meister ihres Faches anzusehen waren. Das Flugpersonal war nicht in der Lage weitere Opfer oder Schäden zu verhindern.

Auszüge aus dem Abschlussbericht zum Absturz der PAN AM 103 über Lockerbie
Im Juli 1990 legte das amerikanische Ministerium für Transport und Verkehr den Abschlussbericht vor. Er wurde unter anderem von Piloten, Mechanikern, Ingenieuren und Medizinern, unter der Leitung von M.M. Charles (Inspektor für Unfälle im Luftverkehr des Ministeriums für Flugsicherheit, Transport und Verkehr der Vereinigten Staaten von Amerika) verfasst. Dieser Bericht setzte sich ausschließlich mit der Unglücksursache auseinander. Die PAN AM 103 wurde durch eine Bombe zum Absturz gebracht. Ein technisches oder menschliches Versagen wurde komplett ausgeschlossen.

Auszüge aus „Findings of the report on the accident to Boeing 747/121 N739PA at Lockerbie/Dumfriesshire/ Scotland on december 1988:

• Die Crew besaß eine gültige Lizenz und war medizinisch fit, um das Flugzeug zu steuern

• Das Flugzeug hatte eine gültige Lizenz und hielt alle technische Vorschriften ein

• Es gab keinerlei Hinweise für einen Defekt oder ein eventuelles Fehlverhalten der Crew oder der Technik

• Das Flugzeug war in einem sehr guten Zustand. Die minimale Rostbildung war für den Absturz völlig unerheblich

• Ein kleines Trümmerteil von 3 Inch zeigte kleine Ermüdungen. Unklar ist, ob das Flugzeug den Schaden schon aufwies, bevor die Bombe explodierte. Es ist völlig ausgeschlossen, dass diese Ermüdungen zu einem Absturz oder einer Explosion führten.

• Warum der Flugzeugrumpf ohne explosive Beschädigungen blieb ist unklar. Wahrscheinlich riss er vom hinteren Teil des Flugzeuges ab, bevor er von dem riesigen Feuerball erreicht wurde. Der Abriss entstand vermutlich durch eine gewaltige Druckwelle, die von der Bombenexplosion ausging.

• Die explosive Ladung detonierte in einem Gepäckcontainer im vorderen Laderaum. Geladen wurde der Container auf der Flugzeugposition L 14. Diese Position lag etwa 25 Inch vom vorderen linken Flügel entfernt.

• Der Gepäckcontainer wurde technisch geprüft und gewartet. Besitzer des Containers war PAN AM. Er trug die gültige Seriennummer A VE 4041 PA.

• Die Analyse des Flugrekorders ergab keinerlei Anzeichen für ein technisches Problem. Er gibt auch keine Auskunft darüber, dass die Bombe bzw. der explosive Stoff vor der Explosion entdeckt wurde. Er kommt lediglich zu dem Schluss, dass die Bombe urplötzlich explodierte und das Flugzeug innerhalb von drei Sekunden auseinander riss.

• Der Cockpit Voicerecorder ergab keinerlei Anzeichen für eventuelle Probleme an Bord der PAN AM 103

• Der letzte Funkverkehr aus dem Cockpit deutete auf einen ganz normalen Flugablauf hin.

• der Pilot forderte regulär beim Shanwick Ocean Control Center in Prestwick die Atlantikfreigabe an.

• Der letzte Kontakt zum Shanwick Ocean Control Center in Prestwick war regulär.

• Das Radarbild des Shanwick Ocean Control Center in Prestwick gab Aufschluss über eine Explosion an Bord. Nach Abbruch des Funkverkehres splittete sich das Radarecho der PAN AM 103 in fünf aufeinander folgenden Echos. Diese Echos ließen erkennen, dass es an Bord eine schwere Detonation gab.

• Die Fluglotsen des Towers London Heathrow Airport, die Funkkontakt zur PAN AM 103 hatten, besaßen gültige Lizenzen.

• Der Fluglotse des Shanwick Ocean Control Center in Prestwick, der den letzten Funkkontakt zur PAN AM 103 unterhielt, war im Besitz einer gültigen Lizenz.

• Alle Wartungen des Flugzeuges wurden eingehalten.

• Alle Ersatzteile der PAN AM 103 wurden vorschriftsmäßig eingebaut. Sie hatten gültige Papiere und ihre Herkunft konnte zu 100% geklärt werden.

