Verkehr: Neue Sperrung und erwartete Freigabe

Wegen Hochwasser  wird die L 231 in Neu Darchau an der Abzweigung L 232 Richtung Fähranleger in Fahrtrichtung Walmsburg sowie an der Abzweigung zur Ortsverbindungsstraße nach Tolsterglope in Fahrtrichtung Hitzacker gesperrt. Eine Umleitung für diesen Bereich ist ausgeschildert. Der Landkreis Lüchow-Dannenberg rechnet damit, dass die Zufahrt nach Laasche im Laufe des Tages wieder sichergestellt werden kann. 

Aktuelle Lage in den Hochwassergebieten 13. Juni um 8 Uhr, es kommt noch Wasser aus der Saale

Im gesamten Landkreis Lüchow-Dannenberg sinken weiterhin die Wasserstände. In Schnackenburg beispielsweise geht das Wasser derzeit um 1 cm pro Stunde zurück. Am frühen Morgen (13.06.2013, 6.00 Uhr) stand der Pegel dort bei 7, 42 m, das sind 11 cm unter dem Höchststand von 2002. „Demnächst wird sich dieses Absinken voraussichtlich etwas verlangsamen“, prognostizierte Ernst-August Schulz von der Kreisverwaltung am Morgen in der Lagebesprechung des Katastrophenschutzstabs im Lüchower Kreishaus. Denn noch stünde unter anderem der Saale-Abfluss aus, der zusätzliche Wassermassen erwarten lässt.

Die Sicherungsarbeiten am zweiten Notdeich in Neu Darchau konnten am frühen Morgen erfolgreich abgeschlossen werden. Wegen der für die kommenden Tage vorhersagten Niederschläge haben die Einsatzkräfte dort in diesen Stunden damit begonnen, den Notdeich mit Planen abzudecken.

Nachdem in Gartow am Dienstag (11.06.2013) ein an sich gesund aussehender Baum in Deichnähe umgestürzt war, stand gestern (12.06.2013) eine alte Eiche in der Nähe der Schutzmauer in Wussegel besonders im Fokus. EInige Äste, die über die Mauer ragten, wurden abgesagt, der Wurzelteller des Baums mit Sandsäcken beschwert. Weitere Bäume in Deichnähe sollen aufmerksam beobachtet werden.

Abgesehen von den bekannten Brennpunkten bei Wussegel/Penkefitz und Neu Darchau/Katemin, sei die Lage insgesamt relativ ruhig: „Wir müssen jetzt auf die Standfestigkeit unserer Deiche vertrauen“. Und natürlich werden die Deiche weiterhin aufmerksam beobachtet. Bei Wussegel seien allein drei Wachen in doppelter Besetzung unterwegs, berichtete Axel Schmidt vom Jeetzeldeichverband.

 

Neu Darchau bereitet sich auf den Ernstfall vor

Mitarbeiter der Samtgemeinde Elbtalaue, begleitet von Feuerwehr und DRK,  informieren heute Nachmittag in Neu Darchau und Katemin alle Haushalte, die betroffen wären,  wenn die errichteten Notdeiche dem tagelangen Druck des Hochwassers nicht standhalten.
Der errichtete Notdeich in Neu Darchau droht in Richtung Elbe abzusacken, so dass vergangene Nacht ein 2. Notdeich von rund 150 Metern Länge errichtet wurde. Eine Verlängerung soll erfolgen. Die Gefahr eines Versagens aller  Sicherungsmaßnahmen ist aber nicht auszuschließen. Dann würde es zu Überflutungen in Teilbereichen von Neu Darchau und Katemin kommen. Dieses Restrisiko besteht.
Hierüber werden heute alle Personen informiert, deren Gebäude tiefer als 14 m ü.NN liegen und deren Grundstücke durch die Notdeiche gesichert sind. Es handelt sich hierbei um ca 110 Personen.
Die Bewohnerinnen und Bewohner werden gebeten folgende Vorkehrungen zu treffen:
  • Fahrzeuge sollen in höher gelegene Bereiche des Ortes gefahren werden.
  • Lose Gegenstände sollen gesichert oder vom Grundstück entfernt werden.
  • Möbel in tiefer gelegenen Teilen des Hauses sollten gesichert werden.
  • Die Bewohner sollten sich wenn möglich, vor allem Nachts, im Obergeschoss ihres Hauses aufhalten.
Die Teams der Samtgemeinde erkundigen sich auch, ob die Bewohner im Falle einer Überflutung privat Quartier finden oder ob die Samtgemeinde eine Unterkunftsmöglichkeit vorhalten soll.
Bei der Bürgerinformation handelt es sich um eine reine Vorsorgemaßnahme.
Fragen werden weiterhin rund um die Uhr vom Bürgertelefon der Samtgemeinde unter den Rufnummern 05861/808-216 oder  808-217 beantwortet.

Lage entlang der Deiche wird kritischer

Die Lage entlang der Deiche wird immer kritischer. Ein Leser berichtet, dass die Maulwürfe aus der Deichgegend abgezogen sind. Das könnte bedeutet, dass das Wasser von unter immer weiter anrückt. 

