Endlich angekommen in Aqaba / Jordanien

Nach tagelangen Besichtigungen von historischen Monumenten, antiken Kulturgütern und endlosen Fahrten durch die Wüste erreichen wir in den frühen Morgenstunden Aqaba. Auf den ersten Blick hat Aqaba nichts Romantisches. Im Containerhafen herrscht buntes Treiben und die Industriegebiete sind gewöhnungsbedürftig. Aqaba löst auf den ersten Blick keine Glücksgefühle aus. Wer die Schönheiten von Aqaba erkennen will, muss zweimal hinsehen und tief in die Herzen der Menschen eintauchen.

Al-Sharif Al Hussein bin Ali Mosche in Aqaba, Jordanien (c) Carina Tietz
Al-Sharif Al Hussein bin Ali Mosche in Aqaba, Jordanien (c) Carina Tietz

Die Stadt am Roten Meer ist der einzige Wasserzugang des Landes. 100.000 Menschen leben entlang des 26 Kilometer langen Küstenabschnittes. Gleich nebenan liegt der israelische Küstenort Eilat, den ich mir morgen anschauen werde. Vorausgesetzt es klappt mit dem Einreisevisum nach Israel. Viele Jordanier haben mich vorgewarnt. Bei Deutschen schauen die Israelis genau hin. Bis dahin ist noch etwas Zeit und heute will ich Jordanien noch einmal in vollen Zügen genießen.

Gewürzhändler in Aqaba, Jordanien (c) Carina Tietz
Gewürzhändler in Aqaba, Jordanien (c) Carina Tietz




Die letzte Nacht haben wir bei den Beduinen verbracht. Das Frühstück war etwas dürftig und der Hunger ist groß. Es ist erst zehn Uhr, aber die Sonne brennt auch heute wieder gnadenlos. In den Souks suchen wir nach einem typisch jordanischen Café. Bloß keine westlichen Restaurants oder Fast Food Ketten. Wir wollen die jordanische Esskultur kennenlernen. Unsere Wahl fällt auf eine kleines Restaurant, halb Café und halb Imbissbude, schräg gegenüber der Moschee. An den Tischen sitzen nur Männer. Die weißen Plastikstühle sind vom Staub verdreckt und am einzigen freien Tisch steht noch Geschirr. Touristen kommen nur selten in diese Gegend und die anderen Gäste wundern sich darüber, dass wir hier essen wollen. Sie sprechen uns ins Englisch an. Ich versuche in Arabisch zu antworten: „Ana min almania“. Der Satz geht mir nach vielen Tagen nun problemlos über die Lippen. Ob ich Arabisch spreche? Nein, ich habe den Satz von unserem arabischen Fahrer gelernt. Wir wollen Frühstück bestellen, aber der freundliche Kellner versteht uns nicht wirklich. Er fragt, ob wir, die jordanische Küche probieren möchten. Wir nicken und schon nach wenigen Minuten biegt sich der abgenutzte Plastiktisch und die „Mezze“ stapelt sich. Wir dippen Falafelbällchen in Tahina, einer würzigen Soße aus Sesam und Zitrone und lassen uns den Schanklisch, ein Kräuterfrischkäse, schmecken. Dazu trinken wir Assir Iamun, frischer Limonensaft, ein idealer Durstlöcher bei dieser Hitze.

Deutsch-Jordanische Verständigung (c) Carina Tietz
Deutsch-Jordanische Verständigung (c) Carina Tietz

Unser Frühstück hatte Brunch-Charakter. Gut gestärkt bummeln wir weiter durch die Souks. Es ist Mittag. Der Muezzin ruft zum Dhuhr, dem islamischen Mittagsgebet. Überall riecht es nach Kräutern und Gewürzen. Wir kochen auch zu Hause gerne arabisch und sind auf der Suche nach Kreuzkümmel. Der Verkäufer begrüßt uns schon vor der Türe und bittet uns herein. Die feinsten und edelsten Gewürze erwarten uns. Immer wieder bekommen wir Gewürze und getrockneten Sesam zum Probieren gereicht. Am liebsten würden wir alle Gewürze mitnehmen, aber dazu reichen die Freigepäckmengen der Fluggesellschaft nicht aus. Für 15 US-Dollar gibt es eine ganze Tüte u.a. gefüllt mit Paprika, Kreuzkümmel, Sesam, Curry und Salz.

Gewürze (c) Carina Tietz
Gewürze (c) Carina Tietz




Immer weiter tauchen wir in die orientalische Welt ein. An jeder Ecke will man uns die typischen Sandflaschen mit Kamel-Motiven verkaufen. Plötzlich wandelt sich der Geruch der Gewürze in modriges Fleisch. Zwischen einem Lebensmittelgeschäft und einem Tuchladen hängen abgezogene Hammel an Fleischhacken.

Am Nachmittag strömen die Menschen zum Asr, dem Nachmittagsgebet. Unsere Einkaufstour ist nun beendet. Was liegt näher, als ein kühles Bad im Meer? Wir meiden ganz bewusst die kostenpflichtigen Privatstrände und entscheiden uns für einen öffentlichen Strand. Das türkisblaue Wasser lockt mit einem Reichtum an Fischen und Korallenriffen.

Auf den zweiten Blick ist Aqaba ein einladender Badeort mit gastfreundlichen Menschen und kristallklarem Wasser. 

Jordanische Fahnen (c) Carina Tietz
Jordanische Fahnen (c) Carina Tietz
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Carina Tietz

Freie Journalistin und Autorin

One thought on “Endlich angekommen in Aqaba / Jordanien

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