• Die Flugzeugbelader und Mechaniker am Airport London Heathrow und am Rhein-Main Flughafen Frankfurt besaßen eine gültige Arbeitserlaubnis und waren erfahren in ihrem Beruf.

• Es herrschte relativ gutes Wetter über Schottland. Die Windverhältnisse waren für den Absturz nicht relevant.

• Das Britische Geologische Institut registrierte um 19.03.36 h eine Erdbebenmeldung im Bereich Dumfrieshire. Diese Meldung wurde auf den Einschlag der Flugzeugteile am Boden zurückgeführt.

Das Flugzeug mit der Flugnummer PA103, Besitzer PAN AM WORLD AIRWAYS mit der Kennung N739 PA vom Typ Boeing 747-121 mit der Nationalität United States of America stürzte aufgrund einer heftigen Explosion in einem Gepäckcontainer ab. Das geschah am 21.Dezember 1988 um 19.02.50h MEZ, 55° O7´N Breitengrad, 003° 21´W Längengrad über Lockerbie/ Dumfriesshire/Schottland.
Die Explosion wurde durch eine Bombe mit barometrischem Zünder verursacht. Der Vorgang an Bord der PAN AM 103 ist identisch mit einer Explosion an einer Boeing 747 der AIR INDIA mit der Flugnummer AI 182 am 23.Juni 1985 über dem Nordatlantik.

Quellen:
• Aircraft Accident Report No 2/90 (EW/C1094) Department of Flight Accident, Transport and Traffic USA
• Herkunftsbericht für Instrumente und Flugzeugteile der PAN AM
• Wetterbericht vom Meteorlogical Office / Bracknell / England
• Erdbebenbericht vom British Geological and Seismic data Survey / Southern Scotland
• „Annan: Gadaffi macht Ernst im Fall Lockerbie“, Süddeutsche Zeitung
• „Baldige Auslieferung der Lockerbie-Attentäter“, Die Welt
• „84 More bodies found at crash site“, Boston Globe
• „258 Aboard – PAN AM Flight feared dead“, Miami Herald
• „So appaling – so horrific: Bodeis, debris anguish“, USA Today
• Funkaufzeichnungen vom Scotish Air Traffic Control
• Unfallbericht AAIB
• Stellungnahme vom Pentagon USA
• Unfallbericht und Feuerbericht Dumfries
• Radiomitteilung Police Patrol Lockerbie
• Polizeibericht Police Patrol Lockerbie
• Aufnahmen Flight Data Recorder und Cockpit Voicerecorder
• Crewinformationen der Pilotengewerkschaft USA
• Täterinformationen Weltsicherheitsrat der Vereinten Nationen (UN)
• The Inside Story Granada Television Ltd. GB/USA
• Radarbilder Shanwick Ocean Control Center in Prestwick
• „PAN AM Jet crashes in Scotland“, Washington Post
• „ A joyles Christmas Season for survivors“, Newsday

Erinnerungen an den 11. September

Zwölf Jahre auf den Tag genau ist es her, als die Welt stillstand und Menschen den Atem anhielten. Eine deutsche Boulevardzeitung schrieb am 12. September 2001 Ein Leben lang werden sich Menschen an diesen Tag erinnern und ganz genau wissen, wann und wo sie waren.

Ich kann mich noch gut an den 11.September 2001 erinnern. Doch für mich beginnt der 11.September viel früher.

Es war mein erster Flug nach New York Ende der 1990er Jahre. Der Flug über den Atlantik hatte lange gedauert und ich war mit fast 3 Stunden Verspätung in Düsseldorf gestartet. Der Lufthansa-Airbus flog den Hudson entlang in Richtung New York. Irgendwo hinter Albany sah ich über den Wolken etwas leuchten. Es war die Antennenspitze des World Trade Centers. Mit und mit erkannte ich die obersten Stockwerke des WTC. Kurios war, dass man die anderen Gebäudekomplexe der Stadt noch gar nicht sehen konnte. Der Anblick hat mich noch lange fasziniert. Beeindruckend war auch der erste Blick auf die Skyline, die sich von der Septembersonne angestrahlt in den schönsten Farben und Facetten zeigte. Beim Landanflug auf Newark saß ich an der richtigen Seite und konnte die Schönheit Manhattans in vollen Zügen genießen. Jahre später konnte ich verstehen, was in den Köpfen der Passagiere vorgegangen sein musste, als sie am 11. September 2001 von Newark abhoben und das brennende World Trade Center sahen.