In Wussegel und Penkefitz sind die Deiche durchgeweicht. Es gibt immer mehr Anzeichen dafür, dass Wasser durchdrückt. So zeigen sich viele Wasserblasen. Die Lage hier ist kritisch. Helfer der Feuerwehr, des THW und der Bundeswehr geben ihr Bestes! Mit Sandsäcken will man die Deichfüße weiter abdecken. Stahlplatten werden entlang der Straßen befestigt.

Noch schlimmer sieht es in Neu Darchau aus. Hier wurde die Bevölkerung bereits aufgefordert Fahrzeuge und nicht befestigte Gegenstände zu entfernen. Es wird angeraten, sich in den Obergeschossen aufzuhalten.

Helfer sind überall im Einsatz. Wir können nur hoffen, dass die Deiche halten!

 

 

Straßensperren im Hochwassergebiet

Hier nochmal ein Überblick über die aktuellen Straßensperren:

K 36 Hitzacker – Penkefitz
K 19 Neu Darchau, Fähranleger (Seit 10.06.13 sollen an der Haltestelle Fähranleger keine Busse mehr halten.)
K 28 Meetschow -Vietze
L 231 Neu Darchau, Mühlenbach (nur halbseitige Sperrung)
B 248 Tramm, Einfahrt Kieswerk (nur Geschwindigkeitsreduzierung)
L 256 Kapern – Bömenzien
K 13 Penkefitz – Jasebeck
K 14 B 191 Seybruch – Damnatz
K 29 B 191 Quickborn – Damnatz
K 13 Dannenberg – Penkefitz
K 29 Groß Gusborn – Quickborn
K 19 Neu Darchau – Drethem
L 232 Neu Darchau Rtg. Fähranleger
L 256 Meetschow – Gartow
K 36 Tießau – Tiesmesland
K 36 Hitzacker – Tießau
K 19/K 36 Wietzeetze – Drethem – Tiesmesland (zusätzlich ist die L 231 bis Tießau gesperrt)
L 256 Laase – Gorleben

Falschmeldungen und Katastrophen-Journalismus braucht im Wendland niemand: Es gab keinen Deichabrutsch!

Die Meldung verbreitete sich gestern wie ein Lauffeuer: Angeblich gab es in Neu Darchau einen ersten Deichabrutsch. Viele Anwohner machten sich daraufhin große Sorgen. Auch entlang der anderen Ortschaften machte sich die Angst breit. Der Deichabrutsch entpuppte sich letztendlich aber als eine Bagatelle. Der Katastrophenschutz teilte am Morgen mit, dass lediglich ein Stück Folie abgerutscht sei. Das müsse nun geflickt und dann neu befestigt werden. Kopfschüttelnd reagierten die Anwohner: „Das ist Mache und Sensationsberichterstattung auf Kosten der Bürger.“

Schnell stellte auch die Kreisverwaltung klar, dass die Situation dort nie bedrohlich war.

 Ich will das Ganze nicht näher kommentieren, aber ich wünsche mir einfach mehr Fingerspitzengefühl bei der Berichterstattung aus den Krisengebieten.

 

 

Was denken und fühlen die Menschen im Wendland?

Hoher Besuch gestern in Dömitz: Innenminister Lorenz Caffier wird in den Hochwassergebieten von Mecklenburg Vorpommern erwartet. Ich überlege lange, ob ich an diesem Pressetermin teilnehmen soll. Letztendlich entscheide ich mich dagegen. Alle großen Zeitungen, Radiosender und TV-Sendungen werden sowieso darüber berichten. Mir ist es wichtiger über die betroffenen Menschen zu schreiben. Mein E-Mail-Briefkasten läuft über. Menschen aus der Region teilen mir Ihre Ängste und Sorgen mit. Sie stellen mir Fragen und hoffen auf Antworten. Für all diese Menschen, soll mein Blog ein Sprachorgan sein. Sie spiegeln nicht immer meine eigene Meinung wieder. Sie sind einfach nur ein Zeichen dafür, dass die Gefühle Achterbahn fahren und sie erzählen offen und ehrlich, was die Menschen im Wendland momentan bewegt.

Nähe Dömitzer Brücke (c) Carina Tietz

Nähe Dömitzer Brücke (c) Carina Tietz

T.S aus der Nähe von Neu Darchau: „Bei uns liegen die Nerven total blank. Bekannte haben geholfen das Haus leer zu räumen. Wir wissen nicht was auf uns zukommt. Es ist unser erstes Hochwasser, da wir das Haus erst im letzten Sommer gekauft haben. Niemand hat uns damals gesagt, dass hier solche Gefahren herrschen. Es belastet uns alle!“

Ein Feuerwehrmann: „Die Wasserstände sind doch gar nicht das Problem. Es kotzt mich regelrecht an, wenn  man von Entwarnung spricht! Natürlich wird das Wasser nicht überall, vielleicht auch gar nicht, über die Deiche schwappen. Aber es wird lange stehen bleiben. Es wird die Deiche Stück für Stück aufweichen. Es drohen Deichbrüche. Die können verheerende Folgen haben. Das muss man den Menschen weitergeben. Sie müssen sich der Gefahr bewusst sein. Im Ernstfall stehen schnelle Evakuierungen an. Da bleibt keine Zeit mehr, um persönliche Dinge zusammen zupacken. Hier greift das Informationssystem der Behörden nicht.“

