Weinlexikon: Das Ernten der Spätlese und die Edelfäule

Das Ernten von Spätlesen ist generell nur mit bestimmten Sorten möglich. Diese müssen sich mit wachsender Reife nach und nach vollenden. Eine typische Spätlese ist der Riesling. Spätlesen gibt es generell nur in Deutschland, in Österreich, in der Schweiz, in Rumänien und in Teilen des Elsasses.




Spätlesen haben zudem mit den Tücken des Herbstes zu kämpfen. Daher ist die Wahl des Lesetermins eine echte Herausforderung. Reife Trauben sind anfällig für Befall von Schimmelpilzen. Das gilt gerade bei einem warmen und feuchten Herbstwetter. Werden die Trauben von Schimmelpilzen befallen, entsteht die gefürchtete Edelfäule. Dabei wird die Haut der Traube förmlich durchlöchert. Das Wasser verdunstet erst in der Frucht und ernährt sich von den Inhaltsstoffen des Fruchtfleisches. Es macht sich ein Pilz breit, der mehr Säure als Zucker verzehrt. Die Lese wird süßer. Viele Weinkenner schätzen Weine mit Edelfäule-Bukett.

Da die Trauben aufgrund der Fäule in Rosinenform schrumpfen, ist der Ernteertrag deutlich geringer. Es ergibt sich ein süßer Beerenwein oder eine
Trockenbeerenauslese. Beides wird unter Weinkennern hochgeschätzt. Anders sieht es bei der Ernte von Rotweintrauben aus. Hier muss das faule Traubengut unbedingt ausgesondert werden. Geschieht das nicht, verliert der spätere Rotwein seine Farbe. Beerenwein oder eine Trockenbeerenauslese sind daher immer Weißweine. Die berühmtesten Edelfäule-Weine kommen aus Deutschland und aus den französischen Gebieten Sauternes und Barsac. Aus Ungarn stammt der Tokajer.




Carina Tietz

Freie Journalistin und Autorin

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