Ich blieb nur kurze Zeit in New York, weil ich mit dem Amtrak die Ostküste entlang reisen wollte. Doch der eine Tag in New York reichte völlig aus, um mich in diese Metropole zu verlieben. Natürlich führte mich mein Weg auch in den Battery Park und über die West Street direkt zum World Trade Center. Um die Mittagszeit herrschte hier reger Betrieb. Viele gut gekleidete Geschäftsleute und Banker hatten Mittagspause und trugen ihren Kaffee to go durch die Gegend. Das WTC hatte eine seltsame Anziehungskraft. Ich fuhr nicht in die obersten Etagen, weil ich unbedingt noch über den Broadway laufen wollte und ich meinen Zug um 20 Uhr erreichen musste. Auch bei meinen weiteren Aufenthalten in New York, habe ich es nie geschafft in die oberen Etagen des WTCs zu fahren.

Pünktlich verließ mein Zug New York in Richtung Washington. Wieder konnte ich den Blick auf die Skyline genießen und wieder war es das World Trade Center, deren Spitze ich noch lange am Horizont erkennen konnte.

Es war ein sonniger 11. September und ich war in bester Urlaubsstimmung. In wenige Stunden wollte ich nach Marokko aufbrechen. Ich schlief lange und wollte am Nachmittag meine Eltern besuchen. Meine Mutter stand aufgeregt vor der Türe und gestikulierte. Ein Flugzeug ist in New York mitten in der Stadt abgestürzt. Fehlerhaft waren die ersten Nachrichten, die über den Bildschirm kamen. Mein Vater saß vor dem Fernseher und verfolgte die Geschehnisse in New York. Peter Klöppel versuchte Licht ins Dunkel zu bringen. Wie erstarrt schaute ich auf das Fernsehgerät und sah das zweite Flugzeug einschlagen. Es war totenstill im Wohnzimmer meiner Eltern. Klöppel war angespannt und es sah so aus, als kämpfte er gegen Tränen an. << Das ist der 3. Weltkrieg. >> bemerkte mein Vater ganz trocken. Stundenlang verfolgten wir die Bilder. Der Flugverkehr war eingestellt und ich war sowieso nicht mehr in Urlaubsstimmung. Noch am Abend stornierte ich meine Reise nach Marokko. Mein Mann und ich waren wie gelähmt. Er versuchte seine amerikanischen Verwandten in der Nähe von Washington zu erreichen. Sein Onkel war Gouverneur gewesen und hatte bis heute oft in Washington zu tun. Doch es kam den ganzen Abend keine Verbindung zustande. Viele Stunden später erreichte uns eine E-Mail aus Virginia. Alle waren wohl auf, aber in größter Sorge. Stundenlang hatten wir die Fernsehbilder verfolgt und wollten nicht mehr länger einfach nur da sitzen. Spontan fuhren wir in die Innenstadt, um im Dom zu beten und für die Opfer Kerzen anzuzünden. Auf dem Marktplatz hatten sich viele Menschen versammelt, sie hatten Blumen und Kerzen abgelegt. Es lagen auch viele Karten und Zettel auf dem Boden. Menschen suchten nach Worten und Erklärungen. Auch muslimische Mitbürger standen fassungslos dort und einige baten sogar um Vergebung. Die Kirchen waren an jenem Abend voll und es hatte den Anschein, als würde die Welt stillstehen.

Einige Monate waren seit den Anschlägen vergangen. Der Krieg in Afghanistan hatte begonnen und die ganze Welt jagte Osama Bin Laden. Es war ein kalter Dezembernachmittag als die Queen Elizabeth 2 in Southampton ablegte, um mich und hunderte andere Passagiere nach New York zu bringen. Über fünf Tage dauerte die Atlantiküberquerung. Ab der Irischen See wurde das Wetter stürmisch. Wir erlebten zwei schwere Schneestürme und fast alle Passgiere litten unter der Seekrankheit. Kurzzeitig musste sogar der Kurs geändert werden und wir steuerten in Richtung Neufundland. Der Kapitän versuchte den Stürmen, so gut er konnte, auszuweichen und einige hundert Seemeilen vor New York beruhigte sich der Atlantik wieder. Unsere Ankunft in New York war für 6 Uhr geplant, aber ab 4 Uhr sollten schon die ersten Lichter zu sehen sein. Nach dem Mitternachtsbuffet nahmen wir noch einen letzten Cocktail an der Bar. An Schlaf war in dieser Nacht sowieso nicht zu denken. Auf dem Schiff herrschte ein wildes Treiben. Viele waren froh, nach fünf langen Seetagen endlich wieder Land zu sehen. Auch der Dresscode schien nach Mitternacht schon außer Kraft gesetzt zu sein. Wir tauschten Smoking und Cocktailkleid gegen wetterfeste Jacken und machten es uns auf dem Außendeck bequem.