Peter: „Ich habe meine eigenen Sandsäcke gefüllt, denn bei uns ist noch kein Sack angekommen. Auch am Deich ist nichts zu sehen.“

Ein Polizeihubschrauber landet in Kaltenhof (c) Carina Tietz

Ein Polizeihubschrauber landet in Kaltenhof (c) Carina Tietz

Karin aus der Nähe von Gartow: „Hier sind die Helfer unermüdlich im Einsatz. Das macht Mut. Wir sind direkt betroffen und haben die untere Etage bereits geräumt. Die Möbel stehen bei Freunden. Jeder hat mit angepackt. Die Solidarität treibt mir Tränen in die Augen.  Im Wendland hält man in Krisenzeiten zusammen!“

Marie: „Mein Arbeitgeber hat mir für heute und Freitag frei gegeben. Ich kann nicht arbeiten, da ich meine Kinder nicht unterbringen kann. Wir haben für die Helfer Kuchen gebacken. Am Nachmittag füllen wir Sandsäcke.“

Einsatzfahrzeuge sind überall, hier in Gartow (c) Carina Tietz

Einsatzfahrzeuge sind überall, hier in Gartow (c) Carina Tietz

Julia aus Dömitz: „Meine Tochter ist drei Monate alt. Sie benötigt Windeln und trinkt noch aus der Flasche. Ich kann nicht stillen. Wie viel Milchpulver benötige ich? Bringt die Feuerwehr im Notfall Windeln und Flaschennahrung??*Ich überlege ernsthaft, ob ich zu meiner Schwester nach Schwerin fahren soll. Aber andererseits will man sein Hab und Gut ja auch nicht alleine lassen. Ich kann nicht klar denken und bin wirklich angespannt.“ 

*Ich habe einige dieser Anfragen erreicht. Antworten sind willkommen!

Gundula aus Dannenberg: „Meine Mutter wohnt in Dömitz. Ich werde heute hinfahren und beim Einpacken helfen. Wer weiß, wie lange ich noch über die Brücke komme! Die Behörden sagen uns ja nichts. Wenn ich da rüber nach Mecklenburg Vorpommern schaue! Ich habe das Gefühl, dass dort alles besser und professioneller geregelt ist. Die Informationspolitik in Kreis Dannenberg ist schlecht und verwirrend.“

Hilfe kommt aus ganz Deutschland (c) Carina Tietz

Hilfe kommt aus ganz Deutschland (c) Carina Tietz

Claus aus der Nähe von Langendorf: „Ich habe schon beim Castor die Fehlpolitik hier kennengelernt. Da wundert mich nichts mehr. Die verarschen uns doch. Drüben im Osten nimmt man die Sache ernster. Da gibt es keine Entwarnung. Ein niedriger Wasserstand ändert ja auch nichts an der Gefahr. Kommt auch noch mal jemand zu uns und bringt Säcke?? Hier in der Langendorfer Gegend habe ich noch niemanden auf dem Deich gesehen. Was sind schon drei Höfe hier unten gegen das historische Hitzacker?“

Irmi aus Gartow: „Ich würde gerne wissen, wie lange die Geschäfte noch offen bleiben. Kommt überhaupt noch Nachschub? Man will ja den Landkreis weiträumig absperren. Dann kommen bestimmt keine Lebensmittellieferungen mehr. Soll ich mich mit Nahrungsmitteln eindecken und wenn ja, was soll ich kaufen?? Geht der Strom weg, dann nützt mir die Tiefkühlkost nichts mehr. Ich bin ratlos und wäre für jede Info dankbar.“*

*Wer kann hier Auskunft geben? Ratschläge gerne per E-Mail. Ich werde es weitergeben! Danke im Voraus!

Monika aus Hitzacker: „Mich zermürbt das Ganze. Aber das darf ich mir nicht anmerken lassen. Ich habe zwei Kinder und die sollen so wenig wie möglich damit belastet werden. Es ist aber trotzdem nicht immer leicht eine fröhliche Mutter zu spielen. Tief im Inneren bin ich getroffen. Ich habe Angst, dass ich alles verliere.“

Sandsäcke, Sandsäcke, Sandsäcke (c) Carina Tietz

Sandsäcke, Sandsäcke, Sandsäcke (c) Carina Tietz

R.H. aus Damnatz: „Ich kann die ganze Sache nicht einschätzen. Das macht mir regelrecht Angst. Auf der einen Seite gibt man Entwarnung auf der anderen klärt man uns über die Töne der Sirenen auf. Was soll ich davon halten?“

Astrid aus Höhbeck: „Man darf das nicht immer so angespannt sehen. Ich habe Kerzen gekauft und einen guten Rotwein. Wenn es hart auf hart kommt, ändert man eh nichts daran. Aber ich werde mich ganz bestimmt nicht schon vorher verrückt machen.“