Die QE2 erreicht New York (c) Carina Tietz

Die QE2 erreicht New York (c) Carina Tietz

Näher und näher kamen die Lichter der Stadt und gegen 6 Uhr passierten wir Coney Island und fuhren durch die Verrazzano-Bridge in die Upper Bay. Ich hatte Angst vor dem Anblick der Skyline. Wie würden sie aussehen ohne das World Trade Center? Mein Blick war zunächst auf die andere Seite gerichtet. Die Queen Elizabeth 2 steuerte an der Freiheitsstatue und an Ellis Island vorbei. Jetzt war der Moment gekommen. Wir erreichten den Hudson River. Die Passagiere blickten mit Entsetzen zur Battery Park City herüber und manche amerikanischen Passagiere hatten Tränen in den Augen. Die Türme waren weg, einfach weg. Es sah aus wie eine Fotocollage bei der man einfach das WTC weggelassen hatte. Ich wusste genau hinter welchen Gebäuden des Battery Parks die Lücke klaffte. Nie würde ich vergessen, wo die Türme einst gestanden hatten. Doch das Schlimmste stand mir noch bevor, denn ich wollte mir Ground Zero aus der Nähe anschauen.

Der Tag in Manhattan begann sonnig und trocken. Unter meinen Füßen schwankte immer wieder der Boden. Die Überfahrt über den Atlantik steckte mir im wahrsten Sinne des Wortes noch in den Knochen. Ich weiß im Nachhinein nicht mehr, warum wir uns zu Anfang immer wieder vom Financial District entfernten und zunächst das Rockefeller Center und Central Park besuchten. Wahrscheinlich hatten wir unterbewusst Angst davor, was uns an den Ruinen des WTCs erwartete. Am späten Vormittag erreichten wir schließlich den unteren Broadway an der Dey Street und bogen in Richtung WTC ab. Das erste was uns ins Auge fiel war das große Stahlkreuz, das aus den Trümmern des WTCs stammte. Es stand dort, als wolle es den Ort des Todes kennzeichnen. In drei Tagen war Heiligabend. Mitten in der Baustelle stand dieser übergroße Weihnachtsbaum. Darunter hing ein Plakat mit der Aufschrift never forget. Obwohl Ground Zero ein Ort des Todes und der Einäscherung tausender Menschen war, ging es sehr lebhaft zu. Bagger fuhren umher und zig Kräne bewegten sich im Eiltempo über die Ruine. Minutenlang standen wir einfach nur da und blickten durch die meterhohen Bauzäune an der Church Street. Unser Vorstellungsvermögen reichte einfach nicht aus, um zu verstehen und begreifen zu können, was hier am 11. September 2001 geschah. Hier überall hatten pulverisierte Leichen gelegen. Es war so, als würde ich über Grabsteine eines Friedhofes spazieren gehen.

Ein Weihnachtsbaum am Ground Zero in New York (c) Carina Tietz

Ein Weihnachtsbaum am Ground Zero in New York (c) Carina Tietz


Ich war den Tränen nah. Meine Beine waren wie gelähmt, als wir an St. Paul´s Chapel ankamen. Hier war der 11. September noch gegenwärtiger als am Ground Zero. Die Kirche war schon Stunden nach den Anschlägen ein Zufluchtsort gewesen. Ihre Bilder gingen um die Welt, denn trotz ihrer Nähe zum WTC war St. Paul´s Chapel nicht beschädigt worden. Selbst die Fenster waren ganz geblieben. Die Kirche war im September 2001 Schlafstätte, Essensausgabe, ein Ort zum Beten und ein Ort zum Trauern. Schließlich konnte ich meine Tränen nicht mehr zurückhalten, als ich die vielen Botschaften am Außenzaun der Kirche sah. Überall hingen Fotos, Banner und Dinge, die irgendwie mit diesem Tag in Verbindung standen. Ich sah das Bild eines New Yorker Feuerwehrmannes in Uniform. Auf dem Bild war ein schwarzes Kreuz gemalt und eine verwelkte, rote Rose zierte es. Weiter unten hing das Foto eines Mannes. Darunter stand in Kinderschrift geschrieben Daddy, I miss you. Aber es waren auch kämpferische Zitate zu sehen. Eine Schulklasse hatte Handabdrücke auf ein Laken gemalt und ihre Parole lautete united we stand. Auf einer amerikanischen Flagge stand geschrieben we are all New Yorker und ein Plakat zeigte einen Feuerwehrhelm und darunter stand in schwarzen Druckbuchstaben memorial to heroes.
Erinnerungen an den 11. September an St. Paul´s Chapel (c) Carina Tietz

Erinnerungen an den 11. September an St. Paul´s Chapel (c) Carina Tietz


Es war schwer das Erlebte zu verarbeiten. Wir wollten eigentlich am Fulton Fish Market zu Mittag essen, aber Hunger hatte in diesem Moment niemand mehr. Das Ganze war uns auf den Magen geschlagen. Stattdessen ruhten wir uns auf einer Bank am South Street Seaport aus und beobachteten Brooklyn Bridge. Aber auch hier waren die Erinnerungen an den 11. September allgegenwärtig. Sofort hatte ich die Bilder, der farbigen Frau im Kopf, die voller Staub versuchte über die Brooklyn Bridge zu entkommen.
Brooklyn Bridge (c) Carina Tietz

Brooklyn Bridge (c) Carina Tietz


Diesmal war es ein anderer Aufenthalt in New York. Das merkte man überall. Die Regierung hatte vor Anschlägen gewarnt. Es herrschte die höchste Warnstufe. Einen Tag vor Weihnachten wimmelte es am -Kennedy-Airport nur so von Sicherheitskräften. Es dauerte Ewigkeiten, bis wir die Sicherheitskontrollen passiert hatten. Dann mussten wir schlagartig das Gebäude verlassen. Im Terminal wurde eine herrenlose Tasche gefunden. Fehlalarm!! Als wir wieder am Gate ankamen, wurden wir erneut aufgefordert das Gebäude zu verlassen. Eine Maschine der Virgin Atlantic wurde noch während des Boardings wieder geräumt. Es gab eine Bombendrohung. Drei Stunden später saßen wir endlich in einer Boeing 747 der Singapore-Airlines, die uns nach Frankfurt brachte. Bis zum Abflug verging noch eine weitere Stunde. Die Concorde durfte vor uns starten und eine Maschine der Royal Jordanian wurde von Sicherheitsleuten umstellt. Das alles war New York nach dem 11. September.

Der Weihnachtswahnsinn hat Einzug in den Regalen gehalten!

Ich wollte nur schnell einen Schreibblock besorgen und glaubte meinen Augen nicht zu trauen. Während die Menschen in die Freibäder strömen, Eis schlecken und leicht bekleidet auf Flip-Flops durch die Parks spazieren, hält der Wahnsinn Einzug in den Geschäftsregalen: Lebkuchen, Nikoläuse, Weihnachtskerzen, Adventskalender und alles, was das Herz von Weihnachtsmännern und Christkindern höher schlagen lässt. Kopfschüttelnd stehe ich vor dem Regal und würde den ganzen Mist am liebsten abräumen. Die Verkäuferin ist meiner Meinung, aber der wirtschaftliche Aspekt steht im Vordergrund. Statistisch gesehen werden nämlich im September mehr Spekulatius und Lebkuchen gegessen, als im Dezember. Doch wo ist die Grenze der finanziellen Vorteile und der Profitgier erreicht? Wollen wir bei den Temperaturen denn ernsthaft Dominosteine essen? Der Schokoladennikolaus kommt sowieso nicht heil nach Hause, er nimmt bei 30°C im Schatten seine flüssige Form an und lässt eine klebrige Aluminiumfolie zurück. Lediglich der hier nicht heimische Weihnachtsstern könnte schon zur Dekoration ausgepflanzt werden und hätte an den heißen Temperaturen seine Freude.
Ich habe schon im August von Weihnachten die Nase voll. Dann können wir doch gleich im Dezember mit dem Bemalen der Ostereier beginnen. So wird es zwischen den Tagen auch nicht langweilig!
In diesem Sinne!


Mein Büro bleibt vom 28. Juni bis zum 12. Juli 2013 geschlossen

Liebe Leser, Kunden, Autoren, Lektoren und Auftraggeber,

nach den angespannten Hochwassertagen werde ich nun in den wohlverdienten Urlaub gehen und meiner Kreativität wieder zu neuen Impulsen und Anregungen verhelfen. Daher bleibt mein Büro vom 28. Juni bis zum 12. Juli 2013 geschlossen.

Das erste eBook meiner neuen eBook-Ratgeber-Reihe ist im Moment im Lektorat und wird dann um den 20. Juli herum erscheinen. Mehr will ich jetzt aber noch nicht verraten!

Alle laufenden Projekte ruhen bis zum 10. Juli. Die Korrekturschleifen laufen noch bis zum 29. Juni.

Neue Projekte und Aufträge nehme ich erst wieder ab dem 12. Juli 2013 an.

Vom 3. bis zum 10. Juli bin ich weder telefonisch noch per E-Mail zu erreichen.

Ich wünsche Euch schöne und erholsame Ferien!

Carina Tietz

Tolle Szenen am Deich in Kaltenhof

Kinder sind neugierig und haben es zu Hochwasserzeiten auch nicht immer ganz leicht. Zwar fällt die Schule aus, aber tagsüber gibt es einige Einschränkungen. Sportveranstaltungen fallen aus und Freunde sind oftmals gar nicht zu erreichen. Eltern sind nervös und behalten momentan lieber den Deich im Auge, als Monopoly zu spielen. Was für die Eltern oftmals eine Belastung darstellt, ist für die Kinder eine willkommene Abwechslung. So gestern auch in Kaltenhof. Die Nachricht verbreitete sich schnell: Am Deich bringen sich Polizeiwagen in Stellung und schwere Laster blockieren die Zufahrtsstraßen. Nach den Platzverweisen der letzten Tage halten die Bürger sich lieber zurück und beobachten mit Abstand, was oben am Deich passiert. Einige peilen die Lage mit Fernrohren. Als die Polizei damit beginnt Boote ins Wasser zulassen, ist die Situation angespannt. Niemand im Dorf weiß, was es damit auf sich hat. Muss der Deich kontrolliert werden oder fangen die Boote nur gefährliches Treibgut ab? Diese Fragen können nur die Polizisten beantworten, aber die Kaltenhofer halten sich lieber zurück. Ihr Motto: „Wenn es schlimm wird, werden die uns schon informieren.“ Ganz anders die Kinder. Neugier treibt sie zum Deich hinauf. Wann sieht man in Kaltenhof schon mal Polizeiwagen und Boote? Es sind ganz besondere Wagen und die Kinder können ihre Neugier trotz Ermahnung der Eltern nicht stoppen. Mein Sohn denkt sich wohl, dass es im Kollektiv keine Strafe gibt und macht sich mit anderen Kindern auf den Weg zum Deich. Wir Eltern beobachten das Szenario mit Abstand und rechnen eigentlich mit wütenden Polizisten, die uns Eltern an die Aufsichtspflicht erinnern. Doch weit gefehlt! Die netten Polizisten und Polizistinnen aus Hannover haben für die Neugier der Kinder volles Verständnis. Die Kinder dürfen zusehen, wie die Boote ins Wasser gelassen werden. Sie ziehen Polizeihelme an und dürfen sogar im Kamerawagen sitzen und die Elbe beobachten. Herzerwärmende Szenen am Kaltenhofer Deich. Danach ist die Lage bei Eltern, Kindern und auch bei der Polizei entspannter. Viele der Einsatzkräfte haben selber Familie und sehen ihre Kinder tagelang nicht, weil sie den Menschen an der Elbe helfen. Die Kinder können ihre Begeisterung kaum zügeln. Den ganzen Abend reden sie über Teleskopkameras, Funkbilder und Polizeieinsatz. Das pure Abenteuer zu Hochwasserzeiten. Gerade das sind die Szenen, die wir gerade jetzt hier im Wendland so sehr brauchen.

c) Zinédine und Daniel aus Kaltenhof

c) Zinédine und Daniel aus Kaltenhof

c) Zinédine und Daniel aus Kaltenhof

c) Zinédine und Daniel aus Kaltenhof

c) Zinédine und Daniel aus Kaltenhof

c) Zinédine und Daniel aus Kaltenhof

